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MiFID II: Banken erwarten geringere Einnahmen

Die europäischen Banken rechnen damit, dass die Umsetzung der EU-Richtlinie “Markets in Financial Instruments Directive” (MiFID II) zu erheblichen Ausfällen führen wird. Das geht aus einer Studie des Beratungshauses Eurogroup Consulting hervor. Die deutschen Institute sehen der Regulierung demnach im internationalen Vergleich gelassener entgegen.

Europas Banken fürchten, dass die Umsetzung der MiFID II zu Millionenausfällen führen wird.

Während die Großbanken in Italien und Frankreich jeweils Einnahmenausfälle im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich befürchten, sind die deutschen Top-Banken der Studie zufolge im Europavergleich überdurchschnittlich optimistisch – sie rechnen demnach mit “verkraftbaren Einbußen”.

Eurogroup Consulting hat für die StudieInterviews mit Entscheidern von Top-Großbanken aus fünf EU-Ländern geführt, die für eine Bilanzsumme von fast elf Billionen Euro stehen. Eine der größten Sorgentreiber der Befragten ist das beschlossene Provisionsverbot [1] bei unabhängiger Beratung. Je nach Geschäftsmodell reißt das Verbot riesige Löcher in die Bankbilanzen, so die Studie.

Deutsche Großbanken vergleichsweise optimistisch

Auch hier zeigen sich die deutschen Institute weit weniger besorgt, als ihre internationalen Kollegen. “Im Retailgeschäft setzen Institute hierzulande überwiegend auf das bisherige nicht unabhängige Beratungsmodel [2]“, sagt Studienleiter Dr. Christian Jensen. Das erlaube ihnen, weiterhin Provisionen von Produktanbietern zu erhalten.

“In der Portfolioverwaltung haben die meisten Häuser darüber hinaus schon sehr frühzeitig auf Bestandsprovisionen verzichtet, so dass sie auf die Änderungen aus MiFID II [3] gut vorbereitet sind”, so Jensen weiter. Nichtsdestotrotz bedeuten die Umstellungen demnach auch für deutsche Institute in der IT sowie in der Vertriebsorganisation erhebliche Kosten.

Seite zwei: Fintechs und Direktbanken als Profiteure [4]

Einig sind sich die Befragten demnach indes im Hinblick auf die Folgen der in der Richtlinie verankerten Transparenzvorschriften. Die Banken [5]glauben dass diese das Risiko erhöhen, dass die Institute Kunden an Direktbanken und Fintechs verlieren. Gemäß MiFID II müssen Produkt- und Dienstleistungskosten künftig den Kunden mitgeteilt werden.

“Viele Depotinhaber werden, wenn sie zukünftig ihren Jahresreport ihrer Bank erhalten, genau rechnen, ob ihr Vermögensverwalter gut gewirtschaftet hat”, sagt Co-Autor Norman Weißer.

“Die meist attraktiveren Preismodelle der Institute ohne großen Vertriebsapparat und mit automatisierten Prozessen bedeuten einen großen Vorteil im Kampf um Kunden”, so Weißer.

Verzicht auf Status “unabhängige Beratung”

Um dieser “Provisions- und Transparenzfalle” zu entkommen, wollen die europäischen Banken der Studie zufolge mehrheitlich auf den Status “unabhängige Beratung” verzichten. Stattdessen wollen sich die Institute demnach darauf fokussieren,  ihren Kunden [6] andere Mehrwerte zu bieten – etwa spezielle Auswertungen sowie gesonderte Kundenreports.

Zudem erkennen die Studienautoren bei den Instituten mit unabhängiger Beratung einen Trend zu Produkten mit geringeren Gebühren. Sie vermuten, dass künftig bislang für Banken [7] eher unattraktive Exchange Traded Funds stärker in den Fokus rücken. (jb)

Foto: Shutterstock