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“Keine Einzelschicksale, sondern eine gerechte Veränderung des Wirtschaftssystems”

Was sind Mikrofinanzfonds? Was bewirken sie? Und warum sollten sich Anleger dafür interessieren? Darüber hat Cash.-Online mit Edda Schröder, Gründerin und Geschäftsführerin von Invest in Visions gesprochen. 

Edda Schröder: “Wer erstmal über Mikrofinanz Zugang zur Finanz- und Bankenwelt bekommen hat, ist in das Wirtschaftssystem seines Landes eingebunden und kann so seine eigene Situation verändern.”

Cash.: Mikrokredite sind unter deutschen Anlegern noch recht unbekannt, aber keine neue Möglichkeit der Geldanlage. Die Idee von Muhammad Yunus, der 1976 begann, eigenes Geld zu verleihen, hat sich weiterentwickelt. Was bedeutet Mikrofinanz heute?

Schröder: Im Prinzip hat sich an dem Konzept von Mikrofinanz nichts geändert. Es geht nach wie vor darum, Menschen, die keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen/Mikrokrediten bekommen, diesen Zugang über spezialisierte Mikrofinanzinstitute in den Entwicklungsländern zu ermöglichen, die Institute sind auf diese Zielgruppe spezialisierte Kleinstbanken.

Damit bekommen diese Menschen die Chance sich aus eigener Kraft eine Existenz aufzubauen, Geld zu verdienen und somit sich und ihre Familie aus der Armut zu befreien. Hilfe zur Selbsthilfe und die Unabhängigkeit der Frauen zu fördern ist der Grundgedanke von Mikrofinanz. Existenzen wie Schneiderinnen, Gemüsehandel, Landwirtschaft und Transport sind typische Branchen die finanziert werden.

Bei den Mikrokrediten handelt es sich in den meisten Fällen um Existenzgründungsdarlehen, Betriebsmitteldarlehen oder Investitionsdarlehen. Sie haben Laufzeiten von drei bis zu 24 Monaten. Bemerkenswert ist die Rückzahlungsquote von über 98 Prozent, und das obwohl die Darlehensnehmer arm sind und keine Sicherheiten aufweisen können. Mit Mikrofinanz werden keine Konsumentenkredite finanziert.

Seitdem Prof. Yunus 1983 die Grameen Bank, mit derzeit mehr als 8,3 Millionen Kundinnen –die Bank vergibt Darlehen nur an Frauen–in Bangladesch gegründet hat, hat sich das Konzept der Mikrofinanz weltweit verbreitet. Damit leistet es einen besonderen Beitrag zur Integration wirtschaftlich benachteiligter Gruppen: Wer erstmal über Mikrofinanz Zugang zur Finanz- und Bankenwelt bekommen hat, ist in das Wirtschaftssystem seines Landes eingebunden und kann so seine eigene Situation verändern.

Bei mehr als 10.000 Mikrofinanzinstituten weltweit (laut Weltbank) sind dies keine Einzelschicksale, sondern eine gerechte Veränderung des Wirtschaftssystems. Die Weltbank spricht aber nach wie vor von einer Finanzierungslücke von 200 bis 300 Milliarden US-Dollar.

Seite zwei: Wie risikoaverse Anleger profitieren können + Risiken [1]

Wie können auch überdurchschnittlich risikoaverse Anleger von dieser Entwicklung profitieren?

Seit 2011 gibt es auch Mikrofinanzfonds in Deutschland als Anlageklasse, die für Privatpersonen zugänglich sind. Damit können sich Privatpersonen aber auch institutionelle Investoren an der Refinanzierung von Kleinstkrediten weltweit beteiligen.

Die Fonds vergeben Darlehen an Mikrofinanzinstitute mit dem Zweck, Darlehen zwischen 50 und 50.000 US-Dollar an Kleinstunternehmer zu vergeben. Mit einer Investition in Mikrofinanzfonds verbindet der Anleger eine finanzielle Rendite mit einer sozialen Wirkung. Mikrofinanzfonds korrelieren wenig mit anderen Anlageklassen und bieten eine stetige Rendite, die nur gering schwankt.

Der IIV Mikrofinanzfonds zum Beispiel ist in 33 Ländern in 87 unterschiedlichen Mikrofinanzinstituten investiert. Damit ist das Portfolio breit gestreut, um Risiken zu minimieren.

Welcher Risiken sollten sich Anleger bewusst sein?

Bei einem Mikrofinanzfonds handelt es sich um einen Darlehensfonds, der Darlehen in Entwicklungsländer investiert. Es können politische, makroökonomische oder Währungsrisiken auftreten. Wir prüfen deshalb die Mikrofinanzinstitute an die wir Darlehen vergeben vorab (Due Diligence-Prüfung), beobachten die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Länder und sichern für den Fonds die Landeswährungen gegen US-Dollar oder Euro ab.

Interview: Katharina Lamster

Foto: Invest in Visions