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Börsenausblick 2018: “Weltwirtschaft hat begrenzt Luft nach oben”

Die positiven Entwicklungen an den globalen Finanzmärkten haben 2017 viele Anleger überrascht. In seinem aktuellen Marktkommentar warnt der Vermögensverwalter Conren jedoch vor einem nahenden Ende des Aufschwungs.

Trotz geringer Rezessionsgefahr in den nächsten 18 Monaten werden die Börsen laut Conren schon vorher korrigieren.

Da die Investoren nach den positiven Entwicklungen des vergangenen Jahres Nachholbedarf sehen, sei die Stimmung an den Finanzmärkten derzeit äußerst gut, bis hin zur Euphorie an einigen Märkten [1]. Zu diesen zählen Kryptowährungen ebenso wie IT und der Kunstmarkt.

Laut Conren ist in diesen Kursen bereits viel enthalten, weshalb nicht mehr so viele Anleger unterinvestiert sind wie Anfang des letzten Jahres.

Einige positive Szenarien schließen sich jedoch auf gegenseitig aus, wie beispielsweise die für Unternehmen und Wirtschaft wünschenswerten, inflationären Effekte der US-Steuerreform und ein weiter anhaltendes Goldilocks-Umfeld.

Gipfel des Aufschwungs nahe

Die Experten von Conren [2] sind der Meinung, dass der kräftige zyklische Aufschwung der letzten anderthalb Jahre aus ökonomischer Sicht dem Ende nahe ist.

So werde die Grenzveränderung der Wachstumsrate im Jahr 2018 voraussichtlich nicht mehr so stark ansteigen, wie dies zwischen Sommer 2016 und Ende 2017 der Fall gewesen sei.

Trotzdem sei es möglich, dass Volkswirtschaften und Unternehmensgewinne, beispielsweise durch die US-Steuerreform und die weitere Deregulierung durch die Trump-Administration, für gewisse Zeit weiterwachsen.

Kurzfristig geringe Rezessionsgefahr

Für Notenbanken wie die amerikanische Federal Reserve (FED) [3] bedeute dies im noch jungen Jahr 2018 “nicht zu viel und nicht zu wenig”.

“Wie wenn man mit seinem Auto am Berg steht und mit Kupplung anfahren muss. Zu viel Gas und wir schießen über den Berg hinaus (Inflation, höhere Zinsen, et cetera). Zu wenig Gas und wir rollen den Berg wieder herunter,” schreibt Conren im Marktkommentar.

Für die nächsten 18 Monate sei die Rezessionsgefahr noch als äußerst niedrig einzuschätzen, jedoch werden die Börsen diese vorwegnehmen und vorher korrigieren.

Seite zwei: Korrektur wird immer wahrscheinlicher [4]

Im aktuellen Reifestadium des makroökonomischen und finanzmarkttechnischen Zyklus werde kurz- und mittelfristig die Stimmung am Markt eine größere Relevanz für den Börsenverlauf haben als die Fundamentaldaten.

Quelle: Conren

Auch daran seien eine nahende Überhitzung und eine wahrscheinliche Konsolidierungskorrektur erkennbar, denn derzeit können weder bei Aktien noch bei Anleihen klare Kaufsignale erkannt werden.

Conren ist jedoch nicht der Ansicht, dass sich schon 2018 ein wirklicher Bärenmarkt abzeichnet, da die Wirtschaft nach wie vor zu gut läuft und die Geldpolitik [5] die Zügel noch nicht allzu stark straffen möchte. Zudem sei auch noch nicht zu erkennen, dass die Zinskurven invers werden.

Korrektur könnte stark ausfallen

Ausgehend von den derzeit hohen Niveaus könnte eine Konsolidierungskorrektur jedoch mit einem Minus von bis zu 10 Prozent sehr viel stärker ausfallen als derzeit antizipiert (Minus von 3 bis 5 Prozent).

In einer solchen Risk-off-Phase würden Aktien [6] und gegebenenfalls auch Renten laut Conren korrigieren, der US-Dollar, Yen und Schweizer Franken anziehen und Gelder aus Europa und den “Emerging Markets” in die USA fließen.

Europäische und japanische Aktien würden in diesem Szenario trotz niedrigerem Bewertungsniveau ähnlich oder stärker korrigieren als US-Werte. Value würde also nur langfristig einen gewissen Schutz bieten.

