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Harte Landung erfolgt in China trotz hoher Schulden nicht

Derzeit diskutieren viele Investoren über eine harte Landung. Vor allem die Schulden bereiten den Anlegern Kopfschmerzen.

Andy Rothman erwartet keine harte Landung in China.

„Chinas Schuldenproblem ist ernst. Aber das Risiko einer harten Landung seiner Wirtschaft oder einer Bankenkrise ist niedrig“, sagt Andy Rothman. In der aktuellen Version seines Research-Berichtes „Sinology: Clearing Up China’s Debt“ verweist der Investmentstratege des Asien-Spezialisten Matthews Asia [1] darauf, dass die notleidenden Kredite des Landes in erster Linie bei Unternehmen im Staatsbesitz zu finden seien. „Die womöglich faulen Kredite in China sind die von Firmen im Staatsbesitz, nicht von Privathaushalten oder privaten Betrieben.“

Schulden höher als in Deutschland

Viele der Kredite, die nicht mehr zurückgezahlt werden können, seien auf Anweisung des Staates von Banken im Staatsbesitz an Unternehmen im Staatsbesitz vergeben worden, betont Rothman. Ende 2015 lag Chinas gesamte Verschuldung ─ also alle Schulden von Staat, Unternehmen und Privathaushalten zusammengenommen ─ laut Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bei 255 Prozent des Bruttosozialproduktes (BSP). Zum Vergleich: Deutschlands gesamte Verschuldung betrug 184 Prozent des BSP.

Rothman geht in seinem Bericht in einem umfassenden Frage-und-Antwort-Katalog auf Ursachen, Ausmaß, Verteilung und Risiken der Schulden Chinas ein. In Bezug auf die Lösung des Problems sagt der Experte, der selbst mehr als 20 Jahre in China gelebt und gearbeitet hat: „Chinas Schulden aufzuräumen wird teuer. Der Prozess wird wahrscheinlich zu allmählich langsameren Wachstumsraten, größerer Volatilität und einer höheren staatlichen Verschuldung führen ─ aber nicht zur dramatisch harten Landung oder einer Bankenkrise.“ (tr)

Foto: Matthews Asia