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Fondsmanager setzen wieder verstärkt auf europäische Aktien

An den internationalen Kapitalmärkten waren Europas Aktien bislang schlecht gelitten. Die Schuldenkrise und vor allem der Reformstau in vielen Mittelmeerländern belasteten das Investitionsklima. Doch das Blatt dürfte sich bald wenden.

Der Rademacher-Kommentar

Tim Rademacher sieht gute Chancen für steigende Aktienkurse in Europa.

In den vergangenen fünf Jahren konnte der wichtigste europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 um knapp 57 Prozent zulegen. Auf den ersten Blick erscheint dieses Plus stattlich. Doch verglichen mit der Wall Street war die Performance auf dem alten Kontinent mehr als bescheiden. So legte das bedeutende US-Kursbarometer S&P 500 [1] im gleichen Zeitraum um über 73 Prozent zu. Zudem wertete der US-Dollar gegenüber dem Euro seit April 2012 um 21 Prozent auf, was die US-Gewinne für deutsche Anleger sogar noch einmal deutlich erhöht.

Probleme bislang unübersehbar

Die Gründe für die stark unterdurchschnittliche Kursentwicklung in Europa sind vielschichtig. Die Schuldenkrise im Süden, massiver Streit in der EU der sich nach der Flüchtlingskrise noch verschärfte, ein wirtschaftspolitischer Reformstau verbunden mit einem schwachen Wachstum und eine stark überdurchschnittliche Arbeitslosenquote sowie den Aufstieg vieler extremer Populisten. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass sich viele Investoren stark mit Käufen von europäischen Aktien zurückhielten.

Licht am Ende des Tunnels in Sicht

Der sich abzeichnende Gesamtsieg von Emmanuel Macron [2] stimmt aber nun die Investmentexperten vermehrt optimistisch, dass Europa doch noch die Kurve kriegt und den Abstand zu den USA verringert. In einer ersten Reaktion schätzte Suneil Mahindru, Chief Investment Officer für internationale Aktien bei Goldman Sachs [3] Asset Management, den Ausblick für die Aktienmärkte in Europa als positiv ein. Columbia Threadneedle hat zeitgleich europäische Aktien in ihren gemischten Portfolios auf Übergewichten hochgestuft. Gegenüber Anteilscheinen aus den Vereinigten Staaten sind die Investmentexperten der US-Fondsgesellschaft hingegen sogar nun zurückhaltender. Da auch viele andere Profis eine nahezu identische Meinung vertreten, zogen die europäischen Papiere zu Wochenbeginn in einem Befreiungsschlag deutlich an.

Europäische Konjunktur nimmt Fahrt auf

Mittlerweile zeichnet sich ab, dass der konjunkturelle Aufschwung in Europa nochmals an Fahrt gewinnen könnte und nicht nur von kurzfristiger Natur ist. Unterstützt wird dies durch den relativ niedrig bewerteten Euro sowie durch die anhaltend lockere Geldpolitik der EZB. Die Tendenzen, dass sich die politischen Risiken in der Eurozone reduzieren, dürften zudem anhalten. Die nächste große Wahl findet in Deutschland statt. Hier äußerten einige Fondsmanager zuletzt Bedenken gegenüber Rot-Rot-Grün. Nachdem aber die CDU in den letzten Umfragen den Abstand zur SPD wieder deutlich vergrößerte, sind die Chancen für ein Linksbündnis in Deutschland wieder gesunken. Insgesamt ist eine abermalige große Koalition unter der Führung von Angela Merkel wahrscheinlich. Auch dies dürfte die Zuversicht der Anleger fördern.

Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert