- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Aktienanlage – das raten die Profis

Das Börsenjahr 2015 verlief recht positiv, der Dax legte um 9,6 Prozent zu. Anfang 2016 hat sich auf dem Frankfurter Börsenparkett die Marktstimmung verschlechtert. Wie sich dennoch Erträge erzielen lassen.

Börsenexperte Dirk Müller: “Aktuell bin ich massiv in Aktien engagiert, wobei auch noch physische Edelmetalle ins Portfolio gehören.”

Auf lange Sicht zahlt sich die Aktienanlage immer aus. Dies belegt die Empirie eindeutig.

Risikomanagement von hoher Bedeutung

Ein Investor der Ende 1965 deutsche Aktien kaufte, erzielte laut dem Deutschen Aktieninstitut bis Dezember 2014 eine jährliche Rendite von immerhin 7,3 Prozent. Dies ist ein sattes Plus von 672 Prozent in dem Gesamtzeitraum.

Dieser Trend, so glauben viele Fachleute, dürfte sich auch in der Zukunft fortsetzen, weshalb nicht wenige Anlageexperten aktuell für die Anteilscheine der Unternehmen nahezu schwärmen.

Allerdings ist das Risikomanagement von hoher Bedeutung. Ein Verlust von 50 Prozent kann nur durch einen Gewinn von 100 Prozent ausgeglichen werden. Bei einem Verlust von 80 Prozent ist sogar ein Plus von 400 Prozent notwendig. Deshalb rät Dr. Christian Funke, Vorstand der Source For Alpha aus Frankfurt: “Grundsätzlich kann man ein Portfolio durch eine breite Streuung über viele verschiedene Anlageklassen sehr defensiv positionieren, sodass die Marktschwankungen nur kleinere Verluste zur Folge haben”.

Breite Streuung das A und O

Beispielsweise könne ein Grundstock als Liquiditätsreserve in kurzfristige Anleihen investiert werden, während defensive Aktien den langfristigen Ertrag für das Portfolio liefern und gezielte Investments in Alternative Anlageklassen auch in Zeiten der Niedrigzinspolitik etwas zusätzliche Rendite liefern.

Für Frank Nobis, Geschäftsführer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung [1], ist eine breite Streuung ebenfalls das A und O: “Klar ist: an der Börse geht es auf und ab. Betrachtet man aber die langfristige Performance, so sehen wir die allermeisten Indizes stetig steigend. Alleine der Blick auf die letzten zehn Jahre mit gefühlten 20 Krisen zeigt eine Steigerung des Dax von 5.500 Punkten im Frühjahr 2006 auf aktuell 9.500 Punkte. Das entspricht immerhin einer jährlichen Rendite von 5,6 Prozent. Der wichtigste Schutz ist immer die Diversifikation.”

Seite zwei: Verluste mit gutem Markttiming begrenzen [2]

In seinem Fonds [3] versucht Börsenexperte Dirk Müller [4] zudem mit einem guten Markttiming Verluste ebenfalls zu begrenzen: “Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung meines Fonds. Er ist genau für solche stürmischen Marktzeiten konzipiert und er verhält sich exakt so, wie wir es erwartet haben. Die ersten Abwärtsbewegungen nehmen wir natürlich mit, weil wir keine Vollkaskoversicherung haben. Die anfänglichen ein, zwei Prozent sind wir immer direkt mit dem Markt mitgegangen. Je tiefer die Börse aber gefallen ist, desto weniger waren wir von der Entwicklung betroffen.”

Diese Absicherung ist für Privatanleger natürlich schwer zu erreichen, weshalb professionelle Fonds bei solchen Strategien im Vorteil sind. Der Aufbau eines Depots sollte sich an den jeweiligen Bedürfnissen des Anlegers konzentrieren. Diese sind je nach Alter und individueller Risikoneigung unterschiedlich.

