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Mehr Aktionärsrechte: Die neuen Regeln im Detail

Die Rechte von Aktionären gegenüber Aktiengesellschaften sollen gestärkt werden. Das Europäische Parlament hat gestern die neugefasste Richtlinie über die Aktionärsrechte verabschiedet. Cash.Online präsentiert die wichtigsten Aspekte.

Der Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg.

Im einzelnen wurden die Aktionärsrechte in folgenden fünf Punkten gestärkt:

Erleichterung einer grenzüberschreitenden Partizipation
Die neuen Regeln sollen es Aktionären [1] erleichtern, ihre Rechte wahrzunehmen. Banken und andere Finanzintermediäre müssen demnach sicherstellen, dass sie die notwendigen Unternehmensinformationen an die Aktionäre weitergeben. Zudem soll es Aktionären ermöglicht werden, an Hauptversammlungen von Gesellschaften teilzunehmen, die ihren Unternehmenssitz in einem anderen europäischen Land haben.

Langfristiges Engagement institutioneller Investoren und Vermögensverwalter
Die Neuregelung verlangt von institutionellen Investoren und Vermögensverwaltern [2] ein höheres Maß an Transparenz. Dies betrifft sowohl ihre Investmentstrategie als auch die Interaktion mit der Zielgesellschaft. Auf diese Weise sollen Investoren einen stärkeren Fokus auf ihre Anlagestrategien legen und ebenfalls soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen. Der dahinterliegende Ansatz folgt dem sogenannten “comply-or-explain”-Prinzip. Weicht der Investor von bestehenden Regeln ab, hat er eine Darlegungspflicht.

Mehr Transparenz bei der Beratung
Berater haben den Anlegern Schlüsselinformationen zu Aktienempfehlung und Beratung zukommen zu lassen. Zudem müsse der Anleger wissen, welchem Verhaltenskodex [3] der Berater verpflichtet ist.

Seite zwei: “Say-on-Pay”-Ansatz [4]

“Say-on-Pay”-Ansatz
Die Manager- und Vorstandsvergütung soll transparenter werden. Aktionäre haben ein Recht zu wissen, wie die Vorstände entlohnt werden und sollten Einfluss auf die Höhe der Vergütung haben können. Dies solle zu mehr Verhältnismäßigkeit zwischen Entlohnung und Leistung führen.

Transaktionen mit anderen Firmen
Unternehmen sollen künftig relevante Geschäfte mit Vertragspartnern publik machen, die Risiken für Minderheitsgesellschafter darstellen könnten. Zudem müssten sie sich solche Transaktionen im Rahmen der Hauptversammlung genehmigen lassen.

EU-Justizkommissarin Věra Jourová erklärt: “Die neugefasste Richtlinie ist auch von Vorteil für Unternehmen, da sie vor kurzfristiger und übermäßiger Risikobereitschaft schützt. Langfristige, transparente Strategien sind in Zukunft gefragt. Aktionäre erhalten mehr Mitspracherecht im Hinblick auf die Koppelung der Vorstandsgehälter an entsprechende Leistungen.” (nl)

Foto: Shutterstock

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