Für Anleiheanleger ziehen dunkle Wolken auf

Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management verschafft das aktuelle Umfeld mit ordentlichem Wachstum, niedriger Inflation und einer unvermindert expansiven Geldpolitik der Zentralbanken Risikoanlagen kurzfristig Rückenwind.

Robert Michele, J.P. Morgan Asset Management
Robert Michele, J.P. Morgan Asset Management, erwartet moderates Wachstum mit geringer Inflation.

„Derzeit weist alles auf ein „Goldlöckchen-Szenario“ mit moderatem Wachstum und geringer Inflation hin“, betont Robert Michele, Chief Investment Officer und Leiter der Global Fixed Income, Currency & Commodities Group bei J.P. Morgan Asset Management. Angesichts des kräftigen, weltweit synchronisierten Konjunkturaufschwungs hält er deshalb auch an seinem Basisszenario des „Wachstums über Trend“ mit fest und misst diesem eine Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent zu. Ein Rückgang von fünf Prozent im Vergleich zum Vorquartal, denn die Inflation sei enttäuschend ausgefallen und bleibe in den Industrieländern weiterhin hartnäckig hinter den Zielen zurück. So hat er sein zweites Szenario des „Wachstums unter Trend“, das bei weiterhin niedriger Inflation wahrscheinlicher werde, von 20 auf 25 Prozent aufgestockt. Zu viele Risiken sieht Michele derzeit jedoch nicht, die Wahrscheinlichkeit einer Rezession oder Krise bewertet er nur mit jeweils fünf Prozent.“Herausforderndes Umfeld erwartet, wenn die Zentralbanken den Märkten Liquidität entziehen

Notenbanken sollten jetzt handeln

Allerdings sieht Michele für Anleihenanleger am Horizont bereits dunkle Wolken aufziehen, denn die US-Notenbank gab zuletzt Details ihrer geplanten Bilanzverkürzung bekannt – wenn auch ohne hierfür einen genauen Zeitpunkt zu nennen. „Die geplanten Maßnahmen der Fed fallen restriktiver aus als von uns ursprünglich gedacht und spiegelten die Erwartung einer Wachstumserholung und eines Inflationsanstiegs wider. Wir sind der Ansicht, dass die US-Notenbank gut beraten ist, jetzt zu handeln, da die anhaltenden Wertpapierkäufe der Bank of Japan und der Europäischen Zentralbank ihre Maßnahmen abfedern“, so Michele. Vorläufig wirke die den Märkten bereitgestellte Liquidität unterstützend, doch die Frage sei, wann sich das ändern werde.

Herausforderndes Marktumfeld

Seiner Meinung nach sollten sich die Auswirkungen richtig bemerkbar machen, wenn dem Markt aktiv Kapital entzogen wird. „Wir glauben, dass das Marktumfeld in den nächsten 12 bis 18 Monaten überaus herausfordernd sein wird. Wenn die Zentralbanken ihren geldpolitischen Kurs ändern und ihre Bilanzen dadurch nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen, dürfte das volatile Vermögenspreise zur Folge haben“, erläutert der Experte. Michele betont, dass die Zentralbanken ihre Bilanzen zu einem Zeitpunkt „normalisieren“, an dem der Wachstums- und Inflationsdruck noch verhalten sein dürfte. Darüber hinaus sei unklar, ob es von Seiten Washingtons zu fiskalpolitischen Anreizmaßnahmen kommt oder nicht, und ob ein „harter Brexit“ bevorstehe. „In naher Zukunft werden wir herausfinden, in welchem Umfang die quantitativen Lockerungsmaßnahmen und die Nullzinspolitik der letzten Jahre zu einer niedrigen Volatilität und einer Inflation der Vermögenspreise geführt haben. Wir sind darauf vorbereitet, das Unerwartete zu erwarten.“

Seite zwei: US-Renditeanstieg im Jahresverlauf

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