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China: In welchen Branchen ein Investment lohnt

Welche Branchen und Teilmärkte Chinas sind derzeit für Anleger die besten? Nachdem der MSCI China vor kurzem ziemlich tief gefallen ist und den Stand von 2011 erreichte, ist das Reich der Mitte nicht mehr eine so sichere Bank für attraktive Investments.

Kommentar von Matthew Vaight, M&G Investments

Fondsmanager Vaight: “Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren in China ist aus unserer Sicht, aktiv dran zu bleiben und Unternehmen zu meiden, die ihre Anteilseigner nicht genügend im Blick haben.”

Es ist allgemein bekannt, dass es in China [1] große wirtschaftliche Unterschiede zwischen den althergebrachten, bewährten Industrien, wie Produktionsunternehmen, und dem neuen, konsumentenorientierten Internet Business gibt.

New Economy expandiert massiv

Während die Unternehmen der “alten” Industrien derzeit mit einigen Problemen wie der sinkenden Nachfrage, Überkapazitäten und dem hohen Schuldenstand, kämpfen, expandiert die New Economy massiv. Sie folgt dem Trend, dass immer mehr Chinesen Shopping und Reisen lieben und sich die zunehmend wohlhabendere Bevölkerung diese Angebote auch leisten kann.

Die Wirtschaftsentwicklung in zwei Geschwindigkeitsstufen zeigt sich auch in einem zweistufigen Börsengeschehen. Auf den Aktienmärkten sind die Werte der Old Economy in der Anlegergunst deutlich gesunken.

Die Aktien der New Economy dagegen verzeichnen eine große Nachfrage, so dass ihre Bewertungen geradezu in die Höhe schnellen. Als Value-orientierter Investor sind wir hier durchaus zurückhaltend.

Unserer Meinung nach sind die Erwartungen, was das zukünftige Wachstum dieser neuen Firmen betrifft, sehr hoch. Dennoch: In den letzten Monaten haben wir opportunistisch agierend einige niedrige Aktienkurse nutzen können. Wir halten nun Positionen an dem in den USA gelisteten Unternehmen Baidu, das im Bereich Internetsuchmaschinen tätig ist, sowie an einem Online-Reiseportal namens Ctrip.com.

Seite zwei: Das “neue” China zieht am meisten [2]

Während einerseits die Unternehmen der Old Economy unter wenig Interesse und geringen Börsenumsätzen auf den Aktienmärkten leiden, werden andererseits die Firmen der New Economy immer höher bewertet. Wir nutzen dagegen auch Möglichkeiten in eher schwächeren, aber unterschätzten Marktbereichen.

So investieren wir in Firmen für Verpackungsmaterial und Kunststoffrohrsysteme, die gut gemanagt werden und eine ordentliche Kapitalrendite erwirtschaften. Dadurch, dass sie aber eben nicht Teil der großen, spannenden “Das neue China”-Geschichte sind, übersehen unserer Meinung nach viele Investoren die Chancen, die diese Unternehmen bieten. Wir denken, dass viele Marktteilnehmer die Prognosen solcher Firmen oftmals zu gering bewerten.

Bei chinesischen Banken bleiben wir skeptisch, obwohl sie durchaus günstig erscheinen. Wir haben bisher noch nie eine Bank in unser Portfolio aufgenommen, da sie aus unserer Sicht eher zum Wohle des Staates als zum Wohle der Minderheitsanteilseigner geführt werden.

Aktuell haben wir auch bezüglich ihrer Bilanzen einige Bedenken. Möglicherweise könnten sie aufgrund der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums am steigenden Anteil fauler Kredite leiden. Nicht zuletzt erhalten die chinesischen Banken viele Unternehmen der Old Economy am Laufen; auch wenn jene bereits sehr schlecht dastehen und eigentlich nicht mehr operativ tätig sein sollten. Diese Haltung ist unser Argument für die Untergewichtung.

Seite drei: Die Spreu vom Weizen trennen [3]

Wir sind der Meinung, dass ein selektiver Ansatz sehr wichtig ist, um die besten und attraktivsten Investments in China herauszufiltern. Die Corporate Governance Standards sind sehr unterschiedlich. Einige Firmen verfügen über ein gutes Management mit einer seriösen Kapitaldisziplin und dem Ziel, den Anteilseignern Renditen zu erwirtschaften.

Andererseits gibt es aber auch viele Unternehmen, die keinerlei Verständnis von Kapitaleffizienz haben und die nicht zum Vorteil ihrer Teilhaber auf dem Markt agieren. Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren in China ist aus unserer Sicht, aktiv dran zu bleiben und Unternehmen zu meiden, die nicht profitabel wirtschaften und auch nicht genügend ihre Anteilseigner im Blick haben.

Wir gehören zu den langfristig agierenden Investoren. Volatilität [4] bedeutet für uns eher eine Quelle für neue Anlagemöglichkeiten als ein Problem. Turbulente Zeiten, turbulente Marktbewegungen haben sich erfahrungsgemäß oft als gute Ausgangslage für geduldige, fundamental investierende Anleger erwiesen, unterbewertete Aktien zu entdecken.

Autor Matthew Vaight ist Manager des M&G Global Emerging Markets Fonds.

Foto: M&G