Happy End auf den Anleihemärkten noch möglich

Anleiheanleger sind verunsichert und die flache Zinsstrukturkurve in den USA deutet darauf hin, dass es bald zu einer Rezession kommen könnte. Doch es gibt auch gute Nachrichten für Anleiheinvestoren.

Chris Iggo, Axa IM
Chris Iggo: „Eine Verbesserung der Wirtschaftsdaten ist notwendig. Wir brauchen Fortschritte bezüglich der Handelspolitik der USA. Aber es entwickeln sich auch Chancen auf den Anleihemärkten.“

Für Anleihe-Investoren wird es noch vor Jahresende interessante Gelegenheiten geben, in Unternehmensanleihen zu investieren. Diese Ansicht vertritt Chris Iggo, CIO Fixed Income bei Axa Investment Managers: „Die Aussichten sind aus makroökonomischer Sicht nach wie vor sehr positiv. Allerdings ist das Vertrauen der Anleger erschüttert.“

Ernüchternde Performance

Die Performance der meisten Anlageklassen des Fixed-Income-Marktes sei 2018 eher enttäuschend gewesen. Dies zeigt sich – insbesondere in Europa – an schwächeren Konjunkturdaten im Vergleich zum Vorjahr.

Außerdem habe die Regierungsbildung in Italien die Volatilität erhöht. Allerdings hätten diese Märkte dadurch ein höheres Potenzial auf Kurssteigerungen als andere Märkte.

„Die Zuversicht der Anleger hängt am meisten von den aktuellen Gesprächen zu Handel und Protektionismus mit den Vereinigten Staaten ab“, sagt Iggo. Zölle auf Importe in einer Reihe von Ländern der Welt seien schlecht für das Wirtschaftswachstum und führten zu höherer Inflation.

Bewertungen werden günstiger

Diese Entwicklung zeige sich in den Wirtschaftsdaten jedoch noch nicht. Das wiederum sei hilfreich für die Kreditmärkte: „In Bezug auf die Bewertungen haben wir seit Jahresbeginn breite und ziemlich konstante Credit Spreads gesehen. Sie sind jetzt wieder auf dem Niveau, das zuletzt in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 erreicht wurde. Historisch gesehen sind sie noch nicht günstig, aber sicherlich günstiger als zu Beginn des Jahres“, sagt Iggo.

Auf den High-Yield-Märkten lasse sich diese Entwicklung nicht nachvollziehen. Sie seien in den USA in etwa auf gleichem Niveau geblieben, die größte Verbilligung habe es in Schwellenländern gegeben. „Eine Reihe von Ländern, darunter Argentinien und die Türkei, musste ihre Zinssätze erhöhen. Zusätzlich gab es Kapitalabflüsse aus den Anleihefonds der Schwellenländer. Das hat dazu geführt, dass Emerging Market Bonds zurzeit auf dem billigsten Niveau seit 2010 sind“, so Iggo.

Negative Stimmung

Die Stimmungslage sei derzeit eher negativ. „Eine Verbesserung der Wirtschaftsdaten ist notwendig. Wir brauchen Fortschritte bezüglich der Handelspolitik der USA. Aber es entwickeln sich auch Chancen auf den Anleihemärkten“, so Iggo. Er erwartet weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Zugleich geht er nicht von einer Veränderung der Zinssätze in Europa oder anderswo aus. Die Renditen könnten demnach etwas steigen.

Iggo betrachtet auch die Zinskurve in den USA. Diese verflache sich weiter, sodass sich beispielsweise die Renditen von zwei- und zehnjährigen Anleihen inzwischen nur noch um 0,35 Prozent unterscheiden. „Typischerweise ist das ein Indikator für langsames Wirtschaftswachstum und vielleicht ein Frühindikator für eine Rezession. Letztere sehe ich dieses Jahr noch nicht kommen, aber es ist etwas zu beobachten“, sagt Iggo.

Die Zinsstrukturkurve im Rest der Welt ist überwiegend positiv, was ein gutes Zeichen für das globale Wirtschaftswachstum sei. Laut Iggo gibt dies Investoren die Möglichkeit, ihre Duration zu erhöhen, sich auf der Zinskurve zu bewegen und hohe Renditen zu erzielen.

Foto: Axa IM

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