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“Aktien gegen finanzielle Repression”

Mathias Müller leitet in Deutschland das Geschäft mit Privatkunden bei Allianz Global Investors und setzt angesichts herausfordernder Kapitalmärkte dabei insbesondere auf Multi-Asset-Fonds.

Mathias Müller, Allianz Global Investors, empfiehlt Produkte mit Risikomanagement.

Cash.: Viele Aktienmärkte rund um den Globus haussieren, insbesondere in den Industriestaaten. Eine Blaupause für die Zukunft?

Müller: Wir bewegen uns nach wie vor in einem Umfeld der finanziellen Repression [1] – Kaufkraftverlust des Kapitals durch niedrige Zinsen und hohe Inflation – und gehen davon aus, dass dies noch längere Zeit, möglicherweise jahrelang, so bleiben wird.

Dies spricht eindeutig für Aktienmärkte [2] sowie Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen und soliden Bilanzen, die Geld verdienen und dies zum Beispiel über Dividenden [3] an ihre Anleger ausschütten.

Zudem erwarten wir dieses Jahr eine globale – wenn auch moderate – Konjunkturerholung. Dies gilt auch für die Eurozone, die nach einigen schwierigen Jahren auf den Wachstumspfad zurückkehrt. Selbst für die Schwellenländer [4] sind wir optimistischer gestimmt als viele andere Marktteilnehmer.

Nachdem diese lange Zeit recht undifferenziert “in” waren, ist die Stimmung zuletzt aufgrund der Kursrückschläge und verschiedener Krisen umgeschlagen. In Summe erwarten wir daher für 2014 moderate Kursgewinne auf Aktien, es gilt allerdings mehr denn je, differenziert zu investieren und aktiv zu managen.

Welche Rolle spielt das Tapering in den USA und werden die Anleihekäufe 2014 komplett gestoppt?

Zurückschauend wurde bislang mehr über das Tapering [5] gesprochen als gehandelt. Und unter der neuen Fed-Chefin Janet Yellen ist kein aggressives Zurückfahren der Anleihekäufe zu erwarten. Zusammen mit anhaltend niedrigen Zinsen bedeutet dies, dass weiter viel Liquidität in die Finanzmärkte fließen wird.

Sie erwarten also keine steigenden Leitzinsen in den Industriestaaten?

Die großen Zentralbanken – vor allem die US-Fed und die Europäische Zentralbank – fahren derzeit einen Kurs des “Lieber zu spät als zu früh”-Agierens. Dieses Jahr sind keine Zinserhöhungsschritte zu erwarten. In den USA rechnen wir hiermit erst im späteren Verlauf des nächsten Jahres, in der Eurozone dürfte es sogar noch später sein.

Warum sollen Multi-Asset-Lösungen der richtige Weg für private Anleger sein?

Es gibt drei Gründe: Multi Asset [6] ist Vermögensverwaltung für jedermann. Schaut man sich die Wertentwicklung der verschiedenen Anlageklassen in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren an, so zeigt sich ein regelmäßiger Favoritenwechsel. Mehrfach waren die Sieger des einen die Verlierer des folgenden Jahres.

Seite zwei: Vabanque-Spiel, nur auf eine Assetklasse zu setzen [7]

Auf kurze Sicht kann es ein Vabanque-Spiel sein, bei der Kapitalanlage nur auf eine Assetklasse zu setzen. Eine breite Streuung über verschiedene Assetklassen ermöglicht die Partizipation in guten Marktphasen, reduziert das Einzelrisiko und schafft damit in Summe eine vorteilhafte Balance zwischen Chance und Risiko.

Und die übrigen Gründe?

Anleger, die bislang stark auf Bundesanleihen oder Einlagen gesetzt haben, kommen wegen des Niedrigzinsumfelds nicht darum herum, andere Anlageklassen mit ins Auge zu fassen, wenn sie die Kaufkraft ihres Kapitals erhalten wollen.

Eine Beimischung chancenreicherer Aktien ist mit Multi Asset besonders einfach darzustellen, da die Konzepte immer Risiken betrachten und managen. In Zeiten immer stärkerer Regulierung ist das klassische Beratungsgeschäft auch für den Anleger anstrengender geworden, zum Beispiel wegen der Beratungsprotokolle bei Umschichtungen.

