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Warum langweilige Aktien die Rendite steigern

“Wer mehr Risiken eingeht, wird mit höheren Renditen belohnt”, so eine Weisheit des Aktienmarktes. Das Gegenteil ist aber der Fall. Warum mehr Langeweile im Portfolio profitabel ist. Teil zwei der Cash.-Online Reihe zum Thema Factor Investing. Gastbeitrag von Brian Kirk, Jyske (Teil 2/2).

Brian Kirk: “Anleger tendieren dazu, Aktien mit “Lotterie-Profil” und großen Kursschwankungen zu bevorzugen, während Unternehmen mit stabileren Ertragsströmen und geringeren Aktienkursschwankungen weniger anziehend sind.”

Je volatiler eine Aktie, desto weniger Rendite bringt sie dem Portfolio. Das ergab eine Studie zu amerikanischen Aktien im Zeitraum 1968 bis 2008, bei der die Aktien nach ihrer historischen Volatilität in fünf verschiedene Gruppen eingeteilt wurden. Je weniger volatil, desto besser die Performance, die 20 Prozent schwankungsärmsten Aktien entwickelten sich am besten. Die Details dazu können Sie Teil eins [1] dieses Beitrags entnehmen.

Diese Low-Volatility-Anomalie lässt sich mit der Psychologie erklären. Das CAPM-Modell ist ein theoretisches Konstrukt, das das irrationale Verhalten des Menschen nicht berücksichtigt. Im CAPM-Universum – in dem ein linearer Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite besteht – würde niemand einen Lottoschein kaufen oder in ein Spielkasino gehen, da die durchschnittlich erwartete Rendite einer solchen “Anlage” negativ wäre.

Anleger wollen schnell reich werden

Trotzdem suchen Menschen diese “riskanten Situationen” aktiv auf. Das liegt daran, dass wir ohne Weiteres ein begrenztes Risiko tolerieren können – insbesondere, wenn ein besonders hoher Gewinn möglich ist.

So verhalten sich Anleger auch auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten. Wir haben den Wunsch, schnell reich zu werden und halten Ausschau nach Aktien, die ihren Wert verzehnfachen können – wir suchen nach der nächsten Amazon- oder Facebook-Aktie. Anleger tendieren dazu, Aktien mit “Lotterie-Profil” und großen Kursschwankungen zu bevorzugen, während Unternehmen mit stabileren Ertragsströmen und geringeren Aktienkursschwankungen weniger anziehend sind.

In der Konsequenz sind Anleger dazu bereit, mehr Geld für risikoreiche Aktien zu bezahlen, wie auch viele Menschen Lotto spielen, obwohl ihnen bewusst ist, dass ihre Gewinnchancen schlecht sind.

Große Kursfälle sind keine Ausnahme

Wenn der Preis dieser Aktien wegen der großen Nachfrage ihren reellen Wert übersteigt, schneiden sie anschließend oftmals schlecht ab. Die Tatsache, dass die Low- Volatility-Anomalie auf einer Reihe von verhaltensbezogenen Faktoren beruht, bestärkt uns in der Auffassung, dass sie auch künftig existieren wird.

Seite zwei: Sicher durch Finanzmarktkrisen + Nachteile von Low-Volatility [2]

Große Kursfälle im Aktienmarkt gibt es öfter, als es vielen Anlegern bewusst ist. Beispielsweise ist der S&P500 seit 1950 zehnmal um 20 Prozent oder mehr gefallen. Es ist deshalb interessant, dass das Kapital der Anleger typischerweise besser in einem Portfolio aus Aktien mit niedriger Volatilität geschützt ist, als wenn es im allgemeinen Aktienmarkt gestreut ist – dies gilt für sämtliche größere Krisen, von den Ölkrisen der 1970er-Jahre bis zur globalen Finanzkrise im Jahr 2008.

Während der globalen Finanzkrise fiel der globale Aktienmarkt zum Beispiel um 46 Prozent während der Durchschnittskurs des Fünftel der Aktien mit der niedrigsten Volatilität nur um 33 Prozent nachließ.

Angst vor Volatilität stegit

Aktuell haben wir einen der längsten Aufschwünge an den Aktienmärkten. Die Hausse des S&P500 seit Anfang März 2009 hat eine Dauer von 107 Monaten und eine Rendite über 300 Prozent erzielt, während die durchschnittliche Dauer 60 Monate beträgt, bei einer Rendite von 176 Prozent.

Risikoaverse Anleger, die einen Abschwung fürchten, aber den Anleihenanteil in ihrem Portfolio mit Aussicht auf steigende Zinsen nicht erhöhen möchten, sollten erwägen, Aktien mit niedriger Volatilität zu kaufen, da diese bei sinkenden Märkten das Vermögen schützen.

Die Suche nach Rendite und das historisch tiefe Zinsniveau haben bewirkt, dass sich die Allokation im Laufe der letzten Jahre zugunsten von Aktien mit niedriger Volatilität verschoben hat – dies gilt sowohl für aktiv verwaltete Strategien als auch für ETFs.

Gestiegenes Kurs-Gewinn-Verhältnis

Heute haben zwei der größten EFTs – iShares MSCI Min Vol USA und Powershares S&P 500 Low Volatility – ein verwaltetes Vermögen (Assets under Management) von insgesamt über 21 Milliarden US-Dollar. Dies hat dazu geführt, dass schwankungsarme Aktien teurer geworden sind, gemessen am erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Der Minimum-Volatility-Index (MSCI AC World Minimum Volatility) wird aktuell für ein KGV von 17,6 gehandelt, der globale Aktienindex (MSCI AC World) für 14,9. Es besteht das Risiko, dass Anleger einen zu hohen Preis für entsprechende Aktien bezahlen, was die erwartete Rendite beeinträchtigen kann.

Einige Strategien, hierunter die so genannten Minimum-Volatility-Strategien, sind rein mathematische Lösungen, die die Volatilität des Portfolios ausgehend von der Korrelation der einzelnen Aktien untereinander auf ein Minimum reduzieren. Das Risiko solcher Strategien besteht darin, dass sich die historischen Korrelationen ändern können.

Kombination mit Fundamentalanalyse

Dies ist eine der Ursachen dafür, dass wir bei Jyske Capital die quantitative Analyse mit einer Fundamentalanalyse kombinieren. Die fundamentale Qualität eines Unternehmens lässt sich unter anderem durch hohe Rendite des investierten Kapitals, begrenzte Schulden und Stabilität bei Umsatz, Gewinn und Cashflow messen.

Brian Kirk ist Co-Portfolio Manager des Jyske Invest Equities Low Volatility Fonds

Foto: Jyske

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe zum Thema Factor Investing, hier kommen Sie zu den schon veröffentlichten Beiträgen:

Factor Investing: Das müssen Investoren beachten [3]

Mehr Rendite mit weniger Volatilität [1](erster Teil dieses Beitrags)

Value ist immer auch Growth [4]

Momentum: Haben Sie starke Nerven? [5]

Stabilität im Anleihen-Portfolio durch Qualitätsfaktoren [6]

Warum Sie auf Small Caps setzen sollten [7]

So funktionieren Carry-Strategien [8]

Smart Beta: Aktiv oder Passiv? [9]

Warum werden Smart-Beta-ETFs immer beliebter? [10]

So funktioniert Enhanced Indexing [11]

Investieren ohne Nebeneffekte [12]

Multi Factor Investing bei Anleihen [13]

So ergänzen sich Factor Investing und Multi Asset [14]

Factor Investing: Zu viel Marketing-Wunschdenken [15]

Factor Investing: “Value ist keine Risikoprämie”  [16]