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Nachhaltige Geldanlage: Keine Kompromisse

Eigentlich finden viele Menschen eine Investition in nachhaltige Geldanlage-Produkte gut und sinnvoll – doch an der tatsächlichen Umsetzung hapert es. Das gilt auch für vermögensverwaltende Fonds, die ihre Anlagestrategie auf ökologische, soziale und/oder ethische Kriterien ausgelegt haben.

Anleger und Berater sollten vor allem darauf achten, dass die Nachhaltigkeits-Kriterien sehr klar und deutlich formuliert sind.

Laut einer Erhebung des Sustainable Business Institute (SBI) waren zuletzt nur rund 5,6 Milliarden Euro in den 69 registrierten, nachhaltig orientierten Mischfonds angelegt. Das ist zum Vergleich zu den rund 143 Milliarden Euro, die laut Branchenverband BVI in mehr als 1700 Mischfonds [1] stecken, verschwindend gering.

Nischenmarkt nachhaltige Geldanlagen

Nachhaltige Geldanlagen [2] sind nach wie vor nur ein Nischenmarkt”, sagt Gottfried Baer, Geschäftsführer der Finanzberatung Mehrwert. “Vor allem nachhaltige vermögensverwaltende Fonds sind oft zu unbekannt.”

Spreche man dagegen mit den Kunden über die Vorteile dieser Fonds, würden die Anleger den Wunsch äußern, auch das eigene Geld mit der Kombination “Sinn und Gewinn [3]” anzulegen, erzählt Baer aus seiner Beratungspraxis. Denn Nachhaltigkeit ist einer der Trends, die die Geldanlage dauerhaft verändern sollen.

Immer mehr Portfolios werden nachhaltig gemanagt, auch im Bereich der vermögensverwaltenden Fonds. Klaus-Dieter Erdmann, Gründer von MMD Multi Manager, ist vom langfristigen Erfolg der Fondskategorie überzeugt. Er hat eine Datenbank für VV-Fonds [4] aufgebaut, in der kontinuierlich mehr als 1500 vermögensverwaltende Fonds ausgewertet werden.

“Vermögensverwaltende Fonds sind die sinnvollste Anlageform für den Anleger überhaupt”, so der Experte. Denn selber das Vermögen managen, könnten nur die Wenigsten.

Keine Renditekürzung

“Wir haben festgestellt, dass nachhaltige VV-Fonds mit den klassischen Produkten gut mithalten können”, sagt Erdmann. “Das bedeutet: Nachhaltigkeit kostet keine Performance.” Es sei aber wichtig, nicht nur auf die Wertentwicklung zu schauen.

“Vermögensverwaltung ist eigentlich in erster Linie Kapitalerhalt, deshalb ist auch das Risikomanagement entscheidend”, sagt Erdmann. Und das gelingt den meisten Fonds recht gut. MMD untersucht genau, wie die Fondsmanager vorgehen und was sie leisten.

Nachhaltige Aspekte für die Altersvorsorge [5]

Das betrifft nicht nur die Titelselektion, sondern auch das taktische Asset Management und damit auch das Risikomanagement. “Viele der von uns untersuchten nachhaltigen Fonds gehören sogar zu den besseren”, sagt Erdmann. Denn nachhaltige vermögensverwaltende Fonds würden oft bei Stiftungen eingesetzt und die verlangen eine eher konservative Anlagestrategie und ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis.

Trotz der Vorteile ist die Nachfrage nach den Fonds aber noch verhalten, berichtet Erdmann. “Ich sehe aber Rückenwind wegen der zunehmenden Abkehr der Investoren von kurzfristig ertragsorientierten Produkten.”

Vor allem für die Altersvorsorge sei es sinnvoll, nachhaltige Aspekte mit einzubeziehen, ist der MMD-Gründer überzeugt. Für den Versicherer Condor hat MMD Multi Manager ein neues Strategieportfolio [4] mit nachhaltigen Fonds zusammengestellt.

Seite zwei: Auswahlkriterien das A und O [6]Dieses Fondspolicen-Portfolio startete zum 1. April unter dem Namen “MMD Strategieportfolio blue”. Vertreten sind dort fünf nachhaltige Fonds mit unterschiedlichen Investmentstrategien. “Die Kombination über verschiedene Köpfe und Stile hilft natürlich auch hier, das Risiko zu streuen und für den bestmöglichen Anlageerfolg zu sorgen”, erläutert Erdmann.

Auch Mehrwert-Geschäftsführer Baer hält die Qualität der gemischten Portfolios, die ethische, soziale und ökologische Kriterien [7] bei der Auswahl ihrer Investments berücksichtigen, hierzulande für gut und sinnvoll. “Es gibt nur im Verhältnis zu den konventionellen vermögensverwaltenden Fonds nur eine geringe Anzahl dieser Fondsgattung im nachhaltigen Bereich”, bedauert Baer.

Auswahlkriterien das A und O

Achten sollten Anleger und Berater seiner Ansicht nach vor allem darauf, dass die Nachhaltigkeitskriterien sehr klar und deutlich formuliert sind. “Am besten ist es, wenn es eine Vielzahl von Ausschlusskriterien und ebenso klare Einschlusskriterien gibt. Sprich, also nicht nur beschrieben ist, in was nicht investiert wird, sondern in welche bevorzugten Unternehmen und Länder investiert wird und warum”, empfiehlt der Berater.

