Zinsmärkte: Angst vor dem GAU?

An niedrige Zinsen haben wir uns gewöhnt. Sicherlich, damit wurde unsere deutsche vor allem auf Zinsvermögen basierende Altersversorge von den Notenbanken sturmreif geschossen. Doch unsere (Finanz-)Welt hätte weder die Immobilien- noch diverse Euro-Krisen ohne die barmherzige Geldpolitik überlebt. Die Halver-Kolumne

Robert Halver, Baader Bank
Robert Halver, Baader Bank

Auch Deutschland hätte nicht die offenen Rechnungen der Schwestern und Brüder der Eurozone bezahlen können, ohne seinen eigenen Staatshaushalt zu ruinieren oder Steuern und Sozialabgaben kräftig zu erhöhen. Und die aktuell wie eine Monstranz zur Schau getragene schwarze Null der Bundesregierung hätte es auch nie gegeben.

Marktwirtschaft kann man suchen, am Rentenmarkt wird man sie sicher nicht finden

Es gab einmal eine Zeit, da spürten Länder, die der Schuldenmanie verfielen und sich weigerten, wirtschaftliche Reformhausaufgaben zur Sicherstellung ihrer Schuldentragfähigkeit durchzuführen, die harte Knute der Finanzmärkte. So wie leistungsunwillige Schüler schlechte Noten erhalten, wurden Staatspapiere mit steigenden Renditen und Verkaufsproblemen bestraft. Und jetzt mal ehrlich: Kann es angesichts von weltweit annähernd 250 Billionen US-Dollar Schulden – Tendenz weiter steigend – oder mangelnder Bonität der meisten Euro-Staaten auch nur einen winzigen Grund für niedrige Zinsen geben? Normalerweise nicht! Aber wo ein geldpolitischer Wille, da ein finanzwirtschaftlicher Weg: Heutzutage sorgen planwirtschaftliche Anleihekäufe der Notenbanken für niedrige Schuldzinsen und entsorgen gleichzeitig das Absatzproblem von staatlichen Schuldtiteln.

Doch genau damit hat die internationale Bruderschaft des freizügigen Geldes die am meisten überbewertete Anlageklasse aller Zeiten geschaffen: Das Zinsvermögen. Verständlicherweise will kein Anleger hier investiert sein, wenn diese unter enormem Überdruck stehende Anlageblase durch eine massive Zinswende platzen sollte.

Seite zwei: Ingredienzen für eine Zinswende

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