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Viele Kollateralschäden durch Politik der Zentralbanken

13Marino Valensise, Head of Global Multi Asset Group bei Barings in London, weist auf die immer stärker zutage tretenden Schwachpunkte der anhaltenden Geldpolitik der EZB hin.

Die EZB gerät immer stärker in die Kritik von Investoren.

Der erste Schwachpunkt liegt darin, dass das günstigere Geld der Wirtschaft effektiv schadet. Seit 2009 konzentrieren sich die wichtigsten Zentralbanken darauf, den “Preis für Geld” durch das Herabsetzen der Leitzinsen auf niedrigere Niveaus zu senken. Die Reduzierung der kurzfristigen Zinsen hatte allerdings eine Reihe unbeabsichtigter Folgen. Diese Folgen beinhalten ein Paradoxon: Niedrigere Zinsen und flachere Zinsstrukturkurven hatten negative Auswirkungen auf die Rentabilität des Kreditgeschäfts, da sie die Kreditvergabe für Banken unattraktiver machten.

Freisetzung von Liquidität nicht in gewünschtem Ausmaß

Zweitens muss auch der Transmissionsmechanismus der quantitativen Lockerungsmaßnahmen infrage gestellt werden. Ziel der Staatsanleihekäufe durch die Zentralbanken war eine Freisetzung von Liquidität, damit Banken Kapital in das gewerbliche Kreditgeschäft umschichten konnten. Der Effekt fiel jedoch schwächer aus als beabsichtigt und das Bankensystem gab die zusätzliche Liquidität nicht so aggressiv weiter wie erwartet oder gewünscht.

Zentralbanken nähern sich Kapazitätsgrenzen

Die dritte Schwachstelle betrifft die Art und Weise, wie quantitative Lockerungsprogramme umgesetzt werden. Die Bilanzen der Zentralbanken wurden stark ausgeweitet und sollte diese Ausdehnung noch länger fortbestehen, könnten die Zentralbanken den Großteil der entsprechend verfügbaren Vermögenswerte absorbieren. Laut Prognose des IWF wird die Bank of Japan (BoJ) zwischen 2017 und 2018 an ihre “Kapazitätsgrenzen” stoßen. Gleichermaßen wird die Europäische Zentralbank (EZB) irgendwann gezwungen sein, das Universum geeigneter Wertpapiere auszuweiten, damit ihr die verfügbaren Vermögenswerte nicht ausgehen. (fm)

Foto: Barings