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Die Finanztransaktionssteuer schadet der Aktienkultur

Am vergangenen Wochenende konnten sich die EU-Finanzminister beim Treffen in Bratislava nicht auf eine Finanztransaktionssteuer verständigen. Im Oktober dürfte sich das weitere Schicksal der geplanten Abgabe nun entscheiden. Der Rademacher-Kommentar

Tim Rademacher findet weitere Steuern auf Aktienhandel und Kursgewinne schädlich.

Seit vielen Jahren propagieren Politiker nahezu aller Parteien den Aufbau einer privaten Altersvorsorge [1]. Diese ist erforderlich, um die Rentenlücke im staatlichen praktizierten Umlageverfahren zu schließen. Bei langfristigen Anlageprodukten, welche für die Ansparphase in Betracht kommen, ist die Rendite von entscheidender Bedeutung. Leider sind festverzinsliche Produkte aufgrund der negativen Realzinsen kaum attraktiv. Vorteilhaft sind hingegen aktienbasierte Anlagen, da diese auf Dauer immer üppige Renditen lieferten.

Überzeugungsarbeit gefragt

Eigentlich müsste die Regierung daher viel unternehmen, um die Aktienkultur in Deutschland zu fördern. Diese ist immer noch weit unterentwickelt. Im Gegensatz zu den meisten anderen westlichen Staaten ist der Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer in Deutschland immer noch erschreckend niedrig. Die Akzeptanz der Aktie müsste weitaus höher sein.

Einige Fondsgesellschaften [2] wie Union Investment, sind derzeit gezielt bestrebt, der breiten Masse diese Vorteile zu vermitteln. Allerdings werden diese Bemühungen ständig durch die Politik torpediert. Von vielen Parteien wird der Kapitalmarkt in der jetzigen Form keinesfalls geliebt, sondern eher als notwendiges Übel dargestellt. Dieses soll mit höheren Steuern und strengeren Regeln nach Möglichkeit so stark wie möglich begrenzt werden.

Steuern sind schädlich

Die Einführung der Finanztransaktionssteuer und die Abschaffung der Abgeltungssteuer werden daher von nicht wenigen Funktionsträgern aktiv gefordert und als Heilsbringer dargestellt. Das Gegenteil ist aber aus ökonomischer Sicht der Fall. Vielmehr würden Aktienfondsbesitzer unter den geplanten Vorhaben gleich mehrfach leiden. Zum einen werden Fondsgesellschaften die Transaktionssteuer selbstverständlich an die Endkunden und somit auch die Kleinanleger weitergeben. Zum anderen soll von den Kursgewinnen noch mehr an den Staat abgeführt werden. Hierbei bleibt nicht zu vergessen, dass Kursgewinne bei Fonds, die über ein Jahr gehalten wurden, noch vor einer Dekade komplett steuerfrei waren.

Für die wirtschaftliche Entwicklung sind höhere Steuern ebenfalls schädlich. Insgesamt würde die Bedeutung als wichtiger Eigenkapitalbeschaffer für Wachstumsfirmen beschnitten. Gerade innovative Gesellschaften, die von den Banken oftmals kaum Fremdkapital bekommen, leiden hierunter. Deshalb sollte die Politik ihre einstigen Versprechen halten und die aktienbasierte Altersvorsorge fördern. Allerdings dürften im anstehenden Bundestagswahlkampf wieder andere Forderungen laut werden. Dies ist sehr enttäuschend, da die ökonomischen Zusammenhänge weitaus komplizierter sind, als viele Parteien vermitteln.

Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert