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Saudi-Arabien auf dem Weg zum Schwellenland

In Saudi-Arabien wird in Kürze eine der größten börsennotierten Gesellschaften der Welt entstehen. Indexorientierte Anleger, die in Schwellenmärkte investieren wollten, müssen das Land künftig stärker in den Fokus nehmen, sagt Charles Sunnucks, Jupiter Asset Management. 

Charles Sunnucks, Jupiter Asset Management: “Anleger sollten selektiv vorgehen.”

Saudische Unternehmen sind an der landeseigenen Börse Tadawul notiert, aber bisher in keinem der globalen MSCI Indizes für Industrieländer, Schwellen- oder Frontier-Märkte [1] vertreten. In Bezug auf Indizes befinden sie sich also quasi im Niemandsland und werden von den meisten Anlegern übersehen. Dies dürfte sich jedoch bald ändern. Am 20. Juni 2017 gab der Indexanbieter MSCI das Ergebnis seiner jährlichen Neuklassifizierung der Märkte bekannt, bei der Saudi-Arabien auf die MSCI Emerging Markets Watchlist aufgenommen wurde. Infolge dieser Entscheidung ist das Land nun auf dem besten Wege, um im Juni 2018 offiziell von MSCI den Status eines Schwellenmarkts [2] zu erhalten und ab 2019 als solcher in den Handel einzusteigen.

Die Entwicklung zum Schwellenmarkt

Saudi-Arabien blickt auf eine reiche Geschichte zurück. Doch eine Börse wurde in dem Land erst 1987 eröffnet und ausländische Anleger dürfen erst seit 2015 im Rahmen des restriktiven QFI-Programms (Qualified Foreign Investor) in Wertpapiere investieren, die dort notiert sind. Allerdings hat die Kapitalmarktreform in Saudi-Arabien im Zuge der politischen Bemühungen, die Wirtschaft und deren Finanzierungsquellen zu diversifizieren, an Fahrt aufgenommen. So führten die Aufsichtsbehörde und die saudi-arabische Wertpapierbörse Tadawul in den letzten zwei Jahren eine ganze Reihe von Marktreformen ein. Unter anderem wurden die Beschränkungen für ausländische Beteiligungen von 20 Prozent auf 40 Prozent angehoben, Wertpapierleihe und Leerverkäufe zugelassen und das Registrierungsverfahren für Ausländer erleichtert. Mit all diesen Maßnahmen verfolgt Saudi-Arabien das Ziel, mehr ausländisches Kapital ins Land zu holen. Dieses Bestreben dürfte nun durch die Aufnahme in den MSCI-Schwellenmarktindex kräftige Unterstützung erhalten.

Ausländisches Eigentum derzeit unter zwei Prozent

Eine Aufnahme in den MSCI-Schwellenmarktindex dürfte Mittelzuflüsse von über 35 Milliarden US-Dollar mit sich bringen. Saudi-Arabien wäre dann das siebtgrößte Land im Schwellenmarktindex. Dies würde signifikante Auswirkungen auf einen Markt haben, in dem das ausländische Eigentum derzeit noch unter zwei Prozent liegt. Das Gewicht von Saudi-Arabien im Index könnte außerdem rasch zunehmen, wenn die saudi-arabische Erdölfördergesellschaft Aramco – das Kronjuwel unter den Konzernen des Landes – wie erwartet 2018 an die Börse geht. Die Bewertungen des Unternehmens fallen sehr unterschiedlich aus. Am oberen Ende liegt Saudi-Arabiens eigene, sehr ambitionierte Schätzung von zwei Billionen US-Dollar, die doppelt so hoch ist wie die für Apple, dem derzeit größten börsennotierten Konzern der Welt.

Seite zwei: Indexaufnahme als Stützpfeiler der ambitionierten Reformagenda [3]

Im Vorgriff auf die Indexaufnahme dürften – wie es auch bei anderen Märkten wie Pakistan der Fall war – die Aktienkurse steigen und die Finanzierungskosten sinken. Die niedrigeren Finanzierungskosten dürften die Fortschritte Saudi-Arabiens hinsichtlich der in seinem 2020 National Transformation Program und in der Saudi Vision 2030 dargelegten, hoch gesteckten Ziele für die wirtschaftliche Diversifizierung begünstigen. Eines dieser Ziele besteht darin, den Beitrag des privaten Sektors zum BIP bis 2030 von 40 Prozent auf 65 Prozent zu erhöhen. Dies ist eine erhebliche Änderung, die voraussichtlich Finanzierungen aus dem Ausland erfordern wird.

Chancen und Herausforderungen für Anleger

Anleger sollten jedoch selektiv vorgehen. In Saudi-Arabien bestehen enorme Chancen für Anleger, aber auch deutliche Herausforderungen, da die Welt mit Innovationen das Ölzeitalter [4] hinter sich lässt und sich die Wirtschaft des Landes dieser Entwicklung anpasst. So bemerkte der ehemalige saudi-arabische Ölminister: “Die Steinzeit ging nicht aus Mangel an Steinen zu Ende und auch das Ölzeitalter wird enden, lange bevor der Welt das Öl ausgeht.” Die Flut ausländischer Mittel, die nach der Aufnahme in den Index voraussichtlich ins Land fließen wird, könnte allen Akteuren Auftrieb verleihen. Unserer Einschätzung zufolge werden es aber vor allem jene Unternehmen nach ganz oben schaffen, die für den zugrundeliegenden Wandel gerüstet sind.

Charles Sunnucks ist Assistant Fund Manager Emerging Markets bei Jupiter Asset Management.

Fotos: Jupiter Asset Management/Shutterstock