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Factor Investing: So funktionieren Enhanced-Indexing-Strategien

Es gibt gute Gründe, um passiv zu investieren. Noch bessere Gründe gibt es für Enhanced-Indexing-Strategien. Warum, wie diese funktionieren und was ihre Vorteile sind, erklärt  Bernhard Breloer von Robeco. Teil neun der Cash.-Online Reihe zum Thema Factor Investing.

Bernhard Breloer: “Weicht man auf Basis von Faktorprämien leicht von der Benchmark ab, besteht langfristig die Chance der Outperformance. Das nutzt der “Enhanced Indexing”-Ansatz.”

Immer mehr Investoren investieren passiv. Die wichtigsten Gründe sind die Enttäuschung über aktive Fonds, niedrige Kosten und Transparenz. Ein passiver Ansatz bleibt nach Kosten jedoch zwangsläufig unter seiner Benchmark.

Darum ist Enhanced Indexing die bessere Wahl

Eine größere Schwäche ist, dass der Index eins zu eins nachgebildet wird. Anleger investieren dadurch automatisch in ein Portfolio, das unattraktiv im Vergleich zu Portfolios ist, die Aktien nach Faktoren auswählen und von Faktorprämien profitieren.

Aktien mit positiven Faktormerkmalen schlagen langfristig den jeweiligen Marktindex. Weicht man auf Basis von Faktorprämien leicht von der Benchmark ab, besteht langfristig die Chance der Outperformance. Das nutzt der “Enhanced Indexing”-Ansatz.

Überschussrendite gegenüber Tagesgeld- und Staatsanleiherendite

Quelle: Blitz, David (2017). Losing money with passive investing ; Die Grafik zeigt die jährlichen Renditen von Quintil-Portfolios über den Zeitraum von Januar 1986 bis Dezember 2016. Dabei werden globale Aktien monatlich fünf Portfolios auf Basis der gleichgewichten Kombination der Faktoren Value, Momentum, Quality und Low-Risk zugeordnet. Aktien, die nach diesen Faktoren am attraktivsten abschneiden, werden dem ersten Portfolio zugeordnet (top 20%). Umgekehrt werden die schlechtesten Aktien dem fünften Portfolio (untere 20%) zugeteilt. Schließlich wird die Differenzrendite zu einer Tagesgeldanlage bzw. einer Anlage in erstklassigen Staatsanleihen berechnet.

Beim Enhanced Indexing werden Faktor-Tilts eingesetzt. Wie bei reinen Faktorportfolios werden Aktientitel anhand ihrer Ausprägung unterschiedlicher Faktoren sortiert. Dieses Ranking ist ein integrierter Multi-Faktor-Ansatz, es basiert auf mehreren Faktoren.

Seite zwei: So funktioniert Enhanced Indexing [1]

Der wesentliche Unterschied zu reinen Faktorportfolios ist, dass es ein Tracking-Error-Budget von zum Beispiel einem Prozent gibt. Entsprechend werden nicht ausschließlich top platzierte Aktien gekauft, aber übergewichtet. Aktien, die als unattraktiv eingestuft werden, werden untergewichtet oder gar nicht gekauft.

Länder- und Sektorneutralität werden bewahrt. Ebenso wird ein Marktbeta um eins anvisiert. Der Investor bildet mit Enhanced Indexing einen Index ab, bewahrt dabei aber die Chance auf einen Mehrertrag, ohne Länder- und Sektorrisiken einzugehen. So ist bei einem Tracking-Error-Budget von einem Prozent ein Alpha von einem Prozent realistisch.

Qualität der Umsetzung der Strategie

Der Ertrag einer Enhanced-Indexing-Strategie hängt davon ab, welche Faktor-Kombination ausgewählt wird und wie gut die Strategie implementiert wird. Das hängt unter anderem davon ab, nach welchen Kriterien Aktien gewichtet werden. Ob die Transaktionskosten beachtet werden und welche Handelssignale werden genutzt

Zunächst ist wichtig, ob die richtigen Kriterien gewählt worden, die die Faktoren langfristig robust abbilden. Der Faktor Quality beispielsweise kann über verschiedene Kennziffern abgebildet werden wie Brutto-Profitabilität (akademisch) oder Return on Equity (Maß aus der Industrie). Dabei prognostizieren akademische Faktor-Kriterien Renditen weltweit besser als jene aus der Industrie.

Ebenso müssen direkte und indirekte Transaktionskosten berücksichtigt werden und es muss entschieden werden, ob kurz- oder langfristige Signale zum Aktienhandel genutzt werden.

Vorteile von Enhanced Indexing

Die Vorteile von Enhanced Indexing sind, dass es sich auf flexibel auf verschiedene Märkte anwenden lässt. Ebenso lassen sich Nachhaltigkeitskriterien einbauen, durch Ausschlüsse über die Übergewichtung nach ESG-Kriterien bis hin zu Impact Investing.

Dr. Bernhard Breloer, Quant Client Portfolio Manager bei Robeco

Foto: Robeco

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe zum Thema Factor Investing, hier kommen Sie zu den schon veröffentlichten Beiträgen:

Factor Investing: Das müssen Investoren beachten [2]

Mehr Rendite mit weniger Volatilität [3]

Warum langweilige Aktien die Rendite steigern [4]

Value ist immer auch Growth [5]

Momentum: Haben Sie starke Nerven? [6]

Stabilität im Anleihen-Portfolio durch Qualitätsfaktoren [7]

Warum Sie auf Small Caps setzen sollten [8]

So funktionieren Carry-Strategien [9]

Smart-Beta-ETFs: Aktiv oder Passiv [10]

Warum werden Smart-Beta-ETFs immer beliebter? [11]

Investieren ohne Nebeneffekte [12]

Multi Factor Investing bei Anleihen [13]

So ergänzen sich Factor Investing und Multi Asset [14]