- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

“Konsequente Übergewichtung von Aktien”

Der Allianz Strategiefonds Wachstum rangiert in den Top Ten der ertragreichsten Fonds der Kategorie “Offensiv”. Fondsmanagerin Cordula Bauss erläutert den strategischen Ansatz und kommentiert die aktuellen Marktereignisse.

Cordula Bauss: “Gelingt es den Notenbanken nicht, die Erwartungen der Marktteilnehmer zu steuern, könnte die Volatilität nochmals deutlich zunehmen.”

Cash.: 2013 war ein Jahr großer Kontraste. Auf der einen Seite ein starker Aktienmarkt und Euro, auf der anderen Seite ein schwächelnder Goldpreis [1]. Was hatte dies für Auswirkungen auf die Anlagestrategie des Allianz Strategiefonds Wachstum?

Bauss: Glücklicherweise reifte 2013 schnell die Überzeugung, dass die konjunkturelle Erholung nicht wieder abrupt abbricht. Hinzu kam der verhalten positive Ausblick für die Länder der Euroland-Peripherie, die ihre Probleme in einigen Bereichen konsequent angehen.

Die Anlagestrategie des Allianz Strategiefonds Wachstum wird zum einen auf Basis fundamentaler Einschätzungen und zum anderen durch eine Vielzahl technischer Einflussfaktoren bestimmt. Da alle Signale in die gleiche Richtung wiesen, wurden entsprechend früh die Umschichtungen vorgenommen.

Im Aktienbereich hat das Kurs-Momentum einen großen Anteil der Positionierung bestimmt. Im Anleihebereich war es vor allem die Euroland-Peripherie, die attraktiv erschien, genauso wie ein generelles Umschichten von Staatstiteln in ein breit gefächertes Anlagespektrum von Pfandbriefen und Unternehmensanleihen. Zu den Engagements innerhalb der Assetklassen kam das Übergewicht von Aktien im Vergleich zu Renten.

Mit knapp 19 Prozent Zuwachs in 2013 hat der Fonds sehr gut abgeschnitten. Welche Positionen haben besonderen Anteil am Erfolg?

Den größten Anteil an der guten Wertentwicklung hatte die konsequente Übergewichtung von Aktien [2] gegenüber festverzinslichen Papieren im Portfolio. Hinzu kamen die sehr guten Ertragsbeiträge aus den einzelnen Assetklassen. Sowohl im Bond- als auch im Aktienbereich lag die Performance oberhalb der vergleichbarer Markt-Indizes.

Zum Jahresultimo lag die Aktienquote rund 75 Prozent. Warum haben Sie angesichts der guten Börsenentwicklung keinen höheren Anteil gewagt?

Was das unterliegende Aktiendepot betrifft, ist diese Aussage richtig. Zusammengenommen mit den im Fonds enthaltenen Derivaten lag das Aktien-Engagement allerdings deutlich höher, nämlich über 80 Prozent.

Gerade zum Jahresende lag ein klarer Fokus auf einer Übergewichtung im Aktienmarkt [3]. Sowohl Momentum als auch fundamentale Rahmendaten haben diese Positionierung unterstützt. Die Umsetzung mittels Futures hat den Vorteil, dass schnell und günstig auf Marktbewegungen reagiert werden kann.

Welche Positionierung streben Sie auf der Aktienseite für das laufende Jahr an?

Das Aktienportfolio investiert in globale Aktien und wird nach einem systematischen Ansatz gemanagt (Best Styles Global), der auf einem diversifizierten Mix von Investmentstilen beruht. Das Ziel dieses Ansatzes ist, weitgehend unabhängig vom Zyklus eine stabile Outperformance zu erzielen.

Seite zwei: Wichtigste Investmentstile für die kommenden Monate [4]Die wichtigsten Investmentstile für die kommenden Monate sind einerseits die Bewertung (Value), andererseits die trendfolgenden Stile positives Kurs-Momentum (Momentum) und positive Gewinnrevisionen (Earnings Revisions).

Dies entspricht dem langfristigen strategischen Stilmix des Ansatzes und ist, wie historische Untersuchungen zeigen, auch in Zeiten steigender Frühindikatoren und Zinsen erfolgreich. Sowohl auf Einzeltitel-Ebene als auch regional und sektoral werden die Gewichtsabweichungen von der Benchmark im Rahmen des Portfoliokonstruktionsprozesses in relativ engen Grenzen gehalten.

Das Portfolio ist somit auf breiter Basis sowohl in Einzeltiteln investiert, die eine günstige Bewertung haben, als auch in solchen, die ein positives Kurs-Momentum und positive Gewinnrevisionen aufweisen.

Staatsanleihen sind innerhalb des Anleiheuniversums sehr hoch gewichtet, Unternehmensanleihen sind eher unterrepräsentiert. Warum?