Dies sieht auch Rolf Ehlhard, Vermögensverwalter der I.C.M, ähnlich: “Bei der Vermögensanlage ist es wie in der Medizin. Die Vorsorge ist die wichtigste Strategie. Eine Aufteilung des Vermögens auf die individuellen Bedürfnisse ist die beste Medizin. Diese muss zwar regelmäßig überprüft und den veränderten persönlichen und Kapitalmarkt mäßigen Gegebenheiten angepasst werden.”

Eigene Neigungen berücksichtigen

Risikoscheue Investoren sollten daher immer die eigenen Neigungen berücksichtigen: “Wer möglichst geringe Schwankungen im Portfolio haben will, der kann nur sehr gering investiert sein. Es ist eine Illusion, aktienähnliche Renditen verdienen zu wollen, ohne die Schwankungen in Kauf zu nehmen. Dies gilt insbesondere seit wir in einem Null-Zins [5]-Umfeld leben.”

Wer kurzfristig sein Geld benötigt oder auf absehbare Zeit in Pension geht, sollte das Depot anders strukturieren, als ein Anleger der langfristig investiert und einen vorübergehenden Verlust verschmerzen kann.

Seite drei: Auswahl von Aktien kritisch [6]

Bei der Auswahl von Aktien oder Branchen- und Länderfonds können aber auch entscheidende Fehler gemacht werden. Deshalb sollten sich Anleger intensiv mit der Auswahl der Investments beschäftigen und nach Möglichkeit die Perspektiven selbst analysieren.

Wer vor einigen Jahren beispielsweise fast ausschließlich auf europäische und deutsche Banktitel setzte, verlor einen Großteil seines Vermögens. Momentan scheiden sich die Geister, ob sich die Kurse von Finanztiteln wieder erholen. Zumeist zweifeln die Fachleute aber.

Der Chefanalyst von der Bremer Landesbank Folker Hellmeyer ist für die Perspektiven der Kreditinstitute eher skeptisch: “Grundsätzlich gilt, dass volkswirtschaftliches Wachstum über Profitabilität hilft, die Probleme in den Bilanzen im Zeitverlauf zu bereinigen. Diese Einlassung griffe bezüglich der Komplexität der Probleme jedoch zu kurz. Fakt ist, dass es in einigen Reformländern der Eurozone einer Bereinigung der Kreditportfolien der Banken zum Beispiel durch ,Bad Banks‘ Bedarf oder verstärkte Abschreibungen bei gegebenen Kapitalpuffern vorgenommen werden müssen, um volkswirtschaftliche Funktionen dieser Banken zu gewährleisten.” Bei einigen global tätigen Institutionen stelle sich die Frage nach dem zukünftigen Geschäftsmodell und den inne wohnenden ethischen Grundsätzen.

Dirk Müller: “Niedrige Zinsen ein riesiges Thema”

Dirk Müller hat einen ähnlichen Blickwinkel auf diese Branche: “Die Gefahr ist durchaus gegeben. Dies betrifft nicht nur die europäischen Banken, sondern wir haben ein internationales Problem. Die niedrigen Zinsen sind durchaus ein riesiges Thema. Zum einen verdienen die Institute mit den niedrigen Zinsen weniger. Zum anderen ist der Zins ein Instrument, mit dem die Investoren das Risiko abschätzen können. Dadurch, dass der Anleihemarkt die Renditen aushandelt, kann taxiert werden, wie riskant eine Investition ist. Wenn jetzt der Zinssatz nahe bei null Prozent ist, dann gibt es keine Möglichkeit mehr, Risiken abzuschätzen. Kaum jemand hat die Möglichkeit, auch die großen Finanzhäuser nicht, die Bonität sämtlicher Schuldner selbst bestimmen zu können.”

Rolf Ehlhard ist ebenfalls pessimistisch: “Emerging Markets [7] und Banken [8] würde ich noch immer meiden.” Aussichtsreichere Investments als Bankaktien gibt es derzeit hingegen viele. (tr)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 4/2016 [9].

Foto: Dirk Müller