Eine smarte Alternative ist es, sich zunächst intensiv Gedanken über Anlageziele und Risikotoleranz zu machen, aber dann konsequent zu delegieren und laufende Umschichtungen und Risikokontrolle den Experten zu überlassen.

Welche Multi-Asset-Fonds bieten Sie an?

Unter Multi Asset verstehen wir ein breites Spektrum an Produkten. Mischfonds [8], die in zwei oder drei Anlageklassen investieren, stellen dabei das traditionelle Angebot dar. Dort zeigt beispielsweise der Fonds Kapital Plus von Allianz Global Investors, dass einfache aber belastbare Strategien zum Klassiker werden können: Auch nach 20 Jahren verzeichnet dieser Fonds, der aktuell im Verhältnis 30 zu 70 in europäische Aktien und Renten investiert, hohe Mittelzuflüsse und eine attraktive Rendite.

Jüngere Konzepte setzen etwa auf eine noch breitere Aufstellung und auf eine aktive Risikosteuerung. Diese Produkte beziehen neben Aktien und Anleihen aus den Industrieländern zumeist auch Wertpapiere aus den Schwellenländern, Rohstoffe oder Immobilien als Anlageklassen ein. Mitunter können sie auch in Derivate oder andere Fonds investieren, sodass man auch von vermögensverwaltenden Produkten spricht.

Seite drei: Assetklassen mit größtem Einfluss auf die Performance [9]Zumeist verfügen sie über zusätzliche Freiheitsgrade bei der Umschichtung zwischen den Assetklassen und haben eine besondere Risikosteuerung. Bei der Vermögensmanagement-Produktreihe von Allianz Global Investors geschieht Letzteres etwa durch das Angebot verschiedener Risikoprofile – von stabilitäts- bis chancenorientiert.

Andere Produkte setzen auf eine Steuerung über Risikobudgets, wie der Allianz Strategy 50, der mit einem Volatilitätsziel von acht Prozent dynamisch und erfolgreich zwischen Renten und globale Aktien allokiert.

Welche Assetklassen haben zuletzt den größten Einfluss auf die Performance gehabt, und welche werden dies künftig sein?

Das kann ich so generell nicht sagen. Die genannten Fonds verfolgen unterschiedliche Konzepte und legen zum Teil auch innerhalb einzelner Anlageklassen unterschiedlich an. Von daher kann ich hier keine allgemeingültige Aussage treffen.

Gleiches gilt für die künftige Portfolioausrichtung. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass es unser Ziel als aktiver Fondsmanager ist, besser als die Benchmark abzuschneiden. Zudem verfolgen einige Konzepte das Ziel, asymmetrische Risikoprofile darzustellen, das heißt, in schwierigen Marktphasen deutlich weniger als der Markt zu verlieren, aber sich trotzdem in positiven Marktphasen ähnlich gut wie der Markt entwickeln.

Darüber hinaus ist es wichtig, flexibel auf Änderungen zu reagieren. Darin liegt ja gerade die Stärke und der Charme von Multi Asset. So gesehen wäre jede Aussage zu Über- oder Untergewichtung eine Momentaufnahme.

Welche Rolle spielen Rohstoffinvestments in Ihren Portfolios?

Viele unserer Strategien haben die Freiheit, teilweise auf Rohstoffe [10] beziehungsweise Rohstoffaktien zu setzen. In Summe waren wir hier aber seit geraumer Zeit sehr zurückhaltend. Viele Freiheitsgrade führen bei Fondsmanagern oftmals auch zu vielen Fehlern.

Wie wollen Sie dies bei Ihren Multi-Asset-Angeboten verhindern?

Anders herum wird ein Schuh draus: Bei einem Asset Management benötigen die Fondsmanager hinreichende Freiheitsgrade – in der Mischung der Assetklassen und im Management innerhalb der Assetklasse. Dies gilt heute vielleicht sogar mehr denn je. Denn nur so können sie eine günstige Chance-Risiko-Lösung für die Kunden erzielen. Wichtig ist es, dass das aktive Management von einem vorab definierten Risikomanagement begleitet wird.

Interview: Marc Radke

Foto: Andreas Varnhorn