24. August 2015, 11:23
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schwellenländer unter Druck

Die Regierungen der Emerging Markets reagieren unterschiedlich auf wirtschaftliche Probleme. Derweil nehmen die politischen Risiken in den Schwellenländern zu.

Marktkommentar: Maarten-Jan Bakkum, NN Investment Partners

 

Asia-Blumen-750 in Schwellenländer unter Druck

Konjunktursorgen belasten die Kapitalmärkte in Schwellenländern wie China.

 

Wirtschaftliche Schwäche, eine wachsende Zahl von Firmenpleiten, rapide ansteigende Arbeitslosenzahlen, höhere Zinsen, rückläufiges Kreditgeschäft, schwächelnde Währung – all das erhöht zwangsläufig den Druck auf das politische System. Inwieweit sich eine politische Krise vermeiden lässt, hängt letztlich vom Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme und der Leistungsfähigkeit der politischen Institutionen ab.

Spannungen nehmen zu

Nach rund fünf Jahren rückläufigen Wirtschaftswachstums und wiederholter Wechselkurskorrekturen nehmen die Spannungen in den aufstrebenden Volkswirtschaften deutlich zu. Das zeigt sich unter anderem am Finanzsystem: Die Zahl der Firmenpleiten steigt, während die Gewinne der Banken rapide sinken. Aber auch gesellschaftlich und politisch macht sich der Abschwung bemerkbar: Steigende Arbeitslosenzahlen und Zinsen höhlen die Kaufkraft aus, während die Regierungen mit wachsenden Defiziten und sinkendem Rückhalt in der Bevölkerung zu kämpfen haben.

Es braucht Reformen, um der Wirtschaft eine Atempause zu verschaffen, doch die Furcht vor unpopulären Entscheidungen lähmt jetzt das System. Die Wirtschaftskrise verändert die Gemengelage innerhalb und außerhalb der Regierungen, führt zu gegenseitigen Vorwürfen sowie Enthüllungen von Machtmissbrauch. Nicht von ungefähr kommen Korruptionsskandale gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ans Licht.

Freiheit wird beschränkt

Jedes Land geht anders mit zunehmenden wirtschaftlichen Problemen um. In Ländern mit autokratischer Tradition verschärfen die Regierungen die staatliche Kontrolle; Pressefreiheit und Bürgerrechte leiden. Das war in den letzten Jahren in Russland, Thailand, China und der Türkei zu beobachten. Offizielle Antikorruptionskampagnen sowie Konflikte mit ausländischen Mächten dienen dabei zur Ablenkung von den wahren Problemen im Land.

In Ländern, in denen demokratische Traditionen stärker verwurzelt sind oder die Regierungen weniger Kontrolle über Gesellschaft und Institutionen ausüben können, eskalieren die Konflikte in der Regel im politischen System. Korruptionsskandale werden instrumentalisiert, um politische Rechnungen zu begleichen. Südafrika und vor allem Brasilien und Malaysia sind Paradebeispiele für diese Kategorie.

Der Schmiergeldskandal rund um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras und die Protestwelle gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff haben das Land in Aufruhr versetzt; wie es weitergehen soll, ist ungewiss. In Malaysia geht es um staatliche Gelder, die auf das Konto von Malaysias Premier Najib geflossen sein sollen. Dieser Skandal könnte das prekäre Gleichgewicht in Malaysia, mit seinen unterschwelligen ethnischen Spannungen, völlig aus dem Lot bringen.

Die politischen Risiken in den aufstrebenden Volkswirtschaften – ob erster oder zweiter Kategorie – steigen rapide. Das erklärt zumindest teilweise, warum es an den Anleihe- und Devisenmärkten weiterhin abwärtsgeht. Korruptionsskandale, Regierungskrisen und zunehmende Repressalien unterminieren die Reformbestrebungen. Und Reformen sind dringend geboten, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte abzubauen, das Investitionsklima zu verbessern und die Weichen für erneutes Wachstum zu stellen.

Autor Maarten-Jan Bakkum ist Emerging-Markets-Stratege bei NN Investment Partners.

Ihre Meinung



 

Versicherungen

bAV-Reform: Garantieverzicht – die einzige Möglichkeit auf realen Zugewinn

Das Niedrigzinsniveau dürfte durch die Coronakrise und die Geldpolitik der EZB für das gesamte Jahrzehnt zementiert sein. Vor dem Hintergrund wird auch für die betriebliche Altersvorsorgung die Möglichkeit eines vollständigen Garantieverzichts diskutiert. Wie eine bAV-Reform aussehen müsste. Von Dr. Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS).

mehr ...

Immobilien

Marc Drießen startet mit Bloxxter erste Token-Emission

Das Hamburger Start-Up Bloxxter kündigt den Start seines ersten Projekts „Städtisches Kaufhaus und Reclam-Carrée Leipzig“ an. Die Emission hat ein beachtliches Volumen und erfolgt rein digital, soll aber auch freie Finanzvermittler einbinden. Dahinter steht ein bekanntes Gesicht in der Sachwertbranche.

mehr ...

Investmentfonds

Wie Privatanleger vom Boom bei Homeoffice profitieren können

Die globale Multi-Asset-Investitionsplattform eToro startet ein neues Portfolio, das Privatanlegern ermöglichen soll, in eine Reihe von Unternehmen zu investieren, die wesentlich vom Boom “Remote Work”, also dem Arbeiten von zu Hause, profitieren.

mehr ...

Berater

Rekrutierung: “Am unternehmerischen Erfolg partizipieren”

Cash.-Interview mit Alexander Lehmann, Vorstand für Marketing und Vertrieb beim Maklerpool Fondskonzept, über erfolgreiche Methoden und Strategien bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften.

mehr ...

Sachwertanlagen

LHI Gruppe erwirbt ersten Solarpark in Dänemark

Für einen seiner Investmentfonds für Institutionelle Investoren, hat der Asset Manager LHI aus Pullach i. Isartal im Norden Jütlands, etwa drei Kilometer vor der Küste, einen Solarpark vom Entwickler European Energy A/S erworben.

mehr ...

Recht

Weiterbildungspflicht – ohne Ausreden!

Das Verwaltungsgericht Ansbach hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob der Gesellschafter-Geschäftsführer einer Maklerin in Franken absolvierte Weiterbildungszeiten nachweisen muss. Dieser hatte versucht, sich u.a. wegen eines abgeschlossenen zweiten juristischen Staatsexamens dagegen zu wehren. Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen. Ein Beitrag von Rechtsanwalt Jürgen Evers

mehr ...