- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Steigende Zinsen: So reagiert die Fondsbranche

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins um 0,25 Prozent angehoben. Die Fondsbranche ist geteilter Meinung darüber, ob es in 2018 zu insgesamt drei oder vier Zinsschritten kommen wird. Cash. hat die Kommentare einiger Fondsmanager zusammengefasst.

Der Vorsitzende der Federal Reserve Jerome Powell während einer Pressekonferenz in Washington DC am 21. März 2018.

Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) hat ihren Leitzins auf der Sitzung am Mittwoch um 0,25 Prozent auf 1,75 Prozent erhöht. Damit wurden die Erwartungen der Marktteilnehmer aber nur teilweise erfüllt.

Drei oder vier Zinsschritte?

“Die Fed hat die Leitzinsen erwartungsgemäß um 0,25 Prozent angehoben, hat aber gleichzeitig signalisiert, dass in diesem Jahr wohl nur noch zwei weitere Zinsschritte folgen werden. Dies hat den US-Dollar [1]unter Druck gesetzt, da Anleger eigentlich mit vier Zinserhöhungen 2018 gerechnet hatten”, sagt Paul Flood zur gestrigen Zinserhöhung der Fed.

Flood ist Multi-Asset Income Portfoliomanager bei Newton Investment Management – einer Boutique unter dem Dach von BNY Mellon Investment Management (IM).

“Jerome Powell, der neue Vorsitzende der Fed [2], deutete zwar an, dass der Zinsanstieg 2019 und 2020 steiler ausfallen könne – allerdings nahm der Markt davon keine Notiz. Denn Trumps Handelsbarrieren [3], die das Wirtschaftswachstum dämpfen könnten, bereiten der Fed (und dem Finanzmarkt) Kopfzerbrechen. Aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes in den USA erwartet die Fed zudem einen Anstieg der Inflation in den kommenden Monaten”, ergänzt Flood.

Vier Zinsschritte

Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management sieht dennoch Spielraum für vier Zinserhöhungen in 2018.

“Die Fed räumte ein, dass sich die “wirtschaftlichen Aussichten in den letzten Monaten verbessert haben. Wir bleiben diesbezüglich zurückhaltend und sehen weiterhin Spielraum für vier Zinserhöhungen in diesem Jahr.”

Seite zwei: Worauf sich Anleger einstellen müssen [4]

Auch Charles St-Arnaud, Senior Investment Strategist bei Lombard Odier Investment Managers, erwartet, dass die Fed die Zinsen viermal anheben wird: “Die größte Überraschung für Investoren dürfte gewesen sein, dass das Federal Open Markets Committee (FOMC) weiterhin mit drei Zinserhöhungen plant und nicht bereits auf vier ausgeweitet hat. Dies könnte unserer Ansicht nach darauf zurückzuführen sein, dass einige FOMC-Mitglieder sich zu diesem frühen Zeitpunkt des Jahres noch nicht auf vier weitere Zinserhöhungen festlegen lassen wollen.”

“Wir bleiben bei unserer Ansicht, dass die Fed in diesem Jahr drei weitere Zinsanhebungen vornehmen wird, da wir derzeit von einem zunehmenden Inflationsdruck in den USA ausgehen”, sagt St-Arnaud.

Höhere Volatilität

Jeremy Gatto, Investmentmanager des Multi-Asset-Navigator-Fonds von Unigestion, sagte nach Jerome Powells erster Sitzung des FOMC als Federal Reserve Chairman: “Das FOMC-Treffen bestätigt das Szenario, für das wir schon seit einiger Zeit plädieren: Die Normalisierung der Geldpolitik ist in vollem Gange.”

Wenn Zentralbanken weltweit ihre Geldpolitik straffen, müssten sich Anleger auf höhere Volatilität einstellen. “Chancen liegen hier in der relativen Wertentwicklung, in Streuung und dynamischer Allokation”, so Gatto.

“Wir selbst sind derzeit Short in Investment-Grade-Anleihen, denn wir glauben, die aktuellen Spreads entschädigen die Anleger nicht für das eingegangene Risiko. Sie werden durch die verschärften Liquiditätsbedingungen und die höhere Volatilität eher noch mehr gefährdet”, führt Gatto aus.

Er ergänzt: “Wir haben seit Ende letzten Jahres auch Duration untergewichtet, da der Markt das Inflationsrisiko unterschätzt hat. Vor dem Hintergrund, dass der Markt die Preise mittlerweile angleicht und sich stark Short positioniert, haben wir kürzlich Anleihen taktisch auf Long gesetzt, denn die aktuellen Renditeniveaus bieten einen attraktiven Carry.” (kl)

Foto: Yomiuri Shimbun via AP