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Selbstfahrende Autos: Vielfältige Chancen für Anleger

Selbstfahrende Autos sind schon längst keine Zukunftsmusik mehr. Sowohl Autohersteller als auch Tech-Giganten beschäftigen sich intensiv mit dieser Technologie. An dieser Entwicklung wollen sich natürlich auch Anleger beteiligen.

Gastbeitrag von Saurin Shah, Neuberger Berman

Saurin Shah: “In ferner Zukunft sind selbstfahrende Autos auch für das Portemonnaie der Eigentümer attraktiv.”

Fahren ohne Mensch am Steuer: Für manche klingt das wie Science-Fiction. Tatsächlich beschäftigen sich aber eine Vielzahl von Akteuren mit diesem Thema. Die Nachrichtenmedien, die Wall Street, Regierungen und Unternehmen wissen, dass es sich hierbei nicht um eine kurzfristige Modeerscheinung handelt.

Sorgen über die Auswirkungen fossiler Brennstoffe auf das Klima und die Verkehrsüberlastung in städtischen Gebieten sowie die Zuversicht im Hinblick auf Technologien [1] haben zu einem grundlegenden Wandel auf globaler Ebene geführt.

In rasantem Tempo werden beim autonomen Fahren Fortschritte erzielt, welche Auswirkungen auf Hersteller und Lieferanten haben. Aber auch Anleger können in Zukunft von der Entwicklung profitieren.

Technologisches Wettrüsten

Ob aus dem Fernsehen oder aus eigener Erfahrung, die meisten haben schon einmal ein Testfahrzeug gesehen, das ausgestattet mit unzähligen Sensoren das autonome Fahren Realität werden lässt.

Alle großen Automobilhersteller sowie Technologieunternehmen wie Google und Apple [2] aber auch Taxi-Dienste wie Uber und Lyft arbeiten an selbständig fahrenden Autos. Das ultimative Rennen hat jedoch schon vor langer Zeit begonnen.

Die stetige Weiterentwicklung von Sensoren und Kameras, die Fähigkeit, alle Straßen zu kartografieren der Fortschritte in der Robotik – all das hat zum Know-how über das autonome Fahren beigetragen.

Seite zwei: Das Puzzle vervollständigt sich [3]

Noch sieht man keine vollkommen selbstständig fahrenden Autos auf den Straßen. Von jährlich etwa 90 Millionen hergestellten Autos weltweit, verfügt keines davon über uneingeschränkte autonome Fähigkeiten [4].

Aber das Puzzle vervollständigt sich langsam aus schon existierenden Bausteinen: darunter autonome Notbremsungen, Radare für die adaptive Geschwindigkeitsregelung, Stauassistenten sowie Totwinkelüberwachungen und Spurhalteassistenten, um nur einige Beispiele zu nennen. Anfang 2020 sollen die ersten kommerziell eingesetzten selbstfahrenden Fahrzeuge auf die Straße kommen.

Misstrauen gegenüber Technik

Einige Hürden gilt es noch zu überwinden. Erstens die Bedenken darüber, das Steuer an eine Maschine zu übergeben. So gaben in einer kürzlich durchgeführten Gartner-Umfrage 55 Prozent der Befragten aus den USA und Deutschland an, dass sie nicht in einem vollständig autonomen Fahrzeug fahren würden.

Sie misstrauen der Fähigkeit, mit unerwarteten Situationen und anderen Schwierigkeiten umzugehen. Allerdings könnten sich 71 Prozent der Befragten vorstellen, in einem teilautonomen Fahrzeug zu fahren.

Die Kosten sind eine weitere Hürde. Selbst die einfachsten Modelle werden zunächst sehr kostspielig sein. Wie bei Fernsehern und Computern, wird es auch mit autonomen Fahrzeugen [5] eine gewisse Zeit brauchen, die Kostenkurve nach unten zu drücken.

Seite drei: Automatisierung erzeugt Flexibilität [6]

Für die Industrie stellt sich also die Frage, wie man die Nachfrage nach selbstfahrenden Autos steigern kann. Die Lösung dafür sind Ride-Sharing-Angebote, also die gemeinsame Nutzung eines Fahrzeuges.

Unternehmen wie Uber und Lyft gehen zwar innovativ an das Taxigeschäft heran, haben aber immer noch einen erheblichen Kostenfaktor: den Fahrer. Verzichtet man auf diesen, werden die Gewinne erst richtig sprudeln. Deshalb verwenden Ride-Sharing-Anbieter auch so viel Zeit auf das autonome Fahren.

Menschen werden vertrauter mit der Technologie

Einen Zwischenschritt stellt auch die vermehrte Nutzung autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Personenverkehr dar. Durch die praktische Erfahrung im Alltag dürften Menschen daher allmählich mit den Technologien vertrauter werden.

In ferner Zukunft sind selbstfahrende Autos [7] dann auch für das Portemonnaie der Eigentümer attraktiv. In der Regel nutzen Menschen ihr Fahrzeug nur zwischen drei und fünf Prozent ihrer Zeit.

Der Car-Sharing-Dienst Turo ermöglicht es Autobesitzern daher, die eigenen Fahrzeuge zu vermieten. Der große Wandel besteht letztlich darin, dass das eigene Auto dann zur Verfügung steht, wenn man es braucht. Die übrige Zeit wird es vermietet und dient als zusätzliche Einnahmequelle.

Vielfalt bietet Chancen für Anleger

Die Branche bietet enormes Weiterentwicklungspotenzial: Autos werden technologisch immer weiter aufgewertet und das bedeutet mehr Sensoren, Rechenleistung und Software.

Um in die Transformation der Automobilbranche [8] zu investieren gibt es einen direkten Weg – Unternehmen, die die neuen Technologien liefern. Gelingt es beispielsweise einem Hersteller, dass seine Kameras in einem Fahrzeug verbaut werden, schlägt sich dies im Gewinn und am Ende auch im Aktienkurs nieder.

Autor ist Saurin Shah, Managing Director und Fondsmanager bei Neuberger Berman.

Fotos: Neuberger Berman, Shutterstock

 

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