23. November 2016, 12:53
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Nebenwerte werden sträflich vernachlässigt

In Frankfurt findet bis heute das berühmte Eigenkapitalforum statt. Allerdings zeigt die Veranstaltung, dass es bei Small-Caps dringenden Handlungsbedarf gibt. Der Rademacher-Kommentar

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Tim Rademacher sieht im Nebenwertesegment dringenden Handlungsbedarf.

Auf dem Event präsentieren sich dutzende, zumeist kleinere und mittlere deutsche Unternehmen, um die Kontakte mit dem Kapitalmarkt zu intensivieren und neue Investoren zu gewinnen. Unter den Zuschauern befinden sich zahlreiche institutionelle Anleger, die sich über ihre Investments informieren wollen oder auf der Suche nach neuen interessanten Aktien sind.

Kleine Firmen liefern bessere Kursentwicklung

Generell ist das Nebenwertesegment auch für Fondsmanager extrem interessant. Seit der Jahrtausendwende entwickelten sich die Indizes SDax und MDax, die Entwicklungen im jeweiligen Marktsegment abbilden, deutlich besser als der große Bruder Dax. Oftmals verzeichneten die Mittelständler deutlich höhere Wachstumsraten beim Umsatz und bei der Profitabilität. Insbesondere den zahlreichen Hidden Champions gelang es, erfolgreiche Nischen auf dem Weltmarkt zu besetzen und eine beeindruckende Performance abzuliefern.

Entsprechend gibt es auch zahlreiche Nebenwerte-Fonds, die langfristig außergewöhnlich hohe Renditen erwirtschaften konnten. Diese wurden auch bei Cash. in der Vergangenheit regelmäßig vorgestellt. Dennoch ist das Anlegerinteresse für dieses spannende Segment immer noch auf einem enttäuschend niedrigen Niveau. Einige Beobachter meinen, dass insbesondere bei Privatanlegern das Interesse an den Nebenwerten deutlich zurückgegangen ist. Stattdessen spekulieren Retailinvestoren viel lieber mit exotischen Produkten wie CFDs, binären Optionen oder anderen Derivaten, die keinen direkten Bezug zu der jeweiligen Aktiengesellschaft haben.

Wachstum wird behindert

Für die deutsche Wirtschaft ist dieser Trend nachteilig, da die Börse bei den Nebenwerten immer noch die wichtigste Kapitalquelle für Unternehmen ist. Da aber ein erheblicher Teil der Mittel jetzt in andere neuartige Anlagen investiert wird, ist die Beschaffung von Eigenmitteln für kleinere Firmen ungleich schwerer geworden. Dies bremst die betroffenen Aktiengesellschaften und reduziert nicht selten das Wachstum der Firmen. Dabei gilt insbesondere der Mittelstand als deutscher Jobmotor.

Deshalb müsste es eigentlich Aufgabe der Börse und der Politik sein, dieses innovative Marktsegment zu fördern und für einen breiteren Anlegerkreis attraktiv zu machen. Stattdessen denkt die Politik über die Einführung einer Börsentransaktionssteuer und einer höheren Abgabe auf Kursgewinne nach. Dies wäre für die Entwicklung des Marktsegments ein abermaliger Nackenschlag.

Politik ist gefordert

Es ist wichtig, die Funktion der Börse als Eigenkapitalbeschaffer auszubauen und die Basis der Anleger zu verbreitern. Denn davon würden auch die Privatanleger profitieren, die bei dem anhaltend niedrigen Zinsniveau dringend auf der Suche nach Alternativen sind. Eine bessere Finanzbildung würde sicherlich dazu beitragen, dass Sparer und Wirtschaft von dem Nebenwertesegment profitieren. Mittelfristig sind aber kaum Maßnahmen erkennbar, die diese Fehlentwicklung zumindest korrigieren.

Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert

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