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“US-Notenbank fuhr die extremste Liquiditätspolitik aller Zeiten”

Viele Börsen haben das Jahr 2013 mit einem satten Plus absolviert. Wie es in 2014 weitergeht, war selten so schwierig vorherzusagen wie aktuell. Ein Gespräch über Perspektiven und Produkte mit Vermögensverwalter Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Chef der DJE Kapital AG in Pullach.

“Mit einer Billion US-Dollar Jahresrate fast doppelt so viel in einem Jahr, wie in der gesamten US-Wirtschaftsgeschichte bis 2007, wurde neues Geld ins System gepumpt, und das hat die Kurse hochgesetzt.”

Cash: Wie fällt Ihre Bilanz für das Jahr 2013 aus?

Ehrhardt: Das Fazit kann nur lauten, an der Börse kommt es oft anders als man denkt. Am Jahresanfang haben alle gesagt, Amerika wird aufgrund der Haushaltsproblematik schwierig, während den Schwellenländern [1], die bis dahin ganz gut gelaufen waren, weiter mehr zugetraut wurde.

Schlussendlich war Amerika die beste Börse [2], wenn man Japan unberücksichtigt lässt und die Schwellenländer, hochgepriesen von vielen Experten, konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Ich hatte bereits am Jahresanfang gesagt, dass man im Bezug auf die USA nicht zu pessimistisch sein sollte.

Allgemein wurden nur zehn Prozent Kursgewinn in der Spitze vorausgesagt, sowohl für Amerika als auch für Deutschland. Am Ende sind es 24 Prozent beim Dax [3] geworden und der Dow Jones konnte 26 Prozent zulegen, in Euro immerhin noch 22 Prozent.

Woher kam der Optimismus angesichts der schwierigen Gemengelage?

Wenn die Menschen sehen, dass die Wirtschaft nicht so gut läuft, und das war ja damals der Fall, läuft die Börse manchmal umso besser, weil das Geld nicht in die Wirtschaft, sondern dorthin fließt.

Am Jahresanfang war nicht erwartet worden, dass die Bremsmaßnahmen auf der Konsumseite im Konsumentenland Amerika, drei Viertel der Wirtschaft hängen dort vom Konsum ab, dass dies ohne weiteres durch den monetären Geldschwall überbrückt werden könnte. Das hat eigentlich kaum jemand so in diesem Ausmaß erwartet.

Darüber hinaus kamen weitere eigentlich belastende Faktoren hinzu wie die amerikanische Fast-Insolvenz, die Probleme bei der US-Schuldengrenze, die Zypern-Euro-Krise oder der Syrien-Konflikt. Trotzdem stieg der Dow Jones am meisten seit 1995.

Was sind die Ursachen für die Rallye?

Ich glaube, dahinter steht die uralte Weisheit, dass die Geldmenge eher die Kurse macht als die Gewinne. Denn die US-Gewinne pro Aktie sind in 2013 nur fünf Prozent geklettert, das Kurs-/Gewinnverhältnis ist aber von gut 15 auf ungefähr 19 gestiegen, wenn man die Gewinne der letzten zwölf Monate rechnet.

Im Grunde war Amerika fundamental, konjunkturell und gewinnmäßig eine große Enttäuschung. Aber die Börse lief so gut, weil so viel Geld wie noch nie gedruckt wurde. Mit einer Billion US-Dollar [4] Jahresrate fast doppelt so viel in einem Jahr, wie in der gesamten US-Wirtschaftsgeschichte bis 2007, wurde neues Geld ins System gepumpt, und das hat die Kurse hochgesetzt.

Seite zwei: Konjunkturaufschwung steht auf sehr wackeligen Beinen [5]

Wie hat sich die US-Konjunktur entwickelt?

Sie war immerhin besser als in Europa. Aber trotzdem ist es der schwächste Konjunkturaufschwung seit den dreißiger Jahren. Selbst der Aufschwung nach 1932 war stärker als der jetzige Aufschwung, das heißt jede Konjunkturerholung der Vergangenheit seit den dreißiger Jahren war stärker als heute.

Zum Vergleich: das amerikanische Bruttoinlandsprodukt war 1932 auf 50 Milliarden US-Dollar gesunken. Jetzt ist das jährlich neu gedruckte Geld allein das Zwanzigfache vom Bruttosozialprodukt von 1932. Es ist schon eine wirklich gigantische Summe, die die Notenbank dort pro Jahr in die Hand nimmt. Und dennoch haben die USA den schwächsten Aufschwung der Geschichte. Das sagt schon einiges.

Und zwar?

Der Konjunkturaufschwung steht auf sehr wackeligen Beinen und es wurde eine Riesenschubkraft von der Notenbank benötigt, um überhaupt auf ein solches Niveau zu kommen. Und wenn die Notenbank 2014 zu viel mit dem Tapering (Rückführung der neuen Liquidität) beginnt und dieser Schub wegfällt, dann könnte ich mir vorstellen, dass die Konjunktur 2015 wieder schlechter aussieht.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 02/2014 [6].

Interview: Frank O. Milewski

Foto: DJE Kapital