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ETFs: Werkzeuge für jeden Anleger

Bösennotierte Indexfonds spielen in vielen Anlegerdepots eine zunehmend wichtige Rolle als kosteneffiziente und liquide Anlageform.

Gastbeitrag von Kai Bald, Deutsche Asset & Wealth Management

“ETFs haben sich als liquide und kosteneffiziente Anlagealternative fest etabliert.”

Gerade als Anleger nach der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder Vertrauen in die Kapitalmärkte gewinnen, müssen sie mit einer weiteren Zäsur zurechtkommen. Durch die extrem niedrigen Zinsen [1] für Sparkonten und Staatsanleihen bester Bonität ist es sehr schwer, allein mit einem risikoarmen festverzinslichen Depot einen auskömmlichen Zins für Vermögenserhalt oder -aufbau zu erwirtschaften.

Rolle des Anlageberaters so wichtig wie selten zuvor

Gleichzeitig sind die Ansprüche der Anleger an Transparenz und Kosteneffizienz so hoch wie nie, verbunden mit einer Grundskepsis gegenüber der Finanzbranche. Die Rolle des Vermögensverwalters [2] und Anlageberaters ist in diesem Umfeld so wichtig und herausfordernd wie selten zuvor.

Börsennotierte Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETFs [3]) können hier eine wichtige Rolle spielen. Auf der einen Seite erfüllen sie die Anforderungen an kosteneffiziente, liquide Anlageprodukte.

Auf der anderen Seite ist es heute dank der breiten Produktpalette möglich, mit ETFs ein breit gestreutes Portfolio aus mehreren Anlageklassen zu erstellen, das auf professionellen Grundlagen basiert und die Chance auf langfristig attraktive Renditen bietet.

ETF-Portfolio sollte langfristige Erträge in den Mittelpunkt stellen

Aber wie kann ein ETF-Portfolio konkret aussehen? Auf diese Frage sind mehrere Antworten möglich. Jede Variante trägt ihre eigenen Risiken. Ganz klassisch kann ein ETF-Depot mit festen Quoten in Anlageklassen, Regionen und Währungen gestreut werden, um so möglichst breit an allen Märkten beteiligt zu sein. Hier besteht das Risiko, die Märkte mit einer schlechten Wertentwicklung zu hoch zu gewichten.

Eine andere Möglichkeit zeigt ein Blick in die wissenschaftliche Forschung. Die Verfechter der effizienten Märkte, vertreten von den US-Ökonomen Eugene Fama und Kenneth French, sehen den Markt als weitgehend rational an.

Für seine Forschungen wurde Fama übrigens Ende vergangenen Jahres mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet. Folgt man dieser Ansicht, könnten ETFs völlig ausreichend sein, um ein strukturiertes Portfolio aufzubauen. Denn über ETFs, die geeignete Indizes abbilden, könnten sich langfristig Risikoprämien am Markt kostengünstig und effizient einsammeln lassen.

Auswahl der richtigen Märkte entscheidend

Als Risikoprämie wird nach den Überlegungen von Fama und French das Entgelt verstanden, das ein Anleger für das Eingehen bestimmter Risiken am Kapitalmarkt [4] erhält. Entscheidend dabei ist jedoch, die richtigen Märkte auszuwählen.

Wählt man die falschen Segmente, besteht das Risiko, dass der gewünschte Effekt nicht eintritt und das Portfolio nicht an den Prämien partizipiert. Ziel einer langfristigen Strategie sollte sein, dass Investoren an den auf den Märkten verfügbaren Risikoprämien beteiligt werden.

Fama und French zeigten beispielsweise, dass Aktien [5] mit geringer Marktkapitalisierung (Small Caps [6]) und Aktien mit einem hohen Verhältnis von Buchwert zu Marktwert (Value-Aktien) über längere Zeit einen systematischen Mehrgewinn gegenüber dem Gesamtmarkt erzielen. Beide Segmente bieten verglichen mit Standardwerten höhere Risikoprämien.

