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Bitcoin: Doch kein Betrug?

Bitcoin ist in einer Blase. Das behaupten zumindest Warren Buffett und Nouriel Roubini. Andere Gegner der Kryptowährung sprechen gar von Betrug. Doch gibt es auch Gegenstimmen. Die Diskussion wurde von der Volatilität des Bitcoinkurses in den vergangenen Tagen belebt. Allerdings lassen sich die Schwankungen nicht allein durch Spekulationen begründen.

Der Bitcoin ist trotz der Einbrüche der vergangenen Tage sechseinhalb mal so viel Wert wie zu Jahresbeginn.

An Bitcoin scheiden sich die Meinungen. Während der weltbekannte Investor Warren Buffett [1] und der Ökonom Nouriel Roubini behaupten, die Kryptowährung wäre schon lange in einer Blase, ist Tim Draper einer ihrer vermögendsten Befürworter.

Der Gründer des Silicon Valley Unternehmens Draper Fisher Jurvetson hat unter anderem Hotmail, Skype und Tesla unterstützt. Obwohl Draper im Zuge eines Börsenhacks 2014 40.000 Bitcoins gestohlen wurden, kaufte er noch im gleichen Jahr 30.000 neue Tokens und profitierte so von der Vervielfachung ihres Wertes.

Schwankungen bestätigen Skeptiker

Die starken Schwankungen über das vergangene Wochenende dürften Skeptiker in ihrer Ansicht, dass Bitcoin keine verlässliche Währung sei, bestärkt haben. Der äußerst dynamische Aufschwung des Kurses und die Diskussionen und Uneinigkeit innerhalb der Bitcoin-Community im Oktober und November haben einerseits zu mehr Aufmerksamkeit und mehr Investoren geführt, andererseits aber auch zu noch mehr Verwirrung.

So wurde beispielsweise die Warnung der Finanzaufsicht Bafin vor Initial Coin Offerings (ICOs) von einigen Berichterstattern mit einer Warnung vor Bitcoin verwechselt.

So dynamisch wie in den vergangenen Wochen war die Wertenwicklung [2] des Bitcoin noch nie. Am 24. Oktober stand der Index noch bei 5.518 US-Dollar, doch schon am 29. Oktober knackte er die 6.000 US-Dollar-Marke und am 2. November stieg der Wert über 7.000 US-Dollar.

Sein Allzeithoch erreichte der Bitcoinindex am 8. November, mit 7.458 US-Dollar. Von diesem Hoch fiel der Kurs jedoch rapide und erreicht am 12. November einen Wert von 5.857 US-Dollar. Im Verlauf des Montags erholte sich der Index. Am Dienstag gegen 22 Uhr deutscher Zeit mussten Bitcoinkäufer im Schnitt wieder über 6.600 US-Dollar pro Token zahlen.

Seite zwei: Warum bevorstehende Spaltungen den Wert steigern [3]

Diese Entwicklung der letzten Tage ist selbst für Bitcoin ungewöhnlich volatil. Eine mögliche Ursache sind die Spaltung der Währung in Bitcoin Cash und Bitcoin Gold sowie das abgesagte Update auf Segwit2x.

Um diese Punkte nachzuvollziehen, muss man das Konzept der Blockchain verstehen. “Blockchain” lässt sich in “Kette von Blöcken” übersetzen. Jeder Block speichert mehrere Transaktionen und ist mit seinem Vor- und Nachfolger in der Kette verbunden.

Bevorstehende Spaltungen steigern die Nachfrage

Eine Spaltung der Blockchain bedeutet, zum einen, dass die meisten Börsen Besitzern von Bitcoin Classic mit dem Entstehen der neuen Währung auch Tokens in Bitcoin Cash [4] oder Bitcoin Gold zugeteilt haben. Eigentümer von fünf Bitcoins haben so fünf Bitcoin Cash Tokens bekommen.

Damit sollte sichergestellt werden, dass die Verteilung der Token der neuen Währung mit der Verteilung der ursprünglichen Währung übereinstimmt. Die Aussicht auf “kostenlose” Tokens hat die Nachfrage kurz vor den Spaltungen erhöht und somit zu Preissteigerungen geführt.

Die ursprüngliche Blockchain, die alle Transaktionen speichert, besteht weiterhin und bildet den Anfang der sich abspaltenden, neuen Blockchain, vergleichbar mit einer Weggabelung. Zu Unsicherheit führt, dass nicht vorhergesagt werden kann, welche Nutzer zur neuen Währung wechseln und ob die vor der Spaltung gekauften Tokens nicht wieder verkauft werden. Daher steigt auch die Volatilität des Kurses.

