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Hans-Werner Sinn: Merkel könnte Brexit verhindern

Angela Merkel könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sie den Brexit verhindert. Davon ist Hans-Werner Sinn im Interview mit “Börse Online” überzeugt. Sie habe die Chance, mit einem historischen Erfolg in die Geschichtsbücher einzugehen.

Hans-Werner Sinn: “Angela Merkel könnte mit einem historischen Erfolg in die Geschichtsbücher eingehen. Den würde ich ihr zum Abschluss ihrer Amtszeit wünschen.”

Hans-Werner Sinn, der ehemalige Präsident des Ifo-Instituts, ist ein bekannter Gegner des Brexits. Vor ein paar Monaten startete er, unter anderem mit Hans-Olaf Henkel, eine Petition [1], um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu verhindern. Noch immer hofft er darauf, dass die Briten in der EU bleiben. Darüber, wie das möglich werden kann, sprach er mit “Börse Online”.

Die EU sei nicht unbedingt gut beraten, gegenüber der britischen Premierministern Theresa May hart zu bleiben. “Ich würde den Austritt nicht attraktiver machen, wohl aber den Erhalt der Mitgliedschaft”, sagt Sinn gegenüber “Börse Online”.

Einzige Chance, das große europäische Unglück abzuwenden

Doch solle die EU bei den Konditionen des Austrittsabkommens [2] hart bleiben, das sei “die einzige Chance, das große europäische Unglück des Brexit noch abzuwenden.” Dadurch würde das Abkommen im Unterhaus abgelehnt und der Austrittstermin vermutlich verschoben. Zudem könnte es zu einem Referendum kommen.

Seite zwei: Wie Angela Merkel den Brexit verhindern kann [3]“Ich kann mir nicht vorstellen, dass die EU und Großbritannien sehenden Auges in ihr Unglück rennen. Es wäre jetzt die Aufgabe der deutschen Kanzlerin, eine Koalition für ein attraktives Bleibeangebot für die Briten zu schmieden”, fordert Sinn.

Reformen der EU im Sinne der Briten könnten den Brexit verhindern. “Angela Merkel könnte mit einem historischen Erfolg in die Geschichtsbücher eingehen. Den würde ich ihr zum Abschluss ihrer Amtszeit wünschen”, so Sinn.

Inklusion von Migranten in Wohlfahrtssysteme begrenzen

Dazu müsste man laut Sinn die “Inklusion von EU-Migranten in die Wohlfahrtssysteme der Gastländer auf erarbeitete Sozialleistungen begrenzen”. Leistungen, die unabhängig vom Arbeitsverhältnis seien, sollten vom Sozialsystem des EU-Heimatlandes übernommen werden, statt vom System des Gastlandes.

Sinn ist zuversichtlich: “Das würde den EU-internen Sozialmagnetismus reduzieren, unter dem alle Länder Nordeuropas leiden. Ich bin mir sicher, dass die Briten drin bleiben, wenn dieser Konstruktionsfehler der EU korrigiert wird.”

Am 17. Dezember wird Hans-Werner Sinn in seiner traditionellen Weihnachtsvorlesung [1] bei den Münchner Seminaren des Ifo Instituts über die Auswirkungen des Brexits auf Deutschland und Europa sprechen. (kl)

Foto: Cash.