Seite zwei: ETF-Angebot ist ein Werkzeugkasten [7]

Im Anleihebereich sind es vor allem Papiere mit langer Laufzeit sowie mit erhöhtem Ausfallrisiko, die die Chance auf eine systematische Überrendite zum Gesamtmarkt bieten. Die Suche nach dem richtigen Ein- und Ausstiegskurs spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Im Fokus einer langfristigen Anlagestrategie sollten nach Fama und French vielmehr Zinsen, Dividenden [8] sowie laufende Erträge stehen. Je nach Anlagehorizont und Risikoneigung lässt sich das Portfolio anpassen. Das ETF-Angebot ist ein Werkzeugkasten, aus dem sich jeder Anleger oder Berater aussuchen kann, was er braucht, um sein Portfolio zu bauen.

Beispiel eines ETF-Portfolios

Wie kann solch ein ETF-Portfolio konkret aussehen? Das Münchner Institut für Vermögensaufbau (IVA) hat Index-Musterportfolios entwickelt, mit denen Risikoprämien systematisch vereinnahmt werden können.

ETF-Portfolios für jeden Anlegertyp.

Konkret: Ein Anleger mit mittlerer Risikobereitschaft und langem Anlagehorizont von mehr als zehn Jahren könnte 40 Prozent in Renten-ETFs anlegen, die unter anderem langlaufende Euro-Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und Schwellenländer [9]-Anleihen abdecken.

Der 50-prozentige Aktien-Anteil könnte in ETFs investiert werden, die europäische und US-amerikanische Nebenwerte, weltweite Dividendentitel und Schwellenländeraktien abbilden. Die verbleibenden zehn Prozent sollten als Sicherheitsreserve zum Beispiel im Geldmarkt bleiben.

Laufende Anpassungen möglich

Durch die laufende Handelbarkeit von ETFs ist es auch kein Problem, ein ETF-Portfolio laufend anzupassen. Sinnvoll ist eine regelmäßige Anpassung der Gewichtungen an die Zielallokation. Ein halbjährlicher Turnus ist völlig ausreichend.

Seite drei: ETF-Markt in Europa wächst [10]Die Anpassung führt dazu, dass gut gelaufene Märkte reduziert und schlecht gelaufene Märkte aufgestockt werden. Auch wenn es für viele Anleger nicht einfach zu verstehen ist, dass die “Gewinner” verkauft und die “Verlierer” zugekauft werden sollen, folgt dieses antizyklische Investieren doch genau der Logik des Risikoprämien-Modells. Denn die Existenz der Prämien an sich ändert sich nicht.

Durch das Rebalancieren werden diejenigen Indizes reduziert, die bereits gut gelaufen sind und ihre Prämie “abgeliefert” haben. Dagegen werden diejenigen aufgestockt, die gerade vergleichsweise günstig zu haben sind.

ETF-Markt in Europa wächst

Natürlich ist ein solches Portfolio nicht gegen Marktkrisen immun, die auch hier zu erheblichen Schwankungen führen können. Aber mit einem fundierten Aufbau und einer laufenden Betreuung kann ein breites, über mehrere Anlageklassen gestreutes ETF-Portfolio eine gute Alternative für die Herausforderungen der Niedrigzinsphase darstellen.

Fazit: ETFs haben sich als liquide und kosteneffiziente Anlagealternative fest etabliert. Der ETF-Markt in Europa ist bereits auf fast 300 Milliarden Euro gewachsen. Dank der breiten Produktpalette lässt sich mit ETFs ein langfristiges Portfolio aus mehreren Anlageklassen zum Vermögensaufbau konstruieren. Über die Abbildung entsprechender Indizes können Ertragsquellen wie Zinsen und Dividenden für den langfristigen Vermögensaufbau genutzt werden.

Autor Kai Bald ist Leiter öffentlicher Vertrieb ETFs bei Deutsche Asset & Wealth Management.

Foto: Deutsche Asset & Wealth Management