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Nicht zu früh aufgeben

Der Aktienmarkt hat auch 2018 noch Potenzial, obwohl die Bewertungen stellenweise inzwischen sehr hoch sind. Anleger müssen also die richtigen Segmente und den richtigen Austiegszeitpunkt finden, um von der Entwicklung in 2018 noch zu profitieren. Gastbeitrag von John Stopford, Investec AM.

John Stopford: “Trumps Steuersenkungsplan könnte zu einem klassischen Ende des aktuellen Konjunkturzyklus führen und einen Boom mit anschließendem “Doom” auslösen.”

Wir sehen keine unmittelbaren Anzeichen einer konjunkturellen Verlangsamung und denken, dass der Markt noch Potenzial [1] hat. Aber der Bulle kommt in die Jahre und die Bewertungen sind stellenweise angespannt. Eine vorsichtige Reaktion besteht darin, das Risiko im Portfolio selektiv und schrittweise zu reduzieren. Bei Aktien finden wir interessante Unternehmen im Finanz- und zyklischen Bereich. Bei Anleihen [2] sehen wir selektive Chancen in den Schwellenländern.

Die Hausse für Wachstumsanlagen wie Aktien und hochverzinsliche Unternehmensanleihen reift mit steigenden Bewertungen. Bewertungen allein führen zwar selten zu einer Trendumkehr, jedoch implizieren sie langfristig niedrigere Renditen. Bullenmärkte enden typischerweise erst kurz vor einem wirtschaftlichen Abschwung und nach einer längeren Phase knapper Liquidität. Beides ist noch nicht absehbar. Das Rezessionsrisiko erscheint gering, die monetären Bedingungen sind locker und die Wachstumsdynamik ist stark.

US-Steuerereform könnte Konjunkturzyklus beenden

Allerdings schwächt sich der fundamentale Hintergrund langsam ab. Das globale Wirtschaftswachstum hat einen Großteil der freien Kapazitäten aufgebraucht. Gleichzeitig dürfte die Geldpolitik immer weniger unterstützend wirken.

Trumps Steuersenkungsplan könnte zu einem klassischen Ende des aktuellen Konjunkturzyklus führen und einen Boom mit anschließendem “Doom” auslösen. Eine Senkung der Steuern bei einer Arbeitslosigkeit auf dem derzeitigen Tiefststand würde das Wachstum ankurbeln, dürfte aber auch die Inflationserwartungen und das Risiko am Anleihenmarkt steigern.

Wer zu früh oder zu spät aus dem Markt aussteigt vergibt ähnlich viel. Der richtige Ansatz besteht unserer Meinung nach darin, innerhalb des erlaubten Risikobudgets schrittweise weniger Risiken einzugehen, aber angesichts der Wahrscheinlichkeit einer weiteren Marktstärke ein gewisses Engagement in Wachstumsaktiva aufrechtzuerhalten.

Selektive Chancen in Schwellenländern

Bei Aktien finden wir interessante Unternehmen im Finanz- und zyklischen Bereich. Diese profitieren tendenziell von einem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld und sind weniger anfällig für volatile Anleiherenditen. Aus regionaler Sicht erscheinen die Bewertungen und die konjunkturelle Dynamik außerhalb der USA [3] besser. Aber in den USA gibt es nach wie vor viele großartige Unternehmen, und wenn die Steuersenkungen durchgesetzt werden, könnte dies zusätzliche Vorteile bringen.

Seite zwei: Die größten Risiken in 2018 [4]

Bei Unternehmensanleihen sind wir vorsichtig. Allerdings sehen wir selektive Chancen in den Schwellenländern, die typischerweise mehr Wert bieten als ihre Konkurrenten in den entwickelten Märkten und durch das höhere Wirtschaftswachstum besser unterstützt werden.

Die Faktoren, die die Renditen von Staatsanleihen in den letzten 35 Jahren gedrückt haben, sind nach wie vor weitgehend vorhanden, insbesondere die desinflationären Kräfte und die Ursachen für ein gedämpftes Wachstum. Langjährige US-Treasuries erachten wir als kaufenswert, wenn wir eine weitere Preisschwäche sehen.

Ende der Dollar-Stärke?

Unserer Ansicht nach könnte die Hausse des US-Dollars nach sechs Jahren realer Aufwertung gegenüber wichtigen Handelspartnern vorüber sein. Frühere Aufwärtszyklen in der Währung dauerten etwas länger, gefolgt von langen Perioden der Underperformance.

Der Dollar könnte sich jedoch kurzfristig stabilisieren oder vorübergehend wieder erholen, bevor er einen Abwärtstrend wieder aufnimmt, da sich die Stimmung bereits im letzten Jahr verschoben hat – die Anleger sind für Europa deutlich optimistischer als für die USA.

Risiken 2018

Das Hauptmarktrisiko ist immer die Möglichkeit einer Rezession. Darüber hinaus konzentrieren sich unsere Bedenken [5] jedoch auf die Frage, wie gut die Märkte, die zum Teil durch Liquidität befeuert werden, auf sinkende Käufe von Zentralbankanleihen reagieren werden.

Wir machen uns auch Gedanken darüber, ob es China [6] gelingen wird, zu einem Wachstumsmodell überzugehen, das weniger von Schulden getrieben ist. Andere wichtige Risiken sind vor allem geopolitisch und umfassen politische Instabilitäten in Europa, das Potenzial für einen harten Brexit, die protektionistische Rhetorik von Trump sowie steigende Spannungen mit Nordkorea und dem Iran. Sollte sich das Marktumfeld verschlechtern, werden wir versuchen, das Risiko rasch zu reduzieren.

John Stopford ist Head of Multi-Asset Income bei Investec Asset Management

Foto: Investec AM