Bewegungen der Wechselkurse

Das beschriebene Szenario sei für das erste Quartal 2018 jedoch noch nicht zu erwarten, sondern erst später im Jahr, da die Unternehmensgewinne für das Jahresendquartal 2017 ebenso positiv ausfallen sollen wie Wirtschaftsleistung und Inflationsdaten.

Kurzfristige Bewegungen der Wechselkursrelationen werden den Experten zufolge auch 2018 eine wesentliche Rolle für das Abschneiden an den Börsen spielen.

So sei der Euro kurzfristig noch positiv zu sehen, trotz positivem Zinsdifferential zugunsten des US-Dollars, wofür sich unter anderem die Leistungsbilanzüberschüsse in Europa, die höhere Grenzveränderung der europäischen Wachstumsrate, das Sentiment und das Marktmomentum aussprechen.

Trotzdem sei es auch in diesem Jahr notwendig opportunistisch vorzugehen, je nachdem wie die Zentralbanken [7] ihren geldpolitischen Kurs steuern. Es sei nämlich nicht auszuschließen, dass der Euro-Dollar-Wechselkurs wieder unter 1.10 fallen könne.

Seite drei: Kapitalerhalt bleibt oberstes Ziel [8]

In der späten Zyklusphase sei es notwendig stärker auf das Marktsentiment zu achten, anstatt auf reine Fundamentaldaten. Gleichzeitig dürfe jedoch nicht das oberste Ziel, also der Kapitalerhalt, vernachlässigt werden.

Quelle: Conren

Mehr noch als in den vergangenen Jahren nehmen Vorsicht und der Schutz des Investorenkapitals einen hohen Stellenwert ein, doch auch die Flexibilität dürfe nicht vernachlässigt werden, da die Chancen aus den Übertreibungen der Märkte nicht ungenutzt bleiben dürfen.

In diesem Zusammenhang macht es ein langfristiger Absolute-Return-Ansatz laut Conren möglich mit niedrigeren Investmentquoten, einer Übergewichtung niedrig bewerteter Titel, kürzeren Durationen und weniger High Yield investiert zu bleiben.

Geldpolitische Fehler vermeiden

Die Experten identifizierten insgesamt fünf Faktoren, die den derzeitigen Zyklus nachhaltig zum Drehen bringen können, so beispielsweise Fehlentscheidungen in der Geldpolitik, wie eine zu rasche Straffung von Geldmenge und Kreditverknappung.

Da die Notenbanken die Inflation [9] jedoch zuerst über das Ziel hinausschießen lassen werden, seien derartige Fehler aktuell aber ein eher geringes Risiko.

Auch ein Ende des Kreditbooms in China mit weitreichenden Effekten auf die Weltwirtschaft sei ein solcher Faktor, der jedoch schwer einzuschätzen sei. Ein gutes Zeichen sei jedoch, dass die chinesische Regierung die Balance zwischen Wachstum und Überhitzung in den letzen Jahren jedoch erfolgreich gemanagt habe.

Die größere Gefahr in diesem Bereich sei eher eine Beeinträchtigung des Chinesischen Wachstums durch den Maßnahmenkatalog von Regierung und Notenbank.

Zinssteigerungen werden unterschätzt

Conren zufolge besteht auch das Risiko eines Anlegerstimmungswechsels von Optimismus zu Euphorie, bei gleichzeitig immer höheren Bewertungen, durch höhere Investoren-Partizipation. Obwohl sich die Märkte [10] in den vergangenen Monaten in diese Richtung entwickelt haben, sei dies aktuell noch nicht bedrohlich.

Die wahrscheinlichste Gefahr für die Märkte sei gleichzeitig auch die am meisten unterschätzte: die Wirkung von nur leichten Zinssteigerungen. Über Marktreaktionen (nicht unbedingt durch Notenbanken) könne dies auch unerwartet und schnell passieren.

Das größte Risiko für die Märkte sei derzeit jedoch die hohe Staatsverschuldung der USA [11] (24,5 Billionen US-Dollar) an Unternehmensanleihen die 2019 bis 2021 fällig werden. Diese müssen refinanziert werden, da schon leicht höhere Zinsen (2 bis 3 Prozent) in einer Zunahme von Konkursen münden können.

Aktuell seien Zinsen und Credit-Spreads sehr niedrig bei gleichzeitig hoher Verschuldung von Unternehmen, was die Kreditmärkte extrem empfindlich mache – schon kleinste Änderungen der Anleiherenditen können große Effekte haben. (bm)

Foto: Shutterstock

 

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