Der relativ hohe Anteil an Staatsanleihen sollte im Zusammenhang mit den anderen Positionen im Fonds gesehen werden. Um eine sinnvolle Diversifikation zu dem Übergewicht in Aktien zu erreichen, fallen die Positionierungen im Anleiheteil weniger exponiert aus. Gleichwohl lag 2013 ein Schwerpunkt des Investments auf Euro- Peripherie-Anleihen. Mit der Stabilisierung innerhalb der Eurozone konnten hierdurch deutliche Kursgewinne realisiert werden.

Unternehmensanleihen waren immer ein fester Bestandteil im Fonds. Insgesamt hat daher auch der Rentenpart im Vergleich zu einem Index, der aus Euroland-Staatsanleihen zusammengesetzt ist, einen höheren Ertrag geliefert.

Anleihen wird gemeinhin in 2014 ein schwieriges Jahr vorhergesagt. Wo sehen Sie noch Potenzial?

Auch wenn der Renditevorteil von Unternehmensanleihen und der Euroland- Peripherie schon deutlich abgeschmolzen ist, sollten diese Marktsegmente auch im laufenden Jahr einen höheren Ertrag abwerfen als Bundesanleihen. Generell gilt jedoch, dass die Ertragserwartungen im Bondbereich gering sind.

Der Sektor Finanzen ist ebenfalls stark untergewichtet. Was ist die Investmentstory dahinter?

Bezüglich des Finanzsektors als Ganzem ist das Aktienportfolio, gemessen am MSCI-World-Index, aktuell leicht übergewichtet. Allerdings gibt es hierbei Unterschiede hinsichtlich der Regionen und der Subsektoren, die in erster Linie von den Stileigenschaften getrieben sind.

Seite drei: Starke Performance der Banken und Versicherungen [5]Trotz der starken Performance der Banken und Versicherungen im vergangenen Jahr bleiben diese Subsektoren attraktiv, da sie eine günstige Bewertung mit unterstützenden Gewinnrevisionen und solidem Kurs-Momentum kombinieren.

Aufgrund der nach wie vor bestehenden politischen Risiken sind diese Sektoren in der Eurozone allerdings untergewichtet, während nordamerikanische und skandinavische Banken übergewichtet sind. Anders verhält es sich bei Versicherungen, die mit Ausnahme der pazifischen Region überall übergewichtet sind. Diversifizierte Finanzdienstleister und Real-Estate-Titel sind hingegen in allen Regionen untergewichtet.

Insbesondere Real-Estate-Titel halten wir in Bezug auf die Bewertung für unattraktiv. Außerdem drohen bei diversifizierten Finanzdienstleistern weitere regulatorische Einschränkungen.

Nach wie vor haben die Notenbanken weltweit das Sagen, wenn es um Wohl und Wehe an den Aktienmärkten geht. Wie belastend ist dieser Umstand, wenn Fundamentaldaten nur noch eine sehr untergeordnete Rolle spielen?

Die Notenbanken dominieren momentan die Märkte. Grundsätzlich handeln aber auch sie auf Basis der Fundamentaldaten. Insofern mag es momentan zwar den Anschein haben, dass Fundamentaldaten nicht unmittelbar eine gewohnt starke Marktreaktion hervorrufen.

Meines Erachtens ist ihre Bedeutung aber nicht geringer geworden. Allerdings bleibt davon unbenommen, dass die Zentralbanken auch im laufenden Jahr eine extrem wichtige Rolle für die Märkte spielen werden. Es wird von entscheidender Bedeutung sein, ob sie es schaffen, die Erwartungen der Marktteilnehmer zu steuern. Gelingt dies nicht, könnte die Volatilität nochmals deutlich zunehmen.

Welche Auswirkungen auf die Märkte erwarten Sie, wenn das verschobene Tapering nunmehr in diesem Jahr kommen sollte?

Die bereits eingeleitete Verringerung der Anleihekäufe sollte im laufenden Jahr unter der neuen Fed-Präsidentin Janet Yellen fortgeführt werden. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Fed auch im Jahr 2014 auf Expansionskurs bleiben dürfte.

Zentrale Einflussgrößen sind hier die aus Fed-Sicht niedrige Inflation – gemessen am Deflator des privaten Konsums – sowie die infolge der verhaltenen Wirtschaftsdynamik hohe Arbeitslosigkeit. Stabilisieren sich die Wachstumsaussichten weiter und entwickelt sich der US-Arbeitsmarkt positiv, sollte ein langsames Zurückfahren der Anleihekäufe keine gravierenden Auswirkungen auf die Märkte haben.

Allerdings sollten die Segmente, die schon in den vergangenen Monaten gelitten haben – wie insbesondere die Emerging Markets – immer wieder auf die Probe gestellt werden, wenn die Fed weniger Liquidität zuführt.

Welche Herausforderungen sehen Sie für 2014 und welche Entwicklung peilen Sie für den Strategiefonds Wachstum an?

Trotz eines grundsätzlich positiven Ausblicks für die Aktienmärkte für das laufende Jahr müssen sich die Marktteilnehmer wohl auf absehbare Zeit auf eine erhöhte Volatilität einstellen. Entscheidend wird daher sein, den Hebel immer wieder schnell genug umzulegen.

Interview: Frank O. Milewski

Foto: Andreas Varnhorn