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Nebenwerte: Was Anleger wissen sollten

Internationale Konzerne stehen im Fokus der Märkte und bei den Anlegern. Abseits des öffentlichen Interesses sind kleinere Unternehmen aber durchaus ebenso erfolgreich. Worauf sollten Investoren bei der Anlage in Nebenwerte achten?

Gastbeitrag von Werner Kolitsch, M&G Investments

Werner Kolitsch: “Abseits des öffentlichen Interesses sind kleinere Unternehmen erfolgreich. Sie punkten vor allem mit Dynamik und Innovationskraft.”

Große Unternehmen und internationale Konzerne stehen im Fokus der Märkte und bei den Anlegern.

Mit Spannung werden in jedem Quartal die Ergebnisse erwartet und umfangreich kommentiert. Erfolgreiche Geschäftsberichte der Dax-Größen lassen den SDax und den MDax weiter rekordverdächtig steigen.

Dynamik und Innovationskraft

Abseits des öffentlichen Interesses sind kleinere Unternehmen aber durchaus ebenso erfolgreich. Sie punkten vor allem mit Dynamik und Innovationskraft.

Außerdem sind die Kleinen oft nicht so getrieben von kurzfristigen Gewinnvorgaben. Sie investieren lieber, anstatt ihre Ausgaben zu senken. Es kann sich daher lohnen, diese versteckten Champions näher anzusehen.

Was spricht für Nebenwerte?

-> Sie können sich schneller an Veränderungen am Markt anpassen. Wie Arbonia, ein Schweizer Bauzulieferer, der nach dem Ende der Anbindung des Schweizer Franken [1] an den Euro eine Generalüberholung aller Prozesse in nur 18 Monaten durchführte. Damit entwickelte sich das Unternehmen vom kostenintensivsten zum günstigsten Anbieter in seinem Bereich. Eine solche Transformation wäre für einen großen Konzern deutlich aufwändiger geworden.

-> Sie reagieren flexibler und schneller auf Initiativen, die auf die Stärkung der regionalen Wirtschaft abzielen. Zum Beispiel Porr, ein österreichisches Bauunternehmen mit Schwerpunkt Berg- und Tunnelbau. Die Firma nutzte die Konzentration seiner großen Mitbewerber auf internationale Expansion und konnte so lokale Ausschreibungen, auch im benachbarten Deutschland, für sich gewinnen.

-> Sie geben Investoren die Möglichkeit, sich direkt zu engagieren. So stand der deutsche Hersteller von Haushaltsgeräten Leifheit vor dem Problem, dass die Kapitalrendite trotz positiver betrieblicher Veränderungen nicht stieg. Als Anteilseigner fanden wir gemeinsam mit dem Management den Grund dafür: Das schnell wachsende Barvermögen drückte auf die Eigenkapitalrendite [2]. Mit dieser Erkenntnis konnte das Unternehmen aktiv werden, um seine Situation verbessern.

Seite zwei: Welche Kriterien sind bei der Auswahl wichtig? [3]

Welche Kriterien sind bei der Auswahl wichtig?

Anleger sollten wählerisch sein und die Unternehmen genau unter die Lupe nehmen. Wenn keine Informationen verfügbar sind, können größere Aktionäre, wie etwa Fondsgesellschaften, zum Management gehen und danach fragen.

Folgende Punkte sollte ein Kandidat erfüllen, um in die nähere Auswahl für ein Investment zu kommen:

-> Das Unternehmen ist hochwertig, hat genügend Puffer zur Sicherung der Rentabilität vorzuweisen und ist mit einem Abschlag zu haben.
-> Impulse für mehr Wachstum und Pläne zur Steigerung der Wertentwicklung sind deutlich erkennbar.
-> Idealerweise sollte der Gewinn über einen Konjunkturzyklus hinweg höher sein, als die Kapitalkosten.
-> Kultur und Ethos im Unternehmen stimmen. Nachhaltigkeitskriterien [4] werden beachtet.

Auf günstige Einstiegsgelegenheit warten

Anscheinend gibt es einen tief verwurzelten Glauben, Nebenwerte [5] seien risikoreicher als die großen Namen am Markt. Wenn aber Risiko bedeutet, dauerhaft Kapital zu verlieren, so ist hier höchstens von Volatilität die Rede. Und diese, also ein zeitlich begrenztes Absinken des Preises, kann eine Gelegenheit zum Kauf sein.

Voraussetzung für diese Strategie ist allerdings, dass der Anleger vorher seine Hausaufgaben gemacht und nur nachhaltige, qualitativ einwandfreie Unternehmen mit klaren Wettbewerbsvorteilen für sein Portfolio ausgewählt hat. Alternativ kann er mit der Auswahl auch Experten betrauen und so diversifiziert in Nebenwerten anlegen.

Werner Kolitsch ist Head of Germany and Austria bei M&G Investments, Frankfurt.

Foto: M&G Investments / Shutterstock