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High Yield, die “besseren” Aktien

Obwohl Hochzinsanleihen ansehnliche Renditen versprechen, stehen sie selten im Anlegerfokus. Zu Unrecht, denn im Investmentuniversum tummeln sich viele solide, namhafte Adressen. Historisch zählt das Marktsegment zu den besten Anlageklassen überhaupt. Angesichts des robusten Marktumfelds stehen die Chancen gut, dass sich diese Entwicklung vorerst fortsetzt. Ein Gastbeitrag von Stephan Ertz, Union Investment

Stephan Ertz, Union Investment: “Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre zählen Hochzinsanleihen zu den erfolgreichsten Anlagevehikeln überhaupt.”

“Ramschanleihen” oder “Junk Bonds” – so lautet die umgangssprachliche Bezeichnung jener Unternehmenspapiere, die von Ratingagenturen als spekulativ eingestuft werden. Dabei stehen viele Emittenten dieser Anleihen deutlich besser da, als es die Bezeichnung der von ihnen begebenen Papiere vermuten ließe.

Besser als ihr Ruf

Hochverzinsliche Unternehmensanleihen [1] werden von Konzernen emittiert, die über eine Bonitätseinstufung unterhalb der Schwelle von BBB- verfügen. Mit ihrer Einschätzung beurteilen die Ratingagenturen die Ausfallwahrscheinlichkeit des jeweiligen Unternehmens. Zwar ist die Bonitätseinstufung damit auch indirekt Spiegelbild der Kreditwürdigkeit. Ob der jeweilige Konzern aber Gefahr läuft, insolvent zu werden, hängt nicht nur von der absoluten Schuldenhöhe ab.

Umfassende Analyse des Geschäftsmodells

Denn es gibt vielschichtige Gründe, die die Verschuldungskennziffern eines Konzerns in die Höhe treiben können. Wichtig ist deshalb eine umfassende Analyse des Unternehmens und seines Geschäftsmodells. Wie haben sich die betriebswirtschaftlichen Kennziffern im Zeitverlauf entwickelt? Für welchen Zweck benötigt das Unternehmen neues Fremdkapital: Braucht es das Geld, um seine Kapitalmarktdienstfähigkeit zu erhalten? Oder nutzt es das frische Kapital zur Erschließung neuer Geschäftsfelder oder zum Ausbau seiner Marktanteile?

Seite  zwei: International bekannte Konzerne [2]

Zu den Adressen im Hochzinsuniversum [3] zählen keinesfalls nur unbekannte Namen. Auch zahlreiche international agierenden Großkonzerne wie ThyssenKrupp, Peugeot, Europcar oder Telecom Italia verfügen über eine Bonitätseinstufung im sogenannten Sub-Investment-Grade-Bereich. Welches der Unternehmen über eine ausreichende Schuldentragfähigkeit verfügt, kann indes nur mit einer detaillierten und sorgfältigen Prüfung der Zahlungsströme und Aufwandsposten ermittelt werden.

Positivbeispiel Phillips-Van-Heusen

Der Bekleidungskonzern Phillips-Van Heusen (PVH), zu dem Marken wie Calvin Klein gehören, ist eines der Positivbeispiele im Hochzinsbereich. Das Unternehmen weist seit Jahren eine stabile Geschäftsentwicklung auf, die durch zahlreiche Akquisitionen wie beispielsweise den Zukauf von Tommy Hilfiger im Jahr 2010 gestützt wird. Die Finanzierung neuer Lizenzvereinbarungen hat PVH jüngst mit der Aufnahme von Fremdkapital gestemmt. Durch diese Kooperationen will das Unternehmen seine Marktposition weiter festigen – vorrangig im europäischen und asiatischen Markt.

Fixe Emissionsbedingungen als Stärke

Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre zählen Hochzinsanleihen zu den erfolgreichsten Anlagevehikeln überhaupt. Während die Papiere im Vergleich zu anderen Rentenklassen zwar über höhere Risiken, aber eben auch über eine deutlich attraktiveres Renditeniveau verfügen, fußt ihre Stärke im Vergleich zu Aktieninvestments vor allem auf den fixen Emissionsbedingungen: Die zu zahlenden Zinsen sind – anders als Dividenden – vertraglich festgelegt und werden auch in wirtschaftlich fragileren Zeiten gezahlt. Hinzu kommt die tageweise Fortschreibung der Stückzinsen, die zur Stabilisierung der Wertentwicklung beiträgt.

Seite drei: Konjunktur hilft [4]

Die Kombination aus robuster Wirtschaft und niedrigem Zinsniveau dürfte den Unternehmen auch 2018 in die Karten spielen. Im Euroraum gewinnt die Konjunktur zunehmend an Fahrt. Die nur langsame wirtschaftliche Erholung nach der Finanzkrise hat dazu geführt, dass viele der hiesigen Volkswirtschaften gegenüber anderen entwickelten Ländern noch über erhebliches Aufholpotenzial verfügen. Das anhaltend niedrige Zinsniveau stützt zusätzlich, trägt es doch durch günstige Refinanzierungskosten dazu bei, dass den Unternehmen unter dem Strich ein höherer Gewinn bleibt. Das Ergebnis: eine höhere Risikotragfähigkeit und weniger Unsicherheit für den Investor.

Weitere Verbesserung der Investitionsbereitschaft 

Viele Konzerne haben das günstige Marktumfeld zwar bereits zur langfristigen Finanzierung genutzt. Angesichts der guten konjunkturellen Bedingungen könnte sich die Investitionsbereitschaft in den kommenden Monaten aber nochmals verbessern. Investoren sollten in diesem Umfeld auf solche Unternehmen setzen, die auf Basis ihres soliden Geschäftsmodells und stabiler Zahlungsströme über eine ausreichende Schuldentragfähigkeit verfügen, um etwaige Rückschläge verkraften zu können. Professionelle Investoren helfen mit einer Mischung aus intensiver Analyse und umsichtigem Risikomanagement bei der Selektion geeigneter Titel.

Stephan Ertz, Leiter Unternehmensanleihen bei Union Investment

Foto: Union Investment