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Dirk Müller: “China ist die größte Blase, die jemals existiert hat”

Die nächste große Krise könnte von China ausgehen, die Vereinigten Staaten werden niemals pleitegehen und Staatsschulden nicht zurückgezahlt. So sieht Börsenexperte Dirk Müller derzeit die Gemengelage an den Finanzmärkten.

Dirk Müller: “Die Börse hat vollkommen ihre Aufgabe verloren und dient nur noch dem Selbstzweck.”

Börsenexperte Dirk Müller [1] hat sich unlängst über die Gefahr eines deflationären Schocks für die Weltwirtschaft geäußert, der analog zur Krise von 2008 durch eine Kreditklemme losgetreten wird. Er sieht die größte Gefahr dafür von China ausgehen.

Gelder werden abgezogen

“Für mich ist China [2] die größte Blase [3], die die Weltwirtschaftsgeschichte jemals gesehen hat”, so Müller gegenüber dem österreichischen Online-Magazin “Kopf um Krone”.  Bereits jetzt würde das Geld das Reich der Mitte aufgrund der steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten verlassen. Zudem seien die chinesischen Wirtschaftsdaten gefaked und “das Papier nicht wert, auf dem sie stehen”.

In der Boomphase sei es egal gewesen, ob das chinesische Wirtschaftswachstum bei 12, 13 oder 14 Prozent gelegen habe – für Investoren war es so oder so sehr attraktiv dabei zu sein. Dieser Trend kehre sich jetzt um. Die Gelder würden schneller und schneller abgezogen, selbst die “Chinesen versuchen gerade ihr Geld außer Landes zu bringen”.

Dies sei eine verdammt gefährliche Situation. Der Weltbank zufolge haben laut Müller in den letzten drei Jahren etwa 1,5 Billionen US-Dollar China verlassen.

Keinerlei Handhabe gegen die USA

Umgekehrt habe China keinerlei Handhabe gegen die USA, da es in Dollar verschuldet sei. Verlange es die 1,5 Billionen Dollar für seine US-Staatsanleihen von den Amerikanern, würden diese einfach die Notenpresse anschalten und den Betrag auf die Zentralbankreserve draufpacken.

Zu der Kreditwürdigkeit der Amerikaner habe der Ex-Fed-Chef Alan Greenspan einmal gesagt: “Wir können das Geld, das wir brauchen, drucken” (“we can always print the money we need”).

Seite zwei: USA kann nicht zahlungsunfähig werden [4]

Die Welt ist Müller zufolge in Dollar verschuldet. Das versetze die USA in die privilegierte Situation niemals zahlungsunfähig zu werden, da das benötigte Geld einfach gedruckt werden könne.

Zwar erzeuge dies Inflation aber “diese zwanzig Billionen, die jetzt als Schulden an der Obergrenze da sind, wurden ja immer wieder erhöht, das geht auch bis zu vierzig Billionen hinauf. Why not?”

Probleme bekämen die Länder, die in einer anderen Währung als der eigenen verschuldet seien, wie Griechenland [5] etwa. Als Hellas noch Drachmen und damit die Druckerpresse hatte, “konnten sie ihre Schulden immer bedienen – das war mit Inflation verbunden, aber sie konnten nie pleitegehen.” Das sei jetzt anders.

“Staatschulden werden niemals zurückgezahlt”

Darüber hinaus erklärt der Börsenexperte, dass “Staatsschulden niemals zurückgezahlt werden”. Sie würden stattdessen durch Inflation entwertet oder nach einer Staatspleite gestrichen.

Wolle man wirklich nachhaltig die Staatsschulden [6] reduzieren, müsste man “diejenigen, die über Geldvermögen verfügen – vom kleinen Sparer bis zum Großkonzern – dazu motivieren, dieses Geld jetzt auszugeben, um die Gegenleistung für die früher einmal erbrachte Arbeit zu erbringen –idealerweise in Form von Investitionen, etwa in Infrastruktur, den Straßenbau, Stromstraßen und IT-Netzwerke.”

Seite drei: Mehr Sanktionen und Regulierung [7]

Der Staat könne und solle dies über Steuer- und Garantieanreize fördern. “Hauptsache, man motiviert Menschen dazu, wieder zu investieren”, so Müller. Der beste Anreiz hierzu sei Ertrag aus Unternehmenstätigkeit, aus Umsatz und Gewinn und eben nicht aus Zinsertrag.

Mehr Sanktionen und Regulierung

In diesem Zusammenhang kritisiert Müller auch die Börse, die “vollkommen ihre Aufgabe verloren hat und nur noch dem Selbstzweck dient”.

Ihr eigentlicher Zweck sei die Ausstattung des Primärmarktes mit Kapital gewesen, um damit gute unternehmerische Ideen und Projekte zu finanzieren. Der Primärmarkt sei aber so gut wie tot.

Heutzutage regiere der Sekundärmarkt und somit das “Handeln und Zocken mit sekundären Aktien, also solchen, die bereits ‘gebraucht’ sind.”

Aus diesem Grund plädiert Müller für ein “härteres Durchgreifen”, also mehr Sanktionen und eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte. (nl)