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Ölpreis: Eine Erholung ist nicht in Sicht

Der Rohölpreis der US-Referenzsorte WTI ist am Dienstag unter 30 Dollar pro Barrel gefallen und hat damit seinen Zwölfjahres-Tiefstand erreicht. Der Preis der Nordseesorte Brent fiel parallel. Erst am Freitag überschritten beide Sorten wieder die 30-Dollar-Marke.

Der Tiefstand des Ölpreises belastet Finanzmärkte weltweit.

Der Kälteeinbruch in Europa und den USA sorge laut Angaben von Reuters für Spekulationen auf einen höheren Ölpreis. Zusätzlich lösten Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt haben, ihre Optionen auf, um Verluste zu begrenzen. Dennoch sei der Kursanstieg nicht nachhaltig. Die Fördermenge überschreite weiterhin den Bedarf und auch Tanklager seien noch gefüllt.

Preisdruck durch Überangebot

Als Gründe für den Preisverfall gibt die Internationale Energieagentur ein Überangebot [1] auf dem Weltmarkt von 1,5 Millionen Barrel pro Tag und die schwache Nachfrage aus China [2] an. Ausgelöst wird dieses Überangebot vor allem durch Fracking in den USA und die veränderte Politik der Opec.

Basierte die Strategie des Kartells bisher darauf, Preise durch eine künstliche Angebotsverknappung zu kontrollieren, kämpfen die Mitgliedsländer nun um Marktanteile und reduzieren ihre Fördermengen daher nicht. Zudem kündigte der Iran an, nach Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktionen sein Ölangebot auszuweiten.

Ölförderländer reagieren unterschiedlich

Während Ölnachfrager den Preisrückgang begrüßen, wünschen sich nicht nur Ölproduzenten und -anbieter eine Trendwende. Der fallende Ölpreis belastet weltweit Volkswirtschaften und Finanzsysteme. Besonders betroffen sind Entwicklungsländer, die von Öleinnahmen abhängig sind und zusätzlich unter der angespannten chinesischen Wirtschaftslage leiden.

Die Staatsfinanzen von Ölförderländern und Exporteuren sind abhängig von Öleinnahmen. Brechen Gewinne aufgrund von Preisrückgängen weg, müssen diese Staaten ihre Ausgaben kürzen oder Neuverschuldungen in Kauf nehmen, um fehlende Einnahmen auszugleichen.

Die Strategien der Ölförderländer im Umgang mit fallenden Preisen sind unterschiedlich. Saudi-Arabien erhöht seine Fördermengen, um Konkurrenten vom Markt zu verdrängen. Auch der Iran hat angekündigt, nach Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktionen seine Ölförderung auszubauen. Algerien und Venezuela hingegen zählen zu den Kritikern der Strategie die Fördermengen nicht zu reduzieren. Sie sind auf höhere Preise angewiesen, um weiterhin rentabel zu fördern und ihren Staatshaushalt sanieren zu können.

Seite zwei: Panikverkäufe nicht auszuschließen [3]

Nicht nur klassische Ölexporteure und die US-Frackingindustrie hoffen auf steigende Preise. Auch Finanzmärkte sind von sinkenden Ölpreisen betroffen. Bei den derzeitigen Preisen sind weitere Insolvenzen, wie die von Samson Resources, nicht auszuschließen.

Panikverkäufe nicht auszuschließen

Investitionen in Frackingunternehmen laufen vor allem über Hochrisikoanleihen und von möglichen Anleiheverkäufen wäre nicht nur die Frackingindustrie selbst betroffen. Auch benachbarte Branchen müssen mit Anleiheverkäufen rechnen.
Drohen Insolvenzen aufgrund von Kapitalmangel, sind besonders kreditgebende Banken benachteiligt.

Anleiheverkäufe und Preisrückgänge führen zu sinkenden Aktienindizes, diese wiederum würden für wachsende Unsicherheit an den Börsen sorgen. Da die meisten bedeutenden Aktienindizes Ölunternehmen listen, sind Panikverkäufe sind nicht auszuschließen. Investoren hoffen deshalb auf eine Erholung der Ölpreise, denn auch Anleger, die nicht direkt in Frackingunternehmen oder Rohöl investieren, wären von weiteren Preisrückgängen betroffen.

Expansive EZB Politik durch Deflationsdruck

Kursstürze aufgrund der unsicheren Lage in China und dem Ölpreisverfall zeichnen sich schon jetzt ab. So verlor der Dax am Mittwochmorgen drei Prozent und sank auf 9400 Punkte, die Verluste überstiegen die Gewinne vom Vortag. Hoffnungen auf einen steigenden Ölpreis und Konjunkturprogramme der EZB [4] ließen den Kurs zur Eröffnung am Freitag um zwei Prozent steigen. Selbst die Erholung verdeutlicht jedoch die Abhängigkeit der Börse vom Ölpreis.

Zudem könnte eine Deflation – ausgelöst durch fallende Ölpreise – die anachronistische Geldpolitik der EZB und Fed noch weiter auseinandertreiben. Laut dem Weekly Economic Briefing von Standard Life Investments beträgt die Korrelation der EU Inflationsrate und dem Ölpreis 90 Prozent. Stagniere oder falle der Ölpreis noch weiter, verfehle die EZB erneut ihr Inflationsziel. Dies könne zu einer Ausweitung der expansiven Geldpolitik führen. Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG gibt hingegen zu Bedenken, dass die EZB die Ursachen der niedrigen Inflationsrate geldpolitisch kaum bekämpfen könne.

Seite drei: Wie Sie sich schützen können [5]

Anleger stellen sich nun die Frage, ob sich die Ölpreise innerhalb der nächsten Monate nachhaltig erholen werden und wie sie sich gegen Auswirkungen eines weiteren Ölpreisverfalls schützen können.

Gefragt nach der zukünftigen Entwicklung der Ölpreise sind sich die von Cash. befragten Assetmanager einig. Der Preisanstieg lässt auf sich warten und wird wahrscheinlich erst in der zweiten Jahreshälfte eintreten. „Wir erwarten, dass der Preis im ersten Halbjahr unter 40 Dollar bleibt, danach sollte es zu einer graduellen Erholung kommen.“ So Stefan Kreuzkamp, CIO Deutsche Asset Management [6].

Wie Sie sich schützen können

Doch wie schützen sich die Assetmanager selbst vor anhaltend niedrigen Ölpreisen und was raten sie Anlegern? Hier sind sich Assetmanager ebenfalls einig und raten gut zu diversifizieren. Zusätzlich sollte man ein zu hohes Exposure zu Rohstoffen, insbesondere Rohöl, meiden.

Dr. Joachim Berlenbach von der Earth Resource Investment Group setzt den Fokus auf Firmen, die allenfalls eine geringe Verschuldung haben und ihre Kapitalausgaben flexibel kürzen können, ohne zu viel Produktion einzubüßen. Das rät er auch Investoren: „Wir empfehlen Anlegern derzeit keine oder nur sehr geringe Gewichtung in Öl- oder Gasaktien. Falls sie doch in diesen Bereich investieren möchten, dann mit klarem Fokus auf Balance Sheet und finanzielle Flexibilität. Zudem sollten sie abwarten, bis der Markt sich dreht und Ölaktien dann hoch gewichten.“ (kl)

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