Gut sei auch, wenn dem Fondsmanagement dazu ein externer beratender Beirat zur Verfügung steht oder bei der Titelauswahl auf das Know-how eines namhaften Nachhaltigkeitsresearch-Unternehmens zurückgegriffen wird.

Außerdem sollte die Fondsgesellschaft nicht nur einen einzigen nachhaltigen Fonds aufgelegt haben, der Fonds sollte schon einige Jahre am Markt sein und auch ein bestimmtes Fondsvolumen, möglichst über 10 Millionen Euro aufweisen.

“Wenn dann dieser Fonds mit diesen Kriterien auch noch gute Ertragsergebnisse in der Vergangenheit lieferte, dann kann der Anleger oder Berater sicher sein, dass er ethisch und/oder ökologisch korrekt anlegt und gleichzeitig die berechtigte Chance auf gute Erträge hat”, sagt Baer.

Keine Kompromisse

Einer der erfolgreichsten nachhaltigen vermögensverwaltenden Fonds ist der Swisscanto [8] P.F. Green Inv Balance. Der Fonds investiert weltweit in Aktien [9], Anleihen und Geldmarktinstrumente. Der Aktienanteil liegt dabei je nach Einschätzung der Marktlage zwischen 40 und 60 Prozent.

Seite drei: Platzhirsche entdecken das Thema [10]“Der Fonds dient als Basisinvestment für nachhaltig eingestellte Investoren mit einem mindestens fünfjährigen Anlagehorizont und empfiehlt sich auch als Fondssparplan für einen langfristigen Vermögensaufbau”, sagt Swisscanto-Nachhaltigkeitsexperte Markus Güntner.

Es werden ausschließlich Unternehmen und Anleiheemittenten berücksichtigt, die den Swisscanto-Grundsätzen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit Folge leisten. “Unsere Ausschlusskriterien wenden wir sehr streng an – sie gehören im Marktvergleich mit zu den strengsten”, sagt Güntner.

Das bedeutet, dass auch Firmen, die nur minimale Aktivitäten in Geschäftsfeldern haben, die den Ausschlusskriterien unterliegen, aus dem Anlageuniversum gestrichen werden. “Aufgrund dieser klaren Philosophie bieten wir verantwortungsbewussten Anlegern einen wirklich nachhaltigen Fonds an, der keine Kompromisse eingeht. Dies ist das Besondere an diesem Mischfonds. Er ist für Investoren geeignet, die einen klar verständlichen Nachhaltigkeitsansatz wünschen und ein Risikoprofil aufweisen, welches die Berücksichtigung von Aktien von bis zu 60 Prozent des Gesamtportfolios erlaubt”, erläutert Günter.

Platzhirsche entdecken das Thema

Neben vielen, eher kleineren Spezialisten und Boutiquen haben auch die großen Fondsgesellschaften hierzulande nachhaltige Mischfonds [11] in ihrer Produktpalette. So etwa Deka mit dem Stiftungen Balance oder die DWS mit dem DWS Stiftungsfonds.

Union Investment setzt in diesem Bereich auf den UniRak Nachhaltig A. Der Fonds investiert in internationale Aktien sowie in Anleihen weltweiter Aussteller. Berücksichtigt werden bei der Auswahl der Emittenten ethische, soziale und ökologische Kriterien.

“Union Investment verbindet beim Management der Nachhaltigkeitsfonds die Nachhaltigkeitsanalyse mit der Fundamentalanalyse”, erläutert Sprecherin Jutta Reuffer. Zunächst werde das Anlageuniversum anhand verschiedener Nachhaltigkeitskriterien gefiltert.

Seite vier: Nachhaltigkeitsaspekte mit klarem Sachwertbezug [12]Daraufhin folge die Fundamentalanalyse, in der unter anderem das wirtschaftliche Umfeld und das Gewinnwachstum der Unternehmen betrachtet werden. “Im Rahmen des Sparplans UniNachWuchs sprechen wir als Zielgruppe besonders Eltern und Großeltern an, die für ihre Kinder oder Enkelkinder sparen möchten”, sagt Reuffer.

Nachhaltigkeitsaspekte mit klarem Sachwertbezug

Einen neuen Ansatz verfolgt der “Transparente Invest”. Der Fonds von Warburg Invest vereint Nachhaltigkeitsaspekte mit klarem Sachwertbezug. Die Portfoliomanager von Rheinische Portfolio Management investieren direkt und indirekt in Aktien nachhaltig wirtschaftender deutscher Unternehmen.

Zusätzlich fließt das Anlegergeld in inflationsgeschützte deutsche Staatsanleihen und in Gold. Die Gewichtung der drei Anlageklassen folgt einem so genannten Risk-Parity-Ansatz: Je stärker der Wert der Assetklasse schwankt, desto geringer ihr Anteil am Portfolio.

“Durch diesen Fonds wird eine prognosefreie und risikobasierte Portfoliosteuerung mit dem Thema Nachhaltigkeit verknüpft”, erläutert Fondsmanager Stefan Gretschel, der dabei auf die Unterstützung der Nachhaltigkeitsagentur Oekom Research setzt.

Der Fonds soll sich nicht nur für defensive Anleger, sondern auch für Stiftungen und andere institutionelle Investoren lohnen.

Autor Heino Reents ist freier Wirtschaftsredakteur aus Lüneburg.

Foto: Shutterstock