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US-Wahlkampf 2016: Nichts Genaues weiß man nicht

Der US-Präsidentschaftswahlkampf geht in seine heiße Phase. Am 8. November wird entschieden, wer auf Barack Obama folgt. In Umfragen liegt die demokratische Kandidatin Hillary Clinton derzeit vor ihrem republikanischen Mitbewerber Donald Trump. Gastbeitrag von Tim Bröning, Fonds Finanz Maklerservice

“Im Falle eines Wahlsiegs Trumps droht den Finanzmärkten aufgrund des hohen Unsicherheitsfaktors eher eine Phase höherer Volatilität.”

Ausgeschlossen ist ein Wahlsieg des “Showman Trump” jedoch noch lange nicht. Doch was würde der jeweilige Wahlausgang für die Finanzmärkte bedeuten? Den Kern der Wahlversprechen [1] bildet bei beiden die zukünftige Steuergestaltung. Während sich Clinton noch eher schwammig für Steuererhöhungen bei Personen mit sehr hohem Einkommen einsetzt, will Trump die Einkommensteuern für Unternehmen und Personen deutlich senken.

Folglich könnte der Konsum angekurbelt werden und dadurch die zuletzt rückläufigen Unternehmensgewinne wieder steigen. Gleichzeitig stehen für Infrastrukturinvestitionen bei beiden Kandidaten gigantische Staatsausgaben im Raum, um veraltete Flughäfen, Straßen und Brücken zu sanieren. Clinton will dafür 275 Milliarden US-Dollar ausgeben, Trump sogar eine Billionen.

Trumps Steuerprogramm ist unrealistisch

Profiteure wären die Bauwirtschaft und die Industrie, später eventuell die gesamte US-Wirtschaft [2]. Das größte Fragezeichen steht jedoch bei beiden hinter der Finanzierung der avisierten Programme bei gleichzeitigen Steuersenkungen, denn das angespannte US-Haushaltsbudget bietet dafür eigentlich keinen Spielraum. Vor allem Trumps überzogenes Steuerprogramm erscheint vor diesem Hintergrund mehr als unrealistisch.

Über 9,5 Billionen US-Dollar würden die Steuereinnahmen für die nächsten Jahre sinken und die US-Staatsverschuldung dramatisch ansteigen.
Wendet man seinen Blick ab von den Wahlversprechen und richtet ihn auf die Historie, dann sollten Anleger auf einen Wahlsieg der Demokratin Clinton hoffen.

Seite zwei: Wahlsieg Trumps könnte zu höherer Volatilität führen [3]

Einerseits erzielte der US-Aktienmarkt von 1949 bis 2015 einen Wertzuwachs von ca. zwölf Prozent pro Jahr, wenn ein Demokrat im Weißen Haus saß. Unter einem Republikaner war es dagegen nur etwa die Hälfte. Andererseits legten Aktien in der Folgezeit immer dann am stärksten zu, wenn die amtierende Partei im Amt blieb. In der Clinton- und Obama-Ära legte der US-Aktienmarkt [4] zum Beispiel um ca. 165 Prozent und 207 Prozent zu.

Unabhängig von dem tatsächlichen Wahlausgang haben Investoren die größte Performance diesmal aber wohl schon gesehen. Diese gab es nämlich eher in den Vorjahren zur Wahl (ca. elf Prozent p. a.). Im Wahljahr selbst stiegen US-Aktien nur halb so stark. Aktuell liegt der S&P 500 mit einem Plus von über sieben Prozent bereits oberhalb der durchschnittlichen vergangenen Wertzuwächse.

Wahlsieg Trumps könnte zu höherer Volatilität führen

Im Falle eines Wahlsiegs Trumps [5], so sind sich die meisten Finanzexperten einig, droht den Finanzmärkten dagegen aufgrund des hohen Unsicherheitsfaktors eher eine Phase höherer Volatilität. Am Ende bleibt für Anleger wohl wieder nur die Erkenntnis, dass man sich auf die Dinge konzentrieren sollte, die man auch selbst beeinflussen kann.

Eine gut diversifizierte Anlage in hochwertige Aktien, rentierliche Anleihen, Immobilien und in Gold bleibt immer noch der beste Schutz in unsicheren Zeiten – unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt. Insbesondere nach den Erfahrungen rund um die Brexit-Umfragen und dem tatsächlichen Abstimmungsergebnis heißt es leider wieder einmal mehr: Nichts Genaues weiß man nicht.

Tim Bröning [6] ist seit 2009 in der Geschäftsleitung der Fonds Finanz Maklerservice GmbH und verantwortlich für den Bereich Unternehmensentwicklung und Finanzen sowie für die Sparte Investment.

Foto: Fonds Finanz