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17. November 2015, 10:16
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LGIM: Gezeitenwende in den Emerging Markets

Die ökonomische Situation in der Weltwirtschaft kehrt sich um. Das hat nach Ansicht des britischen Vermögensverwalters LGIM gravierende Folgen für die Anleihemärkte.

China1 in LGIM: Gezeitenwende in den Emerging Markets

Bank of China: Die wirtschaftliche Schwäche im Reich der Mitte setzt allen Schwellenländern zu

Sollten die Volkswirtschaften der Emerging Markets in den kommenden Monaten in eine Rezession rutschen, dürfte das an den internationalen Anleihemärkten zu deutlich höheren Kursschwankungen führen. Zu dieser Einschätzung kommt Ben Bennett, Kreditstratege beim britischen Asset-Manager Legal & General Investment Management (LGIM) in seinem aktuellen Ausblick.

“Dynamik verkehrt sich ins Gegenteil”

“In den vergangenen Jahren hat die robuste Konjunktur in den Emerging Markets dafür gesorgt, dass die Weltwirtschaft trotz Krise und Rezession in den entwickelten Märkten gewachsen ist. Diese Dynamik verkehrt sich nun ins Gegenteil”, fasst Bennett die Situation für die internationalen Anleihemärkten zusammen. “Einerseits haben Brasilien und Russland zunehmend wirtschaftliche Probleme, während sich das Wachstum in China deutlich verlangsamt hat. Auf der anderen Seite setzt sich nach einem traditionell schwachen Jahresstart die Erholung der US-Wirtschaft fort und die Eurozone scheint aus ihrer ausgeprägten Rezession herauszukommen. Die spannende Frage ist nun: Welche Auswirkungen hat diese Kombination auf die Bondmärkte?”

Nachlassender Inflationsdruck

Aus geldpolitischer Sicht sorgen die sinkenden Rohstoffpreise nach Einschätzung des LGIM-Experten für einen nachlassenden Inflationsdruck. Er weist darauf hin, dass die Inflationserwartungen für die USA und Großbritannien bereits zurückgenommen worden seien und es an den Märkten zunehmende Spekulationen gebe, dass auch in der Eurozone und Japan die ohnehin niedrigen Preissteigerungsraten noch weiter sinken könnten.

Schwache Situation in den Schwellenländern beachten

“Wenn das Wachstum in den entwickelten Staaten tatsächlich zunehmen wird, ist das eine gute Ausgangssituation für die Bonds-Märkte, die zu sinkenden Renditen bei Staatsanleihen und fallenden Risikoprämien bei Anleihen binnenwirtschaftlich orientierter Unternehmen führen dürfte”, prognostiziert Bennett. Allerdings sollten die Investoren gleichzeitig auch die schwache Situation in den Emerging Markets berücksichtigen.

“Viele Regierungen in Schwellenländern haben aus der Währungskrise 1997 in Asien ihre Lehren gezogen und ihre Auslandsverschuldung begrenzt. Sie haben stattdessen eher Anleihen in lokaler Währung begeben. Doch die Unternehmen in diesen Ländern waren alles andere als sorgfältig”, warnt Bennett mit Blick auf die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Währungsverbindlichkeiten vieler Schwellenländerkonzerne. “Rechnet man dazu noch die Kredite bei ausländischen Banken, ergibt sich ein besorgniserregendes Bild.”

Rückkopplungen auf Unternehmensanleihen beachten

Vor diesem Hintergrund weist der Kreditstratege darauf hin, dass die Entwicklung von Emerging-Market-Bonds in diesem Jahr zwar schwach verlaufen ist, aber nicht so dramatisch schlecht sei wie in früheren Schuldenkrisen der Schwellenländer. “So lässt sich im Moment kaum behaupten, dass den Investoren das Risiko einer ausgereiften Rezession in den Emerging Markets ausreichend bezahlt wird.” Berücksichtigen sollten Investoren zudem Rückkopplungen auf Unternehmensanleihen in den entwickelten Märkten.

Defensive Strategie für Anleihemärkte

“Energieversorger und Minenkonzerne sind vom Einbruch der Rohstoffpreise bereits direkt betroffen. Außerdem gibt es Unternehmen, die unter dem Rückgang der Konsumkonjunktur in den Emerging Markets leiden – Autohersteller und Produzenten von Luxusgütern zum Beispiel”, sagt Bennett. Innerhalb des Bankensektors sei auf Institute zu achten, die ein hohes Kreditengagement in den Schwellenregionen haben, rät er: “Wer gezielt in Anleihen von Unternehmen investieren will, die ihr Geschäft ausschließlich in den Industriestaaten machen, hat somit keine große Auswahl.” Unter diesem Gesichtspunkt empfiehlt der LGIM-Experte Anlegern, in den kommenden Monaten an den Anleihemärkten eine defensive Strategie zu verfolgen. (fm)

Foto: Shutterstock

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