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Bilanzberichtssaison könnte Jahresendrallye entfachen

Aus Sicht der Börsianer gab es in diesem Jahr mit der Abwertung der chinesischen Währung und dem Brexit-Votum schon zwei sehr bewegende Ereignisse. Der Rademacher-Kommentar

Tim Rademacher erwartet eine positive Überraschung an der Wall Street.

 

Zudem werden in den kommenden Wochen aus den USA gleich zwei entscheidende Impulse kommen. Zum einen steht in knapp vier Wochen die US-Präsidentenwahl an. Diese ist aber nach Einschätzung von Experten, die Hillary Clinton [1] mit einer achtzigprozentigen Wahrscheinlichkeit als Siegerin sehen, schon fast entschieden. Entsprechend haben sich die meisten Investoren schon auf dieses Szenario eingestellt. Zum anderen hat seit gestern mit den Quartalszahlen von Alcoa die Bilanzberichtssaison für das Sommerquartal begonnen.

Auch wenn der Aluminiumkonzern enttäuschte, eine Tendenz lässt sich bislang noch nicht aus den Daten ableiten. So wird sich die Richtung erst bis Ende kommender Woche entscheiden. Zunächst melden sich am Freitag die Großbanken Citigroup [2] und JPMorgan zu Wort. Mit einer Börsenkapitalisierung von rund 145 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 250 Milliarden US-Dollar zählen beide Gesellschaften zu den Schwergewichten an der Wall Street. In der kommenden Woche ermöglichen dann mit General Electric, Microsoft, Ebay und Intel dann weitere Blue Chips einen Einblick in ihre Bücher.

Fachleute sind vorsichtig

Viele Analysten sind vorsichtig, was den Ausgang des dritten Quartals betrifft. Sie gehen im Schnitt davon aus, dass die Unternehmen aus dem S&P 500, gegenüber der Vorjahresperiode einen Gewinnrückgang von mehr als zwei Prozent verkraften müssen. Dementsprechend liegt die Messlatte für die jeweiligen Firmenlenker niedrig. Können sie die Expertenschätzungen schlagen, so führt dies häufig zu steigenden Kursen bei dem jeweiligen Papier. Tritt dies auf breiter Front ein, so beflügelt das den Gesamtmarkt.

Insgesamt waren die Konjunkturdaten in den USA in den vergangenen Monaten recht robust, weshalb nicht wenige Firmen gute Geschäfte gemacht haben könnten. Dem wichtigen Energiesektor des Landes, der mit Giganten wie Exxon Mobil und Chevron stark vertreten ist, kommt entgegen, dass der Ölpreis gegenüber der Vorjahresperiode in etwa sein Niveau gehalten hat. Die Talfahrt erreichte bereits im letzten Winter ihren Höhepunkt. Deshalb könnte es auch von dieser Seite positive Impulse geben.

Rest des Jahres gibt Anlass zur Hoffnung

Für Investoren ist neben den jüngsten harten Zahlen auch der Geschäftsausblick entscheidend. Da eine Rezession derzeit nicht in Sicht ist und der Weihnachtskonsum bedingt durch die niedrige US-Arbeitslosenquote stark ausfallen könnte, lauert hier ebenfalls ein positives Überraschungspotenzial. Sollte die Wirtschaft dennoch schwächeln, so würde die Notenbank mit ihrer Geldpolitik die Märkte stützen. Deshalb könnte auch in diesem Jahr die stärkste Phase der Börsen im vierten Quartal eintreten. Dies würde auch die Manager der US-Aktienfonds freuen, da sie ihre Jahresendbilanz mit einer möglichen Hausse deutlich aufpolieren könnten.

Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert