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Mifid II: Wie entwickeln sich die Recherchekosten?

Noch immer ist die Investmentfonds-Branche darüber uneins, wie sich die Kosten für Investmentrecherchen und Analysen nach der Einführung von Mifid II entwickeln werden und wer diese übernehmen wird. Das ist ein Ergebnis der Studie des CFA-Instituts zu diesem Thema.

Noch ist nicht sicher, ob die aggregierten Kosten steigen oder sinken werden.

Kurz vor Einführung der Markets in Financial Instruments Directive (Mifid II [1]) im Januar 2018 geht ein Großteil der Investmentexperten davon aus, dass Investmentfirmen die anfallenden Research-Kosten für Studien und Analysen künftig selbst übernehmen werden. Das geht aus einer Studie hervor, für die das CFA Institute seine europäischen Mitglieder befragt hat.

Die Kosten für Research und Analysen müssen nach der Mifid II Richtlinie ab dem 1. Januar gesondert in Rechnung gestellt werden.

Ziel des Reports “Mifid II: A New Paradigm for Investment Research” war es ein besseres Verständnis der Erwartungen auf Käuferseite bezüglich der Preisbildung für Research unter der neuen Direktive zu erhalten.

Quelle: CFA Institute 2017, eigene Darstellung

Laut den Studienergebnissen erwarten nur 15 Prozent der Befragen, dass die Kosten an den Kunden weitergereicht werden. Dadurch könnten insbesondere kleinere Unternehmen im Wettbewerb benachteiligt werden. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer rechne damit, weniger Research von den Investmentbanken zu beziehen.

“Neue Regeln sind kein Allheilmittel”

“Das CFA Institute unterstützt die Regulierungsziele, mögliche Interessenkonflikte zwischen Asset Managern und ihren Kunden bei Transaktionen mit Brokern zu vermeiden und einen transparenteren, wettbewerbsfähigeren sowie effizienteren Markt für Research zu schaffen”, sagt Rhodri Preece, CFA, Leiter des Bereichs Kapitalmarktpolitik für die EMEA-Region beim CFA Institute und Autor der Studie.

Seite zwei: Möglicher Nachteil für kleine Unternehmen [2]

“Die neuen Regeln sind jedoch kein Allheilmittel. Einige unserer Studienteilnehmer sind besorgt über ungewollte Nebeneffekte. Sie befürchten unter anderem eine schlechtere Verfügbarkeit sowie eine Reduzierung des Research-Angebots.”

Uneinig sind seien sich die Befragten über die Höhe der jährlich zu erwartenden Kosten für Research. Das deute zum einen auf die vielfältigen Investmentstrategien hin, zum anderen aber auch auf die große Unsicherheit bezüglich der Preisbildung, die noch immer Verhandlungen unterliegt.

Der Medianwert der jährlich zu erwartenden Kosten für Aktien-Research betrage zehn Basispunkte. Dies entspricht einem Betrag von einer Million Euro pro Jahr für ein fiktives Volumen von einer Milliarde Euro Assets under Management (AuM). Die Kosten für Research im Bereich Fixed Income, Currencies and Commodities (FICC) seien mit rund 350.000 Euro pro Jahr bei einem Nominalvolumen von einer Milliarde Euro verwaltetem Vermögen etwa halb so hoch wie für Aktien-Research.

21 Prozent der Befragten seien noch unsicher darüber, wie ihr Unternehmen den Großteil der Aufwendungen decken wird. Jeder zweite Marktteilnehmer (53 Prozent) gehe davon aus, dass die Kosten von den Investmentunternehmen übernommen werden. 15 Prozent erwarten laut der Studie, dass Analyseleistungen dem Kunden in Rechnung gestellt werden, während zwölf Prozent der Befragten von einer gemischten Verteilung ausgehen.

Möglicher Wettbewerbsnachteil für kleinere Unternehmen

Die Übernahme der Analysekosten durch die Unternehmen korreliere direkt mit der Höhe der verwalteten Vermögen. Zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten aus Investmentfirmen mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 250 Milliarden Euro würden erwarten, dass ihr Unternehmen [3] die Kosten tragen wird.

Quelle: CFA Institute 2017, eigene Darstellung

Dagegen liege der Anteil bei Marktteilnehmern mit weniger als einer Milliarde Euro verwaltetem Vermögen bei lediglich 42 Prozent. Darüber hinaus äußerten sich die Investmentexperten besorgt über einen möglichen Wettbewerbsnachteil für kleinere Unternehmen. Dies spiegele die Befürchtungen der Industrie wider, dass die Veränderungen zum Marktaustritt einiger kleinerer Unternehmen führen und den Konsolidierungsprozess zugunsten großer, globaler Organisationen weiter vorantreiben werden.

Mifid II werde sich auch auf die Anbieterseite von Research auswirken. 78 Prozent der befragten Investmentexperten gehen nach Angaben des CFA Institutes davon aus, dass sie künftig weniger Research von Investmentbanken beziehen werden. 44 Prozent würden erwarten, dass Research künftig vermehrt im eigenen Haus stattfindet. (kl)

Foto: Shutterstock