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Luxusgüter: Warum Anleger selektiv investieren müssen

Gute Fundamentaldaten sprechen dafür, dass der Luxusgütersektor weiterhin wächst. Doch auch wenn einige Unternehmen zweistellig wachsen, steht die Branche vor Veränderungen und damit verbundenen Herausforderungen. Nicht alle Marken werden profitieren.

Handtaschenabteilung des Luxusgüterkaufhauses Harrods in London.

Viele Unternehmen aus dem Luxusgütersektor [1] übertrafen mit ihren Erstquartalszahlen die Erwartungen, Kultmarken, insbesondere Louis Vuitton (LVMH) und Gucci (Kering), konnten ihr Umsatzwachstum weiter steigern.

Robuste Fundamentaldaten

Dies habe die Aktienkurse ihrer jeweiligen Muttergesellschaften in den letzten Monaten beflügelt, jedoch auch zu Gewinnmitnahmen geführt. Laut Scilla Huang Sun, Portfoliomanagerin der Gam Luxury Brands Strategie, haben Wechselkurseffekte von vier bis neun Prozent –abhängig von der Region– die Ergebnisse negativ beeinflusst.

“Angesichts der weiterhin robusten Fundamentaldaten sowie den gegebenen Voraussetzungen für ein langfristiges Wachstum erwarten wir, dass die Branche auch in diesem Jahr ein organisches Wachstum von mehr als fünf Prozent erzielt”, so Scilla Huang Sun.

Die Region Asien habe sich im ersten Quartal dank der robusten Nachfrage aus China [2] erneut am besten entwickelt.  Ebenso seien die Besucherzahlen von Hongkong und Macao gestiegen – zwei der wichtigsten Luxus-Shopping-Destinationen für Festland-Chinesen. Unterstützend wirke, dass China seine Wirtschaft bislang besser gemanagt habe als von vielen noch vor einigen Jahren vorhergesagt.

Stabile Nachfrage aus China

“Die Wirtschaft der Volksrepublik kommt langsam wieder ins Gleichgewicht, und der Binnenkonsum wird zunehmend zum Wirtschaftswachstum beitragen”, sagt Huang Sun. “In dieser Region bleibt die Vorliebe für westliche Marken sehr groß, vor allem unter den Millennials. Wir schätzen, dass die Chinesen zurzeit rund ein Drittel der globalen Nachfrage nach Luxusgütern stellen.”

Seite zwei: Konsumenten verändern sich [3]

Bei Luxusgütern bleiben Huang Sun zufolge Ladengeschäfte zunächst die erste Wahl der Kunden. Sie geht jedoch davon aus, dass Anbieter von Luxusmarken künftig mehr über ihre Endkunden wissen und dadurch gezielter auf die Kundenbedürfnisse eingehen können.

Laut Bain & Company ist der Anteil der Millennials am Luxusgütermarkt gegenüber den Babyboomern, die nun in den Ruhestand gehen, von 27 Prozent im Jahr 2016 auf 30 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

Verändertes Konsumentenverhalten

Konsumenten im Alter zwischen 18 und 37 zeigten ein anderes Einkaufsverhalten als ihre Eltern. Unter anderem würden sie erwarten, unter mehreren Einkaufskanälen auszuwählen und Ware online bestellen zu können.

“Der Onlinehandel ist, obwohl er nach wie vor weniger als zehn Prozent des Luxusgüterumsatzes ausmacht, der am schnellsten wachsende Vertriebskanal. In Asien und in den USA ist er weiter fortgeschritten als in Europa. Das Onlinegeschäft ist jedoch komplex”, es müssten zahlreiche Details beachtet werden, so Huang Sun.

Eines der bemerkenswertesten Merkmale der aktuellen Erholung im Luxusgütersektor sei die starke Polarisierung in der Branche. Gewinner würden ihren Marktanteil ausbauen und zweistellige Wachstumsraten verzeichnen, während Verlierer nur gering oder gar nicht wachsen würden.

Polarisierung des Sektors

Bain & Company zufolge konnten 65 Prozent der Marken ihre Umsätze in den letzten drei Kalenderjahren steigern, aber nur ein gutes Drittel konnte in dieser Zeit auch die Rentabilität verbessern.

“Wer in den nächsten Jahren zu den Gewinnern zählen möchte, muss die Wünsche der Kunden korrekt einschätzen, um das Angebot für diese neue Luxusära praktisch neu zu erfinden, zugleich aber die Markenidentität wahren. Angesichts dieser Herausforderung dürfte sich die Polarisierung fortsetzen und ein sehr attraktives Umfeld für eine aktive Aktienselektion schaffen”, schließt Huang Sun.

Foto: Shutterstock