Die Halver-Kolumne: Let it flow!

Das neue analytische Glaubensbekenntnis – wie die Kapitalmärkte in Zeiten von Schuldenkrise und Liquiditätsflut interpretiert werden müssen.

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Ach wie herrlich berechenbar waren doch früher für klassische Fundamentalanalysten die internationalen Kapitalmärkte. Eigentlich gab es dabei immer ein festes Glaubensbekenntnis: Die USA als Lokomotive der Weltkonjunktur reagierte auf Wirtschaftsabschwünge mit geldpolitischen Spenden.

Über den Importsog der konsumbeseelten Amerikaner konnten sich die USA ein ums andere Mal der Gefolgschaft der weltwirtschaftlichen Exportgemeinde sicher sein. Und anschließend wurde deren anfangs noch glaubensschwache Binnenwirtschaft auch zunehmend auf die Aufschwungsdoktrin eingeschworen. Nicht zuletzt ließ der wachsende Glaube an die Wirtschaft die Aktienmärkte deutlich ansteigen.

Hatte die Konjunktur die Boom-Phase erreicht, sammelte die Geldpolitik über zinspolitische Kollekten die Liquidität wieder ein und kühlte damit im Umkehrverfahren Konjunktur und Aktienmärkte ab. Erneut im Abschwung angekommen, wurde der Glaube an Aufschwung und Aktienmärkte mit geldpolitischem Segen wiederum angefacht.

Ich will nicht behaupten, dass damals die Einschätzung von Konjunktur, Zinsen oder Aktienmärkten ein Kinderspiel war. Aber die musterhaft ablaufenden Zyklen lieferten mindestens eine stabile Orientierung für die verirrte Analystenseele, sozusagen eine heile Analystenwelt.

Die Verweltlichung der klassischen Fundamentalanalyse

Nun, betrachtet man die heute real existierende Konjunktur- und Finanzlandschaft, unterliegt das ehemals so feste, analytische Glaubensbekenntnis einer massiven Verweltlichung. Der klassische Konjunkturzyklus ist heute deutlich der Reformation ausgesetzt. Die Geldpolitik ist heute mehr denn je zu einem entscheidenden Einflussfaktor geworden. Aus dem begleitenden Hüterhund ist längst der Hirte geworden. Sie ist nicht mehr so voraussehbar wie das Amen in der Kirche.

Seite 2: Zur neuen Allmacht der Geldpolitik

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