23. August 2016, 09:00
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Die EZB versucht die Konjunktur zu retten, ohne sie retten zu können

Ohnehin stellt sich die Frage, ob Unternehmen die geschönte Kurssituation überhaupt für Kapitalerhöhungen im Sinne ordentlicher Investitionen nutzen. Denn da die Aktienkursentwicklung dann weniger von renditeorientierter Unternehmensführung abhängen, könnten auch “Schnapsideen” finanziert werden. Fehlallokationen auch zum Schaden der Volkswirtschaft wären nicht zu verhindern. Aber selbst wenn Unternehmen sinnvolle Investitionen tätigen, ist fraglich, ob diese überhaupt der Eurozone und nicht Nordamerika oder den Schwellenländern zugutekommen.

Und welche Handlungsalternativen hat die EZB dann noch, wenn sie realisiert, dass ebenso Aktienkäufe nicht zum gewünschten Erfolg führen? Kommt sie dann auf die nächste fixe Idee und kauft großflächig Immobilien auf? Zum Schluss hätte der geldpolitische Sozialismus alle großen Anlageklassen erfasst, ohne konjunkturell wirklich etwas bewirkt zu haben. Im schlimmsten Fall kommt es fördert kommt es zu. Angesichts dieser Kollateralschäden der Schnapsidee “Aktienkäufe” seitens der EZB, sollten die Anleger liebend gern auf hohe, aber beschwipste Aktienkurse verzichten.

Die Ursache des Konjunkturproblems liegt woanders

Wann versteht man in der Eurozone endlich, dass der wirtschaftliche Aufschwung nicht an mangelnder geldpolitischer Üppigkeit scheitert. Wir haben kein Angebots-, sondern ein Nachfrageproblem! Unsere schwache Euro-Konjunktur – auch Deutschland ist nur der Einäugige unter den Blinden – liegt vor allem an reform- und wettbewerbsverweigernden Politikern in den Euro-Staaten, die kein investitionsfreundliches Klima schaffen. Leider wird genau dieses in den Emerging Markets und in Nordamerika immer mehr an den Tag gelegt wird. Da braucht sich kein Euro-Politiker über die selbstverschuldete Wirtschaftsschwäche in Euroland zu wundern.

Was nutzt der Eurozone der geldpolitisch günstigste Sprit, wenn das Euro-Auto einen wirtschaftspolitischen Motorschaden hat?

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator. Er ist aus Funk und Fernsehen bekannt und schreibt regelmäßig für Cash.

Foto: Baader Bank

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4 Kommentare

  1. Herr Halver hat mal wieder richtig analysiert. Man fragt sich, was streben die Politiker an? Wird aus einem oder zwei Weltmeistern im 100 Meterlauf in Verbindung mit Stadtmeistern eine gute rekord-verdächtige Staffel? Jeder wird sagen: NIE!! Und so scheint es mit den Euro-Staaten auch zu sein.

    Kommentar von Haimerl Ludwig J — 19. September 2016 @ 18:31

  2. Für eine Korrektur ist es nicht zu spät. Ich spreche nicht von der EZB sondern vom Kapitalmarkt.

    Kommentar von Herbert Türk — 14. September 2016 @ 19:34

  3. ich hatte mich bisher nie geäußert! Evt aber ein anderer Teilnehmer mit gleicher Meinung; das wäre nicht überraschend!

    Kommentar von Haimerl Ludwig J — 23. August 2016 @ 21:25

  4. mir kommt dies vor wie die Haltung eines Mediziners, der bodenlos leichtfertig Kopfschmerzen, die ja oft eine schwerere Krankheit anzeigen, mit Aspirin behandelt, statt die eigentliche Ursache zu erkunden.
    EZB und Politiker leben von heute auf morgen, statt strategisch fundiert.
    Vielleicht wollen diese sog. “Eliten” nicht anders!

    Kommentar von Haimerl Ludwig J — 23. August 2016 @ 21:23

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