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24. Oktober 2017, 09:35
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“Kreditanalyse ist wichtiger denn je”

Seit der Finanzkrise ist fast ein Jahrzehnt vergangen, doch die Effekte an den Kreditmärkten sind weiterhin spürbar. Ein Gastbeitrag von Tatjana Greil-Castro von Muzinich & Co.

Muzinich Tatjana Greil-Castro-Kopie in Kreditanalyse ist wichtiger denn je

Tatjana Greil-Castro, Muzinich, warnt vor einer separaten Betrachtung von Investment-Grade- und High-Yield-Märkten.

Eine außerordentliche geldpolitische Ankurbelung sowie expansive Zentralbankpolitik wurden mit einem zunehmend strengen Regulierungssystem kombiniert, um die Investitionslandschaft zu verändern. Dies sorgte bei Unternehmensanleihen für sinkende Renditen und verzerrte Bewertungen. Dagegen sind auch Investment Grade-Anleihen der Industriemärkte nicht immun: Die Kreditqualität sinkt und der Verschuldungsgrad nimmt zu. Dies zeigt, dass selbst in einer vorher als risikoneutral geltenden Assetklasse das Kreditrisiko steigt.

Parallel zu einer Belebung des globalen Wachstums werden die Zentralbanken radikaler in ihrer Rhetorik. Es gibt auf beiden Seiten des Atlantiks Signale für eine weniger expansiv werdende Zentralbankpolitik. Da Unternehmensanleihen mit Investment Grade-Rating zu längeren Durationsprofilen als Sub-Investment Grade neigen, könnten wir uns an der Schwelle zu einer grundlegenden Performanceveränderung des Marktes befinden. Mit Blick auf die sich verschlechternde Duration und das zunehmende Kreditrisiko bedarf es einer strengen Kreditanalyse im Investment Grade-Universum, das nicht mehr den “risikofreien” Hafen darstellt.

Das Kreditrisiko steigt

Das Investment Grade-Universum der Industrieländer ist riesig – mit mehr als 7.000 Emissionen in den USA und mehr als 2.500 in Europa. Während das Universum weiterhin wächst, ist die zugrundeliegende Kreditqualität rückläufig. Das am schnellsten wachsende Segment innerhalb des Marktes ist der BBB-Bereich. In den USA umfasst die Anzahl an BBB-bewerteten Unternehmensanleihen nun die Hälfte des Gesamtindexes. Noch ausgeprägter ist dies in Europa, wo die Anzahl der BBB-Anleihen von sechs Prozent im Jahr 1997 auf fast 50 Prozent im Jahr 2017 gestiegen ist.

Der Teufel steckt im Detail

Das oberste Ziel eines Anleiheinvestors besteht darin sicherzustellen, dass das Unternehmen, dem Geld geliehen wurde, seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Da der Investment Grade-Anleihemarkt zunehmend kreditsensitiv geworden ist, ist eine Bottom-Up-Analyse jetzt wichtiger als je zuvor.
Für Investoren ist es von Vorteil, nicht nur ein tiefes Verständnis über das zugrundeliegende Geschäftsmodell sowie die Fundamentaldaten der Unternehmen zu haben, sondern auch den relativen Wert von Investment Grade- gegenüber High Yield-Anleihen identifizieren zu können.

Darüber hinaus spielen Ratingagenturen eine wichtige Rolle, da sie das investierbare Universum definieren. Die Märkte sind bei der Einschätzung von Ereignissen und Situationen sehr anspruchsvoll geworden. Dies sollten Investoren genauso beachten wie die Tatsache, dass die Märkte dazu neigen, auf sich entwickelnde Trends zu reagieren, lange bevor die Ratingagenturen ihre Bewertungen anpassen.

Keine separate Betrachtung der Märkte

Das separate Betrachten von Investment Grade-Markt und High Yield-Markt kann zu einer unvollständigen Bewertung hinsichtlich der Auswahl des besten Risiko-Ertragsprofils führen. Denn auch sogenannte Rising Stars-Unternehmen, die von High Yield zu Investment Grade übergehen, bieten je nach Mandat eine Investmentmöglichkeit, die für traditionellere Investment Grade-Investoren nicht zugänglich ist. Der Spread-Anstieg bei solchen Anleihen kann erheblich sein.

Seite zwei: Fremdfinanzierung nimmt zu

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