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Anleiheblase wird 2018 nicht platzen

Anleihen sind 2018 gefährdet, denn sowohl die amerikanische als auch die europäische Notenbank werden ihre Geldpolitik normalisieren, nach einer ausgedehnten Phase der extrem expansiven Politik. Auch wenn die Blase nicht platzt, müssen Anleger selektiv vorgehen, dazu rät Nicolas Forest von Candriam.

Nicolas Forest: “Eine maßvolle Straffung der Geldpolitik bei niedriger Inflation dürfte nicht zu einem Einbruch der Anleihemärkte führen.”

Die Investoren haben sich an die expansive Geldpolitik gewöhnt. Nach Jahren der Nullzinsen und Wertpapierkäufe bleibt abzuwarten, ob die Anleihemärkte einbrechen [1], wenn sich die Geldpolitik normalisiert.

“Früher litten Anleihen vor allem unter zwei Entwicklungen: Einem plötzlichen Inflationsanstieg oder einer Straffung der Geldpolitik”, sagt Nicolas Forest, Head of Fixed Income Management bei Candriam. Als Beispiel nennt er 1995, 1999, 2004 und 2010, Jahre in denen mindestens eine der beiden Bedingungen erfüllt gewesen sei. “2013, als sich die Inflation in Grenzen hielt, hat zweifellos eine Straffung der Geldpolitik den Kurseinbruch ausgelöst.”

Auswirkung der Geldpolitik

Momentan sei die Inflation [2] deutlich unter dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbanken. Das Problem scheine strukturell, da die Löhne trotz fallender Arbeitslosigkeit kaum steigen würden. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins bereits wieder angehoben, weitere Zinsschritte sind für 2018 geplant. Die Europäische Zentralbank (EZB [3]) bleibe jedoch vorsichtig und setze ihre Anleihekäufe zunächst fort.

“Eine maßvolle Straffung der Geldpolitik bei niedriger Inflation dürfte nicht zu einem Einbruch der Anleihemärkte führen, doch die Notenbanken werden die Liquidität zweifellos verringern”, sagt Forest. 2018 werde es auf die Fundamentalanalyse ankommen – und darauf, ob man emittentenspezifische Risiken erkennt. In den nächsten Jahren werde ein flexibles und selektives Anleihemanagement unverzichtbar sein.

USA versus Europa

Der aktuelle Aufschwung in den USA ist einer der drei längsten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und er dürfte nach der Abstimmung über Trumps Steuerplan weitergehen. Die Märkte rechnen für 2018 [4] aber nicht mit mehr als zwei Zinserhöhungen, während Candriam mindestens drei Zinsschritte erwartet. Die amerikanische Zinsstrukturkurve dürfte daher noch flacher werden. Inflationsindexierte Anleihen könnten attraktiver werden.

Seite zwei: Emerging-Markets- und Unternehmensanleihen [5]

In Europa sei das Risiko nach den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich hingegen gesunken. Gerade erst hat sich der Euroraum gegenüber den katalanischen Separatisten einig gezeigt, und die künftige Regierung in Deutschland dürfte Stabilität garantieren. Aus ökonomischer Sicht sollte die Inflation bei einem Wachstum von mehr als zwei Prozent allmählich zulegen.

Die EZB halbiert ihre Wertpapierkäufe im Januar (bis September) auf 30 Milliarden Euro monatlich und wird sie laut Candriam Ende 2018 einstellen. Die erste Leitzinserhöhung sei für die zweite Jahreshälfte 2019 zu erwarten.

Euro übergewichten

Die deutschen Zehnjahresrenditen könnten im kommenden Jahr dann auf 0,9 Prozent steigen, so dass Candriam diese Titel untergewichtet. Peripherieländerstaatsanleihen dürften hingegen von besseren Fundamentaldaten und attraktiven Bewertungen profitieren.

Der Wachstumsunterschied zwischen den USA und dem Euroraum sowie das geringere Leistungsbilanzdefizit veranlasst Candriam, den Euro gegenüber dem US-Dollar zu bevorzugen; der faire Wechselkurs sollte 1,25 betragen. Außerdem könnten die politischen Risiken in den USA zunehmen und den US-Dollar verlustanfälliger machen. Die Allianz zwischen Macron und Merkel könnte hingegen das Vertrauen in Europa stärken, sodass der Euro bei höherer Marktvolatilität zu einer attraktiven Währung werden kann.

Vorsicht bei Emerging-Markets-Anleihen

Emerging-Markets-Anleihen würden vom Wirtschaftswachstum und schrumpfenden Leistungsbilanzdefiziten profitieren und seien attraktiv bewertet. “Die Fundamentaldaten sind gut, doch es gibt externe Risiken”, sagt Forest. Dazu zählen die Wahlen in Südafrika und einigen lateinamerikanischen Ländern.

“2018 sollten Anleger wählerisch sein. Wer in die Emerging-Market-Anleihen investiert, benötigt einen aktiven Ansatz. Um Performance zu erzielen, muss man Risiken kontrollieren und auf Bewertungsdifferenzen setzen”, fügt Forest hinzu. Zudem sollten sich europäische Investoren gegen Währungsrisiken absichern, die meisten Anleihen seien in US-Dollar denominiert.

Auch bei Unternehmensanleihen liegt Europa vorn

Gegen Unternehmensanleihen sprechen laut Candriam die Spätphase des Kreditzyklus, die fallenden Risikoprämien und die geringere Liquiditätszufuhr der Notenbanken. Amerikanische Investmentgrade-Emittenten sind laut Candriam hoch verschuldet, höher als die europäischen – und das erstmals seit zehn Jahren.

Außerdem werde sich die durchschnittliche Kreditqualität in den USA verschlechtern, während die Ratings in Europa angehoben werden. Candriam bevorzuge daher weiter den Bankensektor, wegen seiner attraktiven Bewertungen und der besseren Fundamentaldaten. Die steigende Qualität der Aktiva, die höhere Liquidität und die steilere Zinsstrukturkurve im Euroraum würden den Gewinnen der Banken nützen.

Angesichts der hervorragenden Wertentwicklung nachrangiger Anleihen in den letzten Jahren hält Candriam eine gründliche Analyse nach Kapitalklassen für entscheidend, um aus dem Anlageuniversum die attraktivsten Titel auszuwählen und Fallstricke zu vermeiden. (kl)

Foto: Candriam