Anleihe-Anleger brauchen langen Atem

Robert M. Hall, ist Fondsmanager bei MFS Investment Management für den Bereich Institutional Fixed-Income. Er gibt seine Einschätzung für die Anleihe-Märkte im kommenden Jahr.

Robert Hall, MFS, ist nur verhalten optimistisch für die Anleihemärkte in 2014.

Ein äußerst schwaches Jahr haben Anleihe-Investoren hinter sich. Auf der Suche nach attraktiveren Renditen, Kapitalschutz und aktienähnlichen Erträgen trafen sie auf gnadenlose Märkte. Die Ergebnisse waren entsprechend enttäuschend. Anleihen litten unter dem enormen Anstieg der Treasury-Renditen und immer neuen Mittelabflüssen. In einigen Marktsegmenten wie Stadtanleihen und Emerging-Market-Anleihen ist diese Entwicklung noch immer nicht vorüber. Hinzu kam die geringe Liquidität am Sekundärmarkt, welche die Credit-Märkte noch immer plagt.

Risiko der Spreadausweitung

Als all dies zu einer ungewöhnlichen positiven Korrelation zwischen Treasury-Renditen und Credit-Spreads führte, wurde die ohnehin prekäre Lage noch schlimmer. Die Umkehr der üblicherweise negativen Korrelation drohte unsere Überzeugung in Frage zu stellen, dass die Credit-Spreads der beste Schutz der Anleger gegen steigende Zinsen sind. Selbst jetzt besteht noch das Risiko, dass sich die Spreads ausweiten, während die Staatsanleiherenditen steigen. Der Renditeanstieg dürfte aber geringer ausfallen als im Mai und im Juni. Nur wenige Anleiheinvestoren dürften das Jahr 2013 mit eindeutig guten Ergebnissen abschließen. Mit 0,41 Prozent Ende November ist der in US-Dollar abgesicherte Barclays Global Aggregate Index auf dem besten Wege zu seiner schlechtesten Jahresperformance seit 1994.

Volatile Schwellenlandmärkte

Die Gewinner dieses Jahres könnten andere sein als anfangs angenommen. Vor gar nicht langer Zeit waren Emerging-Market-Anleihen des Anlegers liebstes Kind. Nach einer relativ schwachen Wertentwicklung – insbesondere der „wackligen Fünf‘‘ Brasilien, Indonesien, Indien, Türkei und Südafrika – haftet Emerging-Market-Anleihen ein Makel an, den sie wohl eine Weile nicht abschütteln können. Die augenscheinlich stabilen und verlässlichen US-Investmentgradeanleihen waren weniger volatil als viele andere Spread-Produkte. Dennoch haben sie an Wert verloren und sich nur wenig besser entwickelt als US-Treasuries (47 Basispunkte Mehrertrag von Januar bis Ende November), die in diesem Jahr höchstwahrscheinlich das Schlusslicht sein werden. Andererseits waren High-Yield-Anleihen Anfang 2013 überbewertet und werden dies vermutlich auch Ende des Jahres sein. Dennoch haben sie bis zum 30. November recht ordentliche laufende Erträge von 6,87 Prozent erzielt.

Je länger der Horizont, desto besser

Da stellt sich die Frage, ob die Coupons High Yield auch im nächsten Jahr retten können – trotz der Überbewertung, schwächerer Kreditkennziffern und weniger gläubigerfreundlichen Emissionsbedingungen. Je länger der Horizont, desto besser die Perspektive Mit einem ausreichend langen Anlagehorizont und dem Zinseszinseffekt vor Augen sind wir recht optimistisch. Üblicherweise verlieren oder gewinnen Anleihegläubiger nicht über ein Jahr oder gar zehn Jahre. In der Vergangenheit waren Anleihe-Baissen immer recht kurz. In den 38 Jahren seit seinem Bestehen hat der Barclays US Aggregate Bond Index in 93 Prozent aller Monate positive gleitende 12-Monats-Erträge erzielt, in 98 Prozent aller Monate positive 24-Monats-Erträge, in 99 Prozent aller Monate positive 36-Monats-Ertrage und ausnahmslos immer positive 60-Monats-Erträge.

Der bei steigenden Zinsen unvermeidbare Kursrückgang ist zwar für Anleihegläubiger ungünstig, aber es gibt einen Ausgleich. Die Wiederanlage der Coupons zu höheren Renditen kann am Ende zu einer höheren Langfristperformance führen – höher als wenn die Zinsen niedrig geblieben oder sogar noch gefallen wären. Wer also Geduld hat, wird wahrscheinlich feststellen, dass die Zeit für ihn arbeitet.

Foto: MFS

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