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Anleihen vergehen, Aktien bestehen

Angesichts steigender Staatsschulden und maßloser Ankaufprogramme der Zentralbanken wird das Risiko einer Währungskrise immer realer. Wie sich die schlimmsten Verluste des Vermögens vermeiden lassen: Gastbeitrag von Armin Sabeur, Optinova

Armin Sabeur: “Während Aktiengesellschaften mit niedriger Sach- und Kapitalausstattung nach einem Kapitalschnitt oder einem ähnlichen Krisenszenario schnell in Konkurs gehen können, sollte sich bei werthaltigen Firmen die Bewertung langfristig wieder stabilisieren und Verluste sich ausgleichen.”

Im Frühsommer dieses Jahres (20. Juni) jährt sich die Währungsreform von 1948 zum 70. Mal. Sie war aufgrund der hohen Verschuldung, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg begann, und der darauffolgenden Inflation, verbunden mit dem Vertrauensverlust in die Reichsmark unumgänglich.

Dabei erhielten Bürger der Westzone für 100 Reichsmark 6,50 D-Mark. Schuldner konnten sich freuen, wurden ihre Verbindlichkeiten über Nacht fast vollständig gestrichen. Sparer wurden hingegen um ihre Festgelder, Sparbücher und Anleihen betrogen.

Da war das Starterpaket in Höhe von 40 D-Mark, das jedem Deutschen zustand, nur ein schwacher Trost. Besitzer von Sachwerten blieben von diesen Einschnitten verschont. So erfolgte die Umstellung von Aktien 1:1 und lediglich Immobilienbesitzer [1] wurden später mit dem Lastenausgleich konfrontiert, was im Vergleich zum Verlust praktisch aller (Bar-)Ersparnisse jedoch harmlos war.

Geschichte sollte zur Vorsicht mahnen

Ohne Panik verbreiten zu wollen, kann es keinesfalls schaden, sich siebzig Jahre später erneut mit Währungskrisen und -Reformen zu beschäftigen. So wird angesichts steigender Staatsschulden und maßloser Ankaufprogramme der Zentralbanken das Risiko einer ausgewachsenen Währungskrise immer realer.

Es fehlen nur noch die Inflation und der anschließende Vertrauensverlust der Bürger in “ihr” Geld. Der Aufstieg eurokritischer Parteien ist mehr als ein erstes Warnzeichen für die heimische Gemeinschaftswährung, und auch der Dollar wird durch die zunehmende Abschottungspolitik der USA und den Aufstieg Chinas [2] als Weltleitwährung bedroht.

Möglicher Ausweg

Aus diesem Grund sollten Investitionen in Anlagen, hinter denen Sachwerte [3] stehen, mehr denn je die Basis eines Portfolios bilden. Dazu zählen unter anderem solide Unternehmen mit einer gesunden Eigenkapitalquote, innovativen Patenten und weniger zyklischen Geschäftsmodellen.

Seite zwei: Kriterien für ein krisenfestes Portfolio [4]

Während Aktiengesellschaften mit niedriger Sach- und Kapitalausstattung nach einem Kapitalschnitt oder einem ähnlichen Krisenszenario schnell in Konkurs gehen können, sollte sich bei werthaltigen Firmen die Bewertung langfristig wieder stabilisieren und Verluste sich ausgleichen.

Dies offenbart der Blick auf den Chart des Dow Jones Industrial Average Index. 1885 mit 62 Punkten ins Leben gerufen, notiert der weltweit bekannteste Aktienmarktindex nach diversen Krisen heute bei etwa 24.000 Punkten.

Würde man – wie beim Performance-Index Dax – die Dividenden in die Berechnung mit einbeziehen, wären es sogar über 50.000 Zähler. Aber auch eine ganze Reihe bekannter deutscher Unternehmen –wie Siemens, Allianz [5], RWE, Beiersdorf– hat bereits seit über hundert Jahren jeder Krise getrotzt.

Ganz im Gegenteil übrigens zu Staats- oder Unternehmensanleihen: In der Geschichte finden sich genügend Beispiele von Ausfällen. Solide Aktien haben deutlich mehr Bestand.

Weiterer Schwerpunkt

Einen zweiten Schwerpunkt sollten Investments in natürliche Ressourcen bilden. Dabei kann es sich beispielsweise um Minenwerte oder auch Direktinvestments in Edelmetalle oder andere Rohstoffe handeln.

Auch im Zeitalter der Digitalisierung führt kein Weg an der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse vorbei. Virtuell funktioniert Essen und Trinken leider nicht, und auch in der sichersten Cloud wird man nie wohnen können.

Nach dem langjährigen Bärenmarkt [6] bieten Commodities inzwischen übrigens wieder hervorragende Opportunitäten. Dies betrifft sowohl Industriemetalle, wie auch Agrarrohstoffe. Gold hat sich zudem seit tausenden von Jahren als Tauschmittel bewährt und ist darüber hinaus – wie viele andere Rohstoffe auch – einer natürlichen Knappheit unterlegen.

Sollte es mit der Wirtschaft dagegen (unbegrenzt) weiter aufwärts gehen, ohne dass die aufgezeigten Risiken und Entwicklungen eine veritable Währungskrise zur Folge hätten, würde andererseits auch dies für Investments in Aktien und andere Sachwerte sprechen.

Die Unternehmen würden von einer anhaltend hohen Nachfrage profitieren und steigende Gewinne erzielen. Der Bedarf an natürlichen Ressourcen und damit auch ihr Preis dürften ebenfalls weiter zunehmen.

Armin Sabeur (CFA) ist Vorstand und Portfolio-Manager bei Optinova

Foto: Optinova

 

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