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“Große Zeit von Multi Asset steht noch bevor”

Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Vermögensverwalters Bantleon, sprach mit Cash. über die Perspektiven von Multi-Asset-Fonds und die Rolle des Timings für einen dauerhaften Anlageerfolg.

“Dauerhafte Erträge werden in Zukunft nur noch über einen Managementansatz entstehen, der erstens jene Anlageklassen herausfiltert, die in naher Zukunft die besten Perspektiven bieten und zweitens nicht vor dem Verkauf aller Risikoanlagen zurückschreckt.”

Cash.: Der Trend sinkender Anleihenrenditen scheint vorbei zu sein und auch an den Aktienmärkten ist künftig weniger zu holen, weil sie sich seit einiger Zeit volatil seitwärts bewegen. Ist damit die gute Zeit für Multi-Asset-Fonds vorbei?

Preißler: Wenn Sie “gut” mit einer hohen Performance definieren, dann ist das tatsächlich so, denn viele Produkte haben jahrelang von fallenden Renditen und steigenden Kursen profitiert. Die Notenbanken haben mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik auch Anleihen schlechterer Bonitäten hohe Kursgewinne beschert – bei überschaubaren Risiken. Diese Zeit leicht verdienter Performance dürfte aber vorerst zu Ende sein, weil sich die Zinsen von nun an seitwärts oder sogar leicht nach oben bewegen werden. Wenn Sie aber mit “gut” die Fähigkeit meinen, mit flexibler Gewichtung auf wechselnde Kapitalmarktrisiken zu reagieren, dann dürfte die große Zeit der Multi-Asset [1]-Fonds erst noch bevorstehen. Vorausgesetzt das Anlagemanagement erkennt die wichtigen Trends und hat die richtigen Anlageinstrumente zur Verfügung.

Wie kann ein zukunftsfähiger Ansatz aussehen, wenn man keine großen und damit riskanten Wetten eingehen möchte?

Für die nächsten Jahre gilt, dass seitwärts gerichtete Zinsen bei hochqualitativen Staatsanleihen und die Gleichschaltung von Aktien [2] und Rohstoffen [3] klassische Mischfondskonzepte an ihre Grenzen bringen. In diesem Umfeld reicht es nicht mehr, die Anteile einzelner Assetklassen moderat zu verändern oder bei Aktien von “Growth” zu “Value” zu wechseln. Dauerhafte Erträge werden in der Zukunft nur noch über einen Managementansatz entstehen, der erstens jene Anlageklassen herausfiltert, die in überschaubarer Zukunft die besten Perspektiven bieten und zweitens nicht vor dem Verkauf aller Risikoanlagen zurückschreckt. Zeitweise kann es sogar sinnvoll sein, sich vollständig in den Geldmarkt zurückzuziehen. Um einen Ertrag oberhalb der Inflationsrate zu erzielen, sollten hochqualitative Aktien und Anleihen die Schwergewichte der Portfolios bilden. Hochqualitative Staatsanleihen sind eine gute Basis, weil sie zumindest einen nominalen Werterhalt garantieren. Andere Assetklassen wie Rohstoffe und Hochzinsanleihen [4] können zeitweise beigemischt werden. Letztendlich muss “buy and hold” durch aktives Asset Management ersetzt werden, womit man aber Timing-Risiken ausgesetzt ist.

Seite zwei: “Ohne Timing wird künftig keine Rendite erzielbar sein [5]

Ohne Timing dürfte eine attraktive Rendite künftig aber doch nicht zu erzielen sein, oder?

Ohne Timing wird in Zukunft eher gar keine Rendite erzielbar sein. Zu beachten ist jedoch, dass Fehlentscheidungen in Bezug auf das Timing bei Risikoassets vergleichsweise hohe Schäden nach sich ziehen können. Wenn man beispielsweise konzentrierte Positionen in Emerging Markets und Rohstoffe aufbauen möchte, braucht man eine überaus gute Prognosequalität. Selbst sehr gute Fondsmanager, die mehrheitlich richtig liegen, haben immer noch eine Fehlerquote von knapp 50 Prozent, die beträchtlichen Schaden im Portfolio anrichten kann. Das war bei den meisten Asset Managern im Jahr 2008 zu beobachten. Deshalb sollten Anleger sich in erster Linie auf vergleichsweise sichere Anlagen konzentrieren. Die Konzepte vieler Multi-Asset-Fonds [6]werden wohl an das neue Kapitalmarktumfeld angepasst werden müssen, um auch künftig nach Kosten eine attraktive Rendite erzielen zu können.

Interview: Frank Milewski

Foto: Rainer Wolfsberger