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Super Mario gibt nicht auf – gut für uns!

Bekanntlich kommt es immer auf den richtigen Zeitpunkt an. Die besten Komiker zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Pointe im richtigen Moment – meist nach einer Kunstpause – setzen, um die Spannung zu erhöhen. Ob dies das Vorbild war, an dem sich der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi orientierte, als er im Sommer 2012 London besuchte, ist nicht sicher. Gastkommtar von Bo Bejstrup Christensen, Danske Invest

Bo Bejstrup Christensen sieht die EZB weiter am Drücker.

Jedenfalls stellte er sich auf die Bühne und sprach die nun unsterblichen Worte: „Die EZB [1] ist bereit, alles Notwendige zur Sicherung des Euros zu tun.“ Dann hielt er kurz inne und fügte hinzu: „Glauben Sie mir, das wird genug sein.“ Die Märkte drehten sich um 180 Grad, nachdem sie lange an der Einsatzbereitschaft der EZB gezweifelt hatten, für Stabilität auf den Anleihemärkten zu sorgen. Die Zinsen in den krisengeschüttelten Ländern waren viel zu hoch. Kurz danach kündigte die EZB ein Programm an, in dem erklärt wurde, was nötigenfalls passieren würde, doch der Markt hatte Draghi bereits verstanden. Die Zinsen waren bereits kräftig gefallen.

Im Rückblick erscheint Draghis Rede als der entscheidende Wendepunkt der Krise – und ihr hat er den Spitznamen „Super Mario“ zu verdanken. Stehen wir heute erneut vor einem Wendepunkt?

Die EZB strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Das ist sehr schwer.

Der letzte Satz von Draghi [2] nach der EZB-Sitzung im Januar 2016 war: „Wir geben nicht auf.“ Ein weiterer Einzeiler für die Geschichtsbücher. Er war darauf gemünzt, dass die EZB noch viel zu weit vom Ziel der zwei Prozent Inflation entfernt ist. Auf derselben Pressekonferenz versprach er fest weitere Lockerungen der Geldpolitik – vorwiegend aus zwei Gründen. Der Euro war stärker und der Ölpreis niedriger als noch bei Veröffentlichung der Inflationsprognose der EZB im Dezember. Somit war es noch unwahrscheinlicher geworden, dass die bereits im Dezember recht optimistische Prognose eintreffen würde.

Seite zwei: Zwei große Herausforderungen [3]

Zwei große Herausforderungen

Abgesehen von den niedrigen Energiepreisen, die zeitweilig die Inflationsrate nach unten drücken, kämpft die EZB im Wesentlichen mit zwei Herausforderungen:

Die erste Herausforderung ist eine viel zu hohe Arbeitslosigkeit. Sie führt dazu, dass die Löhne auf niedrigem Niveau stagnieren und mancherorts sogar rückläufig sind. Die USA können nun auf über sechs Jahre Wirtschaftswachstum und einer Halbierung der Arbeitslosigkeit zurückblicken. Und davon kann man lernen, dass es äußerst schwer sein kann, die Inflationsrate zu erhöhen, wenn die Arbeitslosigkeit längere Zeit konstant hoch war.

Die zweite Herausforderung ist einfach der Umstand, dass die Inflation jetzt über einen längeren Zeitraum so niedrig war. Dementsprechend haben sich Privathaushalte und Unternehmen darauf eingestellt, was die Tendenz der Inflation praktisch festschreibt. Die Schlussfolgerung ist klar: Es wird für die EZB sehr schwierig sein, die Inflation wieder auf zwei Prozent zu bringen.

Bislang konnte die EZB zumindest auf ein solides Wachstum verweisen. Die Arbeitslosigkeit geht zurück, die Banken vergeben wieder Kredite und auch die schwerfällige Investitionsbereitschaft beginnt sich wieder stärker zu rühren.

Vorbereitung auf etwas Großes

Doch damit enden die guten Nachrichten auch! Die Eurozone [4] hat – im Gegensatz zu den USA – Schützenhilfe durch eine schwächere Währung, eine lockerere Geldpolitik und einen niedrigeren Ölpreis erhalten. Letzteres ohne die gleichen Kreditsorgen, die derzeit das amerikanische Bankensystem plagen. Doch alle diese Faktoren haben eines gemeinsam: Sie sind nur temporär. Genau wie sie nur zeitweilig das Wirtschaftswachstum in den USA nach unten gedrückt haben, haben sie das Wachstum in der Eurozone nun zeitweilig nach oben gedrückt. Wenn sie schwächer werden, bleibt nur noch ein einziger wachstumstreibender Faktor – die Banken!

Die EZB bereitet sich auf etwas Großes vor. Die Finanzmärkte entscheiden dann, wie groß es wird.

Die EZB muss ganz einfach die Wirtschaft so sehr anschieben, wie sie nur kann. Daher war sie schon im Januar bereit, die Geldpolitik weiter zu lockern. Seitdem gehen die Überlegungen weiter und der Markt hat bereits bis zu 0,3 Prozent an weiteren Zinssenkungen in den nächsten Quartalen eingepreist. Es wird viel darüber gemutmaßt, was die EZB mit ihrem Aufkaufprogramm machen wird. Wird noch mehr Geld gedruckt? Werden außer Staatsanleihen auch andere Anleihen gekauft?

Wir erwarten, dass die EZB im März ihre Geldpolitik weiter lockert. Doch für uns ist etwas Anderes viel entscheidender: In der jetzigen Situation, in der die Märkte erneut die Banken angreifen und es sogar schwache Anzeichen für eine neuerliche Bankenkrise gibt, ist unsere Haltung völlig klar: Dies darf die EZB ganz einfach nicht zulassen.

Bo Bejstrup Christensen ist der Chefanalytiker bei Danske Invest

Foto: Danske Invest