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Gold im neuen Jahr: Ein hohes Maß an Spannung garantiert

Nach der diesjährigen Achterbahnfahrt des Goldpreises fragen sich viele Anleger, wie sich wohl der Krisen- und Inflationsschutz im kommenden Jahr entwickeln wird. Eines sollte dabei relativ sicher sein – Langeweile dürfte an den Goldmärkten nicht aufkommen.

Gastbeitrag von Robert Hartmann, pro aurum

“Neben den politischen Risiken in Europa und in den USA sollten Anleger aber auch die Entwicklungen in Indien und China genau im Auge behalten.”

Dafür scheint die Gemengelage einfach nicht geschaffen zu sein, schließlich leben wir derzeit alles andere als in einer “heilen Finanzwelt” – Risiken sind zahlreich vorhanden und nicht zu übersehen.

So wurde zum Beispiel der Brexit [1] bislang lediglich angekündigt, vollzogen wurde der EU-Austritt Großbritanniens hingegen noch nicht. Wie die Konditionen aussehen werden, ist daher völlig offen. Dies birgt – sowohl für Großbritannien als auch für die Eurozone [2] – erhebliches Risikopotenzial.

Belastungsfaktoren en masse

Aber man kann noch weitere potenzielle Risiken ausmachen. So droht beispielsweise nach dem Rücktritt von Matteo Renzi auch in Italien Ungemach.

Italiens Banken haben ein Riesenproblem und sitzen auf faulen Krediten in Höhe von ungefähr 360 Milliarden Euro. Die Target2-Verbindlichkeiten gegenüber Deutschland haben erneut Rekordhöhen erreicht. Fundamental hat sich also bislang nichts zum Besseren gewendet. Mein Fazit lautet daher: Neue Köpfe – alte Probleme!

Doch damit nicht genug. So ist davon auszugehen, dass die Menschen in den Niederlanden und in Frankreich von der aktuell regierenden politischen Elite die Nase voll haben.

Ein Wahlsieg von Geert Wilders im März kann nicht ausgeschlossen werden, während der Front National in Frankreich eher verlieren dürfte. Und auch die Bundestagswahl [3] im Herbst verspricht spannend zu werden. Die Spekulationen rund um die Wahlen könnten dem Euro durchaus schaden. Kurse unterhalb der Parität zum US-Dollar sind für 2017 daher nicht auszuschließen.

Außerdem wird sich jenseits des Atlantiks im kommenden Jahr zeigen, ob die von Investoren verteilten Vorschusslorbeeren nach dem Wahlsieg von Donald Trump [4] gerechtfertigt oder eher übertrieben waren.

Nur zur Erinnerung: Der politisch unerfahrene und tendenziell unberechenbare Newcomer Trump [5] wird erst am 20. Januar sein Amt antreten. Dann wird es für ihn, seine Regierungsmannschaft und den Rest der Welt ernst.

Seite zwei: Comeback der Inflation wahrscheinlich [6]

Heftig bergauf ging es in den vergangenen Wochen vor allem mit den Renditen von US-Staatsanleihen. Unmittelbar vor dem Wahlsieg von Donald Trump lagen diese bei zehn Jahren Restlaufzeit noch bei lediglich 1,86 Prozent, Mitte Dezember war bereits ein Wert von über 2,6 Prozent zu beobachten.

Die US-Inflationsrate lag im Dezember bei 1,7 Prozent, was die inflationsbereinigten Realzinsen wieder in den positiven Bereich zurückkehren ließ. Aufgrund der 2016 zu beobachtenden massiven Verteuerung von Rohstoffen [7] aus den Bereichen Energie, Industriemetalle und Landwirtschaft dürften die Zeiten niedriger Inflation erst einmal vorüber sein.

EZB und Fed streben bei der künftigen Teuerungsrate eine Zielmarke von zwei Prozent an. Ob sich diese im Falle einer Aufwärtsbewegung auf zwei Prozent “zähmen” lässt, bleibt abzuwarten und darf durchaus bezweifelt werden.

Sobald das Thema “Inflation” an die Finanzmärkte zurückkehrt, dürfte auch das bewährte Gegenmittel hierfür – der Inflationsschutz in Form von Gold [8] – ein Comeback feiern.

Die Kursziele der Analysten für 2017

Über eines konnte man sich 2016 an den Goldmärkten wahrlich nicht beklagen: Langeweile. Nach einem fulminanten Jahresstart, der den Goldpreis [9] auf Dollarbasis in der Spitze um 30 Prozent verteuert hat, waren vor allem der Ausbruch aus dem Abwärtstrend und das damit verbundene Trendwechselsignal ein heiß diskutiertes Thema.

2017 dürfte insbesondere für uns Europäer aufgrund der bereits erwähnten Wahlen spannend werden. Das heißt: Die politische Unsicherheit dürfte weiterhin ein ständiger Wegbegleiter des Goldpreises bleiben.

Nichtsdestotrotz wollen wir Ihnen die Analystenprognosen zum Goldpreis nicht vorenthalten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat Kursziele ermittelt, die nicht älter als sechs Monate sind.

Im Durchschnitt wird für das vierte Quartal 2017 ein Goldpreis in Höhe von 1.294 Dollar prognostiziert. Bei den insgesamt 27 erfassten Prognosen gibt es allerdings erhebliche Abweichungen.

Seite drei: Inflationserwartungen steigen in 2017 [10]

Während das pessimistischste Kursziel von Rising Glory Finance stammt und bei 900 Dollar liegt, erwartet die Liechtensteiner Vermögensverwaltung [11] Incrementum AG einen Anstieg auf 1.800 Dollar.

Den stark differierenden Prognosen kann man aber durchaus positive Aspekte abgewinnen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt nämlich, dass es häufig anders kommt, wenn sich die Analysten extrem einig sind. In diesem Fall bestünde nämlich die Gefahr, dass sich die meisten Investoren bereits entsprechend positioniert haben.

Das erwartet pro aurum 2017

Sollte sich der positive Trend beim Dollar in 2017 fortsetzen, bieten sich Kurse um 1.050 beziehungsweise 1.080 Euro für mittel- bis langfristig orientierte Anleger zum Einstieg an.

Neben den politischen Risiken in Europa und in den USA sollten Anleger aber auch die Entwicklungen in Indien und China genau im Auge behalten. Sollte es dort aufgrund von Kapitalkontrollmaßnahmen oder Restriktionen beim Goldhandel zu einem signifikanten Rückgang der Nachfrage kommen, wäre dies zweifellos kontraproduktiv für den Goldpreis.

In einem Punkt darf man aber durchaus zuversichtlich gestimmt sein. Die im August registrierten rekordhohen spekulativen Positionen an der New Yorker Terminbörse Comex sind mittlerweile nahezu bereinigt. Von hier droht wohl keine Gefahr mehr.

Außerdem betrachten wir die Wahrscheinlichkeit als relativ hoch, dass im Jahr 2017 die Inflationserwartungen steigen, was grundsätzlich gut für Edelmetalle wäre. Wir empfehlen jedem Privatanleger, 15 bis 20 Prozent seines liquiden Vermögens in Gold und Silber zu investieren und dabei eine Quote von 80 Prozent Gold und 20 Prozent Silber anzustreben.

Autor ist Robert Hartmann, Geschäftsführer des Edelmetallhandels-Hauses pro aurum.

Foto: pro aurum