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Die Tech-Tracker

Auf der einen Seite ist die Technologiebranche von ständigen Innovationen getrieben; Gewinnmargen und Cashflow-Situation der Unternehmen sind attraktiv. Auf der anderen Seite handelt es sich um eine prozyklische Branche, die Investoren einiges abverlangen kann.

John Scandalios, Franklin Templeton Investments: “Technologie durchdringt mittlerweile jeden Bereich unseres Lebens.”

Das Interesse der Bevölkerung an der Technologiebranche [1] ist so groß wie an kaum einem anderen Wirtschaftszweig.

So begrüßten die Apple- Jünger Anfang September die Vorstellung des neues iPhones; auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin wurden allerhand technische Neuheiten gefeiert – beispielsweise Waschmaschinen, die mit dem Handy bedient werden können; und auf der Automobilmesse AAA werden Fahrerassistenz-Systeme bis hin zu komplett selbstfahrenden Autos [2] vorgestellt.

Lust auf Technik

Ja, und erst das Weihnachtsgeschäft! Jährlich landen zum Fest jede Menge technischer Neuerungen unter dem Baum. Kurzum: Die Welt hat Lust auf Technik. Natürlich stellt sich angesichts dieser Konsumlust die Frage, ob man davon nicht auch mit seinem Wertpapierdepot profitieren kann.

John Scandalios, Fondsmanager des Franklin Technology Fund, glaubt das durchaus: “Technologie durchdringt mittlerweile jeden Bereich unseres Lebens. Unsere Autos würden nicht mehr fahren, unsere Häuser wären kaum bewohnbar ohne Technologie. Auch im Finanzsektor [3], auf dem Bau und in der Medizin geht nichts mehr ohne technische Geräte. Jeder kann beobachten, dass dieser Trend eher stärker als schwächer wird.”

Enorme Gewinnmargen

Scandalios managt nicht nur seit 2003 den Franklin Technology Fund, sondern er ist auch seit 15 Jahren Branchen-Analyst für Halbleiter bei Franklin Templeton.

Große Chancen sieht auch Hyunho Sohn, Portfolio Manager des Fidelity Global Technology Fund: “Gerade im Technologiebereich finden wir viele gute Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen. In dieser Branche geht es oft um geistiges Eigentum und Erfindungen, sodass die Einstiegsbarrieren für neue Wettbewerber hoch sind. Das ermöglicht es den Unternehmen, relativ lange Zeit hohe Gewinnmargen durchsetzen zu können.”

Ein bekanntes Beispiel ist die Firma mit dem Apfel-Symbol, die seit Jahren ihre Produkte zu hohen Preisen anbietet und ihre enormen Gewinnmargen offenbar halten kann.

Seite zwei: Frage nach richtigem Einstiegszeitpunkt [4]

Frederic Fayolle, der gemeinsam mit Walter Holick den DWS Technology Typ 0-Fonds managt, sieht ebenfalls Potenzial für Tech-Firmen: “Der Gesundheits [5]– und der Technologiesektor sind derzeit weltweit die beiden Branchen mit den höchsten Renditen. Die Unternehmen im Technologiesektor [6] sind im Allgemeinen äußerst profitabel und weisen attraktive Cashflows auf. Auch die Bilanzen vieler Technologieunternehmen sehen gut aus. Beispielsweise weisen sie einen relativ geringen Verschuldungsgrad und oft sogar enorme Cash-Positionen auf.”

Der DWS Technology Typ 0, existiert bereits seit Oktober 1983, hat also schon einige Marktphasen mitgemacht. Auch wenn die Argumente der Fondsmanager einleuchtend und durchaus nachvollziehbar sind, stellt sich bei reinen Branchenfonds immer die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt.

Tech-Blase in den 90ern

Ein kurzer Blick auf den Chart “Entwicklung der Technologiefonds im Vergleich zu globalen Aktienfonds” zeigt, dass es darauf durchaus ankommt. Viele Anleger werden sich noch an die Euphorie für Technologie-Aktien [7] Ende der 90er-Jahre erinnern oder haben davon gehört.

In der Zeit von Juli 1992 bis zum Höchstpunkt im März 2000 konnte sich der Wert von Telekommunikationsfonds im Durchschnitt beinahe verachtfachen. Technologiefonds schafften in diesem Zeitraum sogar im Schnitt eine Verzwölffachung.

Seite drei: Langfristiger Anlagehorizont [8]

Das waren die Zeiten, in denen Daytrading-Bücher und Titel wie “In sieben Jahren die erste Million” Höchstauflagen erreichten. Nun wissen wir, dass von 2000 bis 2003 eine scharfe Korrektur stattfand, weil im Nachhinein jedem klar war, dass es sich um eine Blase handelte, und diese im März 2000 geplatzt war.

Langfristiger Anlagehorizont

Natürlich ist es nicht ungewöhnlich, dass es an der Börse auf und ab geht; darum sollte man Aktieninvestments generell nur mit langfristigem Anlagehorizont tätigen. Aber auch wer diese Regel beherzigt hat, ist keineswegs fein raus.

Anleger, die gegen Ende der Dotcom-Blase in einen Technologie- oder Telemedienfonds eingestiegen sind, liegen jetzt – 15 Jahre später – immer noch meilenweit unter ihrem Einstiegspreis. Mit Fonds, die einen relativ engen regionalen oder branchenspezifischen Fokus haben, ist eben die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, höher als bei breit anlegenden Fonds.

Auch global anlegende Aktienfonds [9] haben in der Korrekturphase 2000 bis 2003 Verluste erlitten; auch das zeigt der Chart. Der Unterschied ist aber: Wer hier ausgerechnet zum ungünstigsten Zeitpunkt – im März 2000 – eingestiegen war, konnte immerhin im Sommer 2014 wieder ohne Verlust aussteigen und mittlerweile – im September 2015 – wird die Geduld der Langfrist-Anleger in global investierenden Aktienfonds sogar mit Gewinnen belohnt.

Dieser Vergleich unterstreicht nicht nur, dass Branchenfonds volatiler sind als breit ausgerichtete Fonds, sondern auch, dass die Technologiebranche ganz besonders prozyklisch ist.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Cash.-Ausgabe 11/2015 [10].

Autorin Barbara Baum ist freiberuflich als Finanzjournalistin tätig.

Foto: Franklin Templeton