Segwit2x hätte Effizienzprobleme gemildert

Segwit2x wurde kurz vor dem Wochenende abgesagt, nachdem sich die Community schon darauf eingestellt hatte. Die Bitcoin-Blockchain hat ein Effizienzproblem: Transaktionen dauern sehr lange und werden immer teurer, was besonders bei schwankenden Preisen problematisch ist. Zudem ist die Währung dadurch nicht alltagstauglich. Segwit2x [5] sollte dieses Problem durch größere Blöcke und einen effizienteren Algorithmus lösen, hat es dadurch aber gleichzeitig bekannter gemacht.

Seite drei: Bitcoins berühmte Kritiker und Befürworter [6]

So lässt sich auch erklären, dass der Bitcoinkurs in 2017 stark gestiegen ist, als die Marktteilnehmer noch davon ausgingen, dass ein Großteil der Community auf Segwit2x umstellen würde. Profitiert hat allerdings Bitcoin Cash, deren Blockchain achtmal größere Blöcke hat. Erst am 13. November kam es auch hier zu einer Umstellung des Mining-Algorithmus, der bisher allerdings nicht zu einer Spaltung geführt hat, sondern von allen angeschlossenen Servern übernommen wurde.

Entwicklung des Bitcoin Cash Kurses über die letzten 14 Tage

Quelle: Cryptocompare.com, 14.11.2017

Viele Kritiker bemängeln jedoch nicht in erster Linie die technischen Probleme, sondern dass Kryptowährungen nicht durch eine Zentralbank oder Edelmetalle gedeckt sind. Bitcoin hat nur dann einen Wert, wenn sich Nutzer darauf verlassen können, Tokens in Güter oder Fiatgeld umtauschen zu können.

Was Kritiker über Bitcoin sagen

“Meiner Meinung nach gibt es eine gigantische spekulative Blase im Zusammenhang mit Bitcoin. Er ist weder eine ernsthafte Zahlungsmethode noch eine gute Möglichkeit, Kapital zu sparen. Der Bitcoin ernährt sich von sich selbst. Es gibt keine fundierten Gründe dafür, dass der Bitcoin ein hohes Preisniveau erreichen wird”, sagte der Ökonom Nouriel Roubini dazu in einem Interview mit dem “Businessinsider”.

Aus Sicht von Warren Buffett ist der größte Nachteil von Bitcoin , dass sich damit nichts produzieren lässt. “Man kann Bitcoin nicht bewerten, weil es kein wertschöpfendes Asset ist. In diesem Sinne ist es eine echte Blase”, sagte Buffett wiederholt. Der CEO von JP Morgan Jamie Dimon bezeichnete Bitcoin sogar als Betrug.

Berühmte Befürworter

Doch hat die digitale Währung auch Befürworter [7], wie Bart Chilton, ehemaliges Kommissionsmitglied der US-Aufsichtsbehörde für den Warenterminhandel: “Ich denke nicht, dass Bitcoin Betrug oder ein Schneeballsystem ist. Menschen nutzen Bitcoin, um damit Güter zu kaufen, also ist es kein Schwindel. Die Wertentwicklung von Bitcoin ist nachhaltig, wenn auch eventuell nicht zu den aktuellen Preisen.”

Der CEO der Goldman [8] Sachs Group, Lloyd Blankfein ist noch unentschlossen: “Es gab einmal eine Zeit, da enthielt eine Fünf-Dollar-Münze auch noch Gold im Wert von fünf US-Dollar. Jetzt haben wir Papier, das alleine durch die Aussage des Staates gedeckt ist. Vielleicht können wir in einer neuen Welt auch eine Währung haben, die durch Konsens gedeckt ist.”

Einem positiven Aspekt, den alle Kryptowährungen gemeinsam haben, stimmen selbst Kritiker zu: Das Konzept der Blockchain hat enormes Potenzial. “Das ist eine große Chance, die Produktivität in vielen Unternehmen zu steigern und ich denke, dass die Technologie etwas sehr Gutes ist”, so Roubini. (kl)

Foto: Shutterstock

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Kryptowährungen: Wertsteigerung führt zu mehr Betrugsfällen [9]

Bitcoinkurs fällt nach ICO-Verbot [10]

“Bitcoin ist für fast jeden Investor zu riskant” [11]