Der Streit um das Helikoptergeld

Märkte feiern das Helikoptergeld

Die Märkte feiern die heiß erwartete nächste Phase der Zentralbank- und damit der Finanzpolitik, das sogenannte Helikoptergeld. Dieser eher unbestimmte Begriff umfasst so ziemlich alles von höheren Haushaltsausgaben, die dann durch zusätzliche Zentralbank-Anleihenkäufe abgedeckt werden, bis hin zu offenen Finanzspritzen in die Taschen der Verbraucher, die reinste Form des Helikoptergelds. Echtes Helikoptergeld würde tatsächlich das Problem der wachsenden Ungleichheit behandeln, eben weil Bares für den finanzschwachen Teil der Bevölkerung am schnellsten und am deutlichsten spürbar ist.  Vorerst scheint sich Japan noch dagegen zu sträuben, das Helikoptergeld vollends auf den Weg zu bringen. Stattdessen werden vermutlich zunächst Anreize mit der Unterstützung der Zentralbank gesetzt. Der Yen dürfte daher nicht weiter abschwächen, da die Markterwartungen wohl schon über das Ziel der japanischen Finanzpolitik hinausgeschossen sind.

Aber die globalen Märkte sollten sich gut überlegen, was sie sich wünschen. Natürlich ist das Helikoptergeld ein viel mächtigeres, viel direkteres Stimulans für die Wirtschaft als die quantitative Lockerung und insbesondere als Nullzinssätze oder gar negative Zinssätze. Aber im Gegensatz zur QE ist Helikoptergeld auch ein inflationäres, besonders unverblümtes Geldgeschenk. Und nach diesen Hilfsmitteln werden die Zentralbanken (und verstärkt auch die Regierungen) greifen müssen, wenn sie das schwache Wachstum auffangen und das Schreckgespenst der Deflation vertreiben wollen. Die Inflation ist die einzige finanzpolitische Notwendigkeit in einer Welt, die förmlich in Schulden ertrinkt. Und die Inflation ist die einzige Möglichkeit, die relative Last dieser immensen Schulden zu lindern, ohne Massenkreditausfälle zu verursachen. Aber die Schulden des einen sind die Ersparnisse des anderen. Mit anderen Worten: Viel Reichtum auf dem Papier wird real wohl verloren gehen. Und im Mittelpunkt dieses Abwärtswettlaufs werden die Fiatgeldkurse stehen. John J. Hardy ist Head of FX Strategy bei der Saxo Bank, Dänemark.

Foto: Saxo Bank

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