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Risiko Geldpolitik: Wie Sie Ihr Portfolio sichern können

Viele Marktbeobachter rechnen damit, dass die Geldpolitik in 2018 anzieht. Das ist gleichzeitig die größte Chance und das größte Risiko an den Kapitalmärkten. Wie Anleger sich gegen die Risiken absichern können:

Im Nebel: Gebäude der EZB in Frankfurt. Die unvorhersehbare Geldpolitik in 2018 ist für Anleger Chance und Risiko gleichzeitig.

Die größten Risiken und Chancen werden 2018 von der gleichen Stelle ausgehen: der Straffung der Geldpolitik der Zentralbanken. Dieser Meinung ist Arif Husain, Global Head of Fixed Income bei der Fondsgesellschaft T. Rowe Price.

“Jedes Anheben der Zinsen einzelner Zentralbanken könnte möglicherweise problemlos verlaufen, wenn aber alle zusammen synchron vorgehen, könnte das Auswirkungen haben, auf die die Märkte nicht vorbereitet sind”, sagt Husain.

Von idiosynkratischen Risiken profitieren

Doch gleichzeitig würde das auch viele Chancen bieten: “Erstens, weil die Volatilität [1] bei systematischen Risikofaktoren steigt, was im Gegenzug mehr interessante Bereiche für Investoren schafft. Und zweitens, weil es eine größere Differenzierung zur Folge haben würde, da einige Zentralbanken mit der Lockerung fortfahren dürften und andere nicht.”

Durch die abweichende Geldpolitik könnten sich risikoreichere Länder besser für Anlagen eignen als die traditionellen “sicheren Häfen”. Systematische Risikofaktoren wie Credit Spreads und Bewegungen bei Aktien und Zinse würden derzeit kein attraktives Risiko-/Chancen-Profil bieten. Ein Weg, sich besser zu positionieren sei, auf idiosynkratische Risikoaktiva zu setzen, also Faktoren, die sich anders als der Markt bewegen würden.

Aktuell gebe es jedoch wenige solcher idiosynkratischen Risiken. Um davon zu profitieren, sei es deshalb notwendig, konzentriertere Positionen über einen langen Zeitraum einzunehmen und dabei mitunter Verluste zu tolerieren.

Absicherung günstiger als je zuvor

Um das Portfolio zu sichern [2], gebe es zwei Wege: Untergewichtung oder Leerverkauf renditestarker Papiere, was einem die Opportunitätskosten schenke. Alternativ könne man hierzu auch direkt in Optionen investieren.

“Beide Arten der Versicherung sind aktuell günstiger, als sie es jemals waren”, so Husain. Das liege im ersten Fall daran, dass die niedrigen Gewinne [3] dazu führen, dass die Opportunitätskosten des Verzichts darauf gering seien.. Im zweiten Fall habe es damit zu tun, dass die implizite Volatilität niedrig sei, was die Kosten für Optionen reduziere.

Seite zwei: Wie gut sind wir auf die nächste Krise vorbereitet? [4]

Trotz der niedrigen Versicherungskosten bleibe fraglich, sich Versicherungen lohnen. “Zuletzt haben sich die Märkte nicht ausreichend stark bewegt, als schlechte Dinge passiert sind, um von einer Versicherung zu profitieren”, sagt Husain.

Wie stark reagieren die Märkte?

“Als beispielsweise Nordkorea eine Rakete über Japan geschossen hat, reagierte der Markt unbekümmert; als das Vereinigte Königreich dafür stimmte, die EU zu verlassen, war die Reaktion eine stärkere, hat aber nur etwa fünf Tage angehalten. Wir müssen damit umgehen, wie die Märkte tatsächlich reagieren, nicht damit, wie wir meinen, dass sie reagieren sollten.”

Doch im kommenden Jahr erwartet eine Husain eine andere Entwicklung: “Wir denken, dass es Risiken [5] gibt, die eine gewisse Form an Versicherung benötigen, hauptsächlich die Zinsstraffungen der Zentralbanken und die Situation in Nordkorea.”

“Die fundamentalen Dinge, die Kunden möchten, bleiben die gleichen: Ertrag, Schutz gegen Abwärtsbewegungen und Diversifikation”, so Husain. “Ich glaube nicht, dass sich das jemals ändern wird.” Doch die üblichen Quellen von Ertrag und Sicherheit würden nicht mehr wie in der Vergangenheit funktionieren. “Das bedeutet, dass wir an unterschiedlichen Orten nach diesen Qualitäten Ausschau halten müssen”, so Husain.

Besser vorbereitet auf die nächste Krise?

Hinsichtlich der Frage, ob uns die letzte Finanzkrise womöglich besser auf die nächste vorbereitet hat, ist Husain zwiegespalten. Dagegen spreche, dass die nächste Krise fundamental anders sein werde.

“Die Welt arbeitet daran, die Kreditprobleme zu beheben, die für die vorherige Krise verantwortlich waren. Eine Folge davon ist aber, dass die Aufmerksamkeit von den möglichen Ursachen einer kommenden Krise weggeführt hat. Deshalb könnten wir in dieser Hinsicht unzureichend vorbereitet sein.”

Für eine verbesserte Vorbereitung spreche, dass die Erfahrung der letzten Krise die Welt stärker psychologisch gerüstet habe, mit der nächsten umzugehen. “In ihrer Antwort auf die letzte Krise haben die Regulierungsbehörden so viele Regeln gebrochen und so viele neue Dinge ausprobiert, dass sie einen legislativen Rubikon überschritten haben – sie haben einen Punkt hinter sich gelassen, an dem sie sagen würden: ‚Es gibt keinen Weg, das zu machen‘”, so Husain.

“Wenn die nächste Krise kommt, haben die Behörden nicht direkt die passenden Werkzeuge zur Verfügung, aber sie werden psychologisch vorbereitet sein, schneller angemessen zu handeln.” (kl)

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