- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Dax: 30 Jahre Performance “Made in Germany”

Der deutsche Leitindex Dax feiert in diesem Jahr seinen dreißigsten Geburtstag. Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors zieht Bilanz und äußert seine Wünsche für das wichtigste deutsche Börsenbarometer in den  kommenden 30 Jahren.

Hans-Jörg Naumer, Allianz-GI: “Auch in Zukunft dürfte es lohnenswert sein, sich an der Risikoprämie der im Dax enthaltenen Unternehmen zu beteiligen.”

Knapp neun Prozent pro Jahr hat er über die letzten 30 Jahre gemacht, der deutsche Aktienindex Dax. 30 Jahre, die viele Höhen und Tiefen sahen. Aufgelegt im Sommer 1988, rückgerechnet auf einen Indexstand von 1.000 zum Januar 1988 hatte er sich in der Zwischenzeit mit einem Rekordhoch über 13.500 Indexpunkten mehr als verdreizehnfacht. Dazwischen lagen Asien- und Russlandkrise, die “Technologie-Medien-Telekommunikations-Blase”, der “11. September”, die Pleite von Lehman-Brothers, welche den Ausbruch der US-Subprime-Krise und die darauf folgende Euro-Staatsschuldenkrise markierte.

Und auch immer wieder starke Aufwärtsbewegungen, weil am Ende Wachstum und Unternehmensgewinne den Sieg davon trugen. In der historischen Rückrechnung des Dax bis zum Jahr 1955 gab es in 44 von 63 Jahren eine positive Rendite. Natürlich ist die Wertentwicklung der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Gewinne, aber die Geschichte zeigt zumindest, dass sich das “Zittern” bei all‘ dem Auf und Ab der Kurse in der Vergangenheit auch gelohnt hat.

Beliebt im Ausland – verschmäht im Inland

Tragisch dabei: Die Firmen, welche der Dax repräsentiert, sind im Ausland zwar sehr beliebt, werden aber zu Hause offensichtlich verschmäht. Von über 5,5 Billionen Euro an liquidem Geldvermögen in Deutschland sind nur elf Prozent in Aktien und weitere neun Prozent in Investmentfonds investiert (ca. Drittel davon in Aktienfonds), der Rest des Geldes lümmelt unproduktiv zum Beispiel in Bargeld- und Sichteinlagen herum. Die vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) erhobene Zahl der Aktionäre kommt mit neun Millionen aus einer Gesamtbevölkerung von über 80 Millionen schon seit Jahren nicht vom Fleck, gleichzeitig befinden sich aber nach Erhebungen von Ernst & Young knapp 58 Prozent der Anteile der Dax-Firmen in ausländischer Hand. Nichts gegen Wettbewerb um Kapital [1] – aber wir sollten uns daran beteiligen.

Investieren statt Spekulieren

Wer in Aktien investiert ist kein Spekulant, sondern ein Investor, der Unternehmen wichtiges Eigenkapital für produktives Wachstum zur Verfügung stellt. Für die eigene Kapitalanlage heißt das konkret: Ein ständiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren ist nicht notwendig. Es kann sogar schädlich sein.

Ein Beispiel: Wer über die letzten 30 Jahre beim Dax die 20 Tage mit den stärksten Kursgewinnen verpasst hat, hat im Durchschnitt Jahr für Jahr knapp vier Prozent erzielt. Wer sogar die besten 40 Tage verpasst hat, kam nur auf knapp 0,4 Prozent pro Jahr. Wer dagegen einfach die letzten 30 Jahre durchgängig investiert blieb, konnte durchschnittlich knapp neun Prozent pro Jahr erzielen.

Beim Sparen sparen

Einfach und ohne die Anforderung ständig die Kapitalmärkte beobachten zu müssen, gelingt der Kapitalaufbau auch mit einem Sparplan, der schon über kleinere Beträge abgeschlossen werden kann. Vorteil: Der Durchschnittskosteneffekt. Dieser hilft beim Sparen zu sparen, denn: wer in einen Sparplan einen regelmäßigen Beitrag investiert, der kauft z.B. bei einem Aktienfonds weniger Anteile, wenn die Kurse hoch sind, und mehr, wenn sie niedrig sind. Vollautomatisch.

Beispiel: Ein Anleger hat über die letzten 30 Jahre – also zur Auflegung des Dax – jeweils 50 Euro monatlich investiert. Insgesamt hätte er 18.000 Euro investiert, und würde heute, Dank Dividenden [2], Kursgewinnen, Durchschnittskosteneffekt und dem Zinseszinseffekt der bei der Wiederanlage dazu kommt, über knapp 70.000 Euro verfügen – ein Ertrag von ca. 51.000 Euro. Natürlich sind die letzten 30 Jahre keine Garantie, dass es sich in den nächsten 30 Jahren genauso wieder verhält. Dividenden und Kursentwicklung wiederholen sich nicht, aber der Durchschnittskosten- und Zinseszinseffekt sind mathematische Konstanten.

Seite zwei: Wohlstand für alle ist möglich [3]

Tatsächlich wäre Wohlstand für alle [4] (in memoriam Ludwig Erhard) möglich. Dass dies kein Wunschtraum bleiben muss, zeigen nachfolgend beispielhafte Berechnungen: Angenommen ein Beschäftigter hätte seit 1976 (das Jahr, in dem auch das Mitarbeiterbeteiligungsgesetz verabschiedet wurde) in einen Sparplan auf deutsche Aktien, wie er vom Dax beispielhaft repräsentiert wird,  monatlich 50 D-Mark bzw. etwa 25 Euro eingezahlt und alle zehn Jahre die monatliche Sparrate um fünf Euro erhöht, um die Inflationsentwicklung annähernd auszugleichen, aber auch um den steigenden Löhnen Rechnung zu tragen. Die Einzahlungen des Beschäftigten summieren sich auf etwas mehr als 16.000 Euro. Was hätte sich daraus entwickelt?

Der Beschäftigte, der von Anfang an dabei war und sämtliche Dividendenzahlungen reinvestiert hätte, würde heute über etwas mehr als 133.000 Euro an Kapital verfügen. Die Risikoprämien für Aktien, die reinvestierten Dividenden und der Zinseszinseffekt sind die Treiber hinter diesem Vermögensaufbau.  Bei einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 2,5% (Stand: Dezember 2017), wie sie der Dax aktuell ausweist, ergäben sich auf ein angespartes Vermögen von 133.000 Euro eine jährliche Dividendenausschüttung von 3.325 Euro, das sind knapp 280 Euro pro Monat.

Den Deutschen könnte der Dax ca. 2,2 Mal gehören

Hätten damals alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland diesen Sparplan abgeschlossen wären gesamtwirtschaftlich über die 41 Jahre mehr als 2,8 Billionen Euro zusammengekommen. Anders ausgedrückt: Den Deutschen könnte heute der Dax rein rechnerisch knapp 2,2 Mal gehören.

Hätten die Deutschen diesen Sparplan aller Beschäftigten in der Geburtsstunde des Dax begonnen – also vor 30 Jahre – wären 1,1 Billionen Euro zusammen gekommen. Bezogen auf die aktuelle Marktkapitalisierung würde ihnen der Dax dann immer noch zu 86 Prozent gehören.

Wünsche zum 30. Geburtstag

Nicht nur im Interesse aller Anleger, sondern auch im Interesse der deutschen Wirtschaft selbst ist dem Geburtstagskind für die nächsten 30 Jahre nur das Beste zu wünschen, ganz besonders dass,

1.     die deutschen Sparer ihr Geld für sich arbeiten lassen (und nicht umgekehrt). Aktien(fonds) sind ein wichtiger Baustein für die langfristige Geldanlage.

2.     Aktien(fonds) steuerlich für die Altersversorgung gefördert werden. Gerade in Zeiten des Nullzinses muss die Beteiligung an der Risikoprämie, welche Aktien erwarten lassen, beim Kapitalaufbau gefördert werden.

3.     Kursgewinne ab einer bestimmten Haltedauer wieder steuerfrei gestellt werden. Gewinne heute sind erwartete Dividenden morgen – beides zu besteuern ist eine unangemessene Belastung.

4.     die immer noch in der Diskussion befindliche Finanztransaktionssteuer endlich beerdigt wird. Sie ist nichts weiter als eine Mehrwertsteuer, die auf eine Veränderung der Vermögenszusammensetzung (Geld wird in Wertpapiere getauscht, sonst passiert nichts) erhoben wird. Grundlos. Wer investiert, spekuliert nicht. Er unterstützt Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Der Dax hat eine lange und aufregende Geschichte hinter sich. Auch in Zukunft wird er Höhen und Tiefen erleben. Rendite ohne Risiko wird es nicht geben, aber auch in Zukunft dürfte es lohnenswert sein, sich an der Risikoprämie der im Dax enthaltenen Unternehmen zu beteiligen.

Der Dax, das ist Performance “Made in Germany”.

Autor Hans-Jörg Naumer ist Global Head of Capital Markets & Thematic Research AllianzGI.

Foto: Andreas